[Rezension] Romeo für immer

25. Oktober 2012 | 10:10 | Gelesen

Titel: Romeo für immer
Autorin: Stacey Jay
Originaltitel: Romeo Redeemed
Erstveröffentlichung: 2012
Übersetzerin: Dagmar Schmitz


Wissenswertes

Romeo für immer ist der zweite Teil einer Dilogie der us-amerikanischen Autorin Stacey Jay, die nach zahlreichen anderen Jobs, darunter Tänzerin, Kellnerin sowie schlecht bezahlte Schauspielerin, inzwischen Vollzeitmutter und –autorin ist.

Der Zweiteiler ist eine Art moderne Neuerzählung von Shakespeares Drama Romeo & Julia, spielt aber in der Gegenwart und ist mehr im Fantasy-Bereich angesiedelt.

Inhalt

Jahrhundertelang hat Romeo als Söldner der Apokalypse gegen die Liebe gekämpft. Als er sich aber weigerte Julia zur dunklen Seite zu bekehren, wurde er von den Söldnern verstoßen und zur Strafe zurück in seinen toten verwesenden Körper geschickt. Doch nun zeigt Julias Amme, eine Botschafterin des Lichts, ihm einen Ausweg und damit vielleicht die einzige Chance seinem grausamen Schicksal zu entkommen. Sie bietet ihm an auf die Seite der Botschafter zu wechseln, sobald er bewiesen hat, dass es ihm wirklich ernst damit ist. Dazu wird er in der Vergangenheit erneut Ariel Dragland, die er in einer anderen Realität eigenhändig getötet hat, begegnen und muss sie dazu bringen an die wahre Liebe zu glauben.

Ariels Herz zu erobern wird allerdings selbst für einen Charmeur wie Romeo keine leichte Aufgabe sein, denn die Amme schickt ihn wieder in den Körper von Dylan Stroud: Der Junge, den Ariel hasst, da er nur wegen einer miesen Wette so getan hat als würde er etwas für sie empfinden …

Kritik

Romeo für immer ist eine gelungene Fortsetzung zu Julia für immer, die ihren Vorgänger zwar nicht übertrifft, ihm aber ebenbürtig ist und dem Leser die Möglichkeit gibt zu erfahren, wie Stacey Jays besondere Version von Shakespeares Tragödie für Romeo zu Ende geht.

Der Kampf zwischen den Söldnern der Apokalypse und den Botschaftern des Lichts sowie ihre Verbindung zu Romeo und Julia dürften den meisten Lesern schon aus dem ersten Teil bekannt sein. Für alle anderen wird im ersten Kapitel noch einmal die Geschichte um Romeos Verrat an Julia kurz zusammengefasst, wobei man dieses Mal aber erfährt, was er wirklich dabei dachte und empfunden hat, und kurz angerissen, wie es danach für Beide weiter ging um schließlich zur Gegenwart überzuleiten. Das zweite Kapitel wird ebenfalls nur denen, die Julia für immer bereits gelesen haben, bekannt vorkommen, denn es handelt sich dabei Wort für Wort um das letzte Kapitel des Vorgängers. Es schadet allerdings nichts sein Gedächtnis noch einmal aufzufrischen, bevor man sich mitten im Geschehen befindet.

Im Gegensatz zum Vorgänger wird Romeo für immer die ganze Zeit über aus zwei verschiedenen (Ich-)Perspektiven erzählt, nämlich sowohl aus der Sicht von Romeo als auch aus der von Ariel, wodurch man sich in beide Protagonisten sehr gut hinein versetzen kann und stets weiß, was wirklich in ihnen vorgeht.

Romeo macht im zweiten Teil der Dilogie eine richtig tolle Verwandlung durch und man sieht ihm nur zu gerne dabei zu. Wider Erwarten gelingt es ihm mit der Zeit sogar die Sympathie des Lesers zu gewinnen. Er findet endlich heraus, was es wirklich bedeutet jemanden wahrhaftig zu lieben und dass er, trotz allem, was er in den vielen vergangenen Jahrhunderten getan und erlebt hat, immer noch in der Lage ist jemanden zu lieben und über alles andere zu stellen, auch wenn er einige Zeit braucht um sich das selbst einzugestehen. Außerdem fällt es ihm nicht leicht sich selbst zu vergeben und er glaubt lange, dass er es nicht mehr wert sei von jemandem geliebt zu werden, obwohl er seine Taten inzwischen bereut.

Ariel entwickelt sich in diesem Band ebenfalls merklich weiter, wenn man nicht sogar schon davon sprechen kann, dass sie ein völlig neuer Mensch wird. Dank Romeo und seiner Aufrichtigkeit gegenüber Ariel ist sie endlich bereit sich einem anderen Menschen zu öffnen und über ihre Ängste zu sprechen. Er sorgt dafür, dass sie im Spiegel klar und deutlich die Person sieht, die sie tatsächlich ist und nicht mehr die, zu der Ariel sich jahrelang selbst degradiert hat. Sie ist nämlich weder ein Freak noch hässlich und es daher wert geliebt zu werden. Diese Veränderung bewirkt ferner, dass sie nicht immer nur vom schlechtesten ausgeht, sondern lernt zu vertrauen.

Die Beziehung zwischen Ariel und Romeo zieht den Leser in ihren Bann und der Autorin gelingt es die verschiedenen Emotionen sehr gut zu vermitteln. Es ist schön zu beobachten wie Ariel und Romeo einander positiv beeinflussen und sich für die Liebe öffnen. Sie akzeptieren den jeweils anderen so wie er ist und lieben ihn mit seinen Fehlern. Natürlich werden sie gemeinsam vor einige, zum Teil scheinbar unüberwindbare, Herausforderungen gestellt, denn Beiden droht von Söldnern und Botschaftern Gefahr, und nur wenn es ihnen gelingt einander trotz aller Zweifel und Manipulationen zu vertrauen, können sie diese Hindernisse überwinden.

Neben den Szenen aus Ariels oder Romeos Perspektive, gibt es wieder ein paar Zwischenspiele, dieses Mal aus der Sicht von Julia, was für den ein oder anderen sicher überraschend kommt, da man ihre Geschichte für abgeschlossen hielt und nicht damit gerechnet hat ihr noch einmal zu begegnen. Durch diese Zwischenspiele keimt gleich zu Beginn ein schrecklicher Verdacht auf, der einem einfach keine Ruhe mehr lässt und einem sämtliche Freude an der Serie nehmen würde, sollte er sich bewahrheiten. Ob man richtig liegt oder, hoffentlich, nicht, erfährt man jedoch erst auf den letzten Seiten.

In Romeo für immer lernt man nun auch Bruder Lorenzo sowie Julias Amme besser kennen und wird mit einer schockierenden Wendung überrascht. Während man von Bruder Lorenzo nichts anderes als Böses erwartet, zeigt Julias Amme dagegen endlich ihr wahres Gesicht. Das ist zwar erschreckend, sorgt aber dafür, dass einem so einiges klar wird, was man sich vorher nicht erklären konnte.

Entgegen der im Verlauf der Handlung möglicherweise entstandenen Befürchtungen ist das Ende absolut zufrieden stellend, nur vielleicht anders als erwartet. Sowohl die lieb gewonnenen als auch die verabscheuten Figuren bekommen das Ende, das sie verdienen und die etwas andere Variante von Romeo und Julia damit einen würdigen Abschluss.

Fazit

Mit Romeo für immer hat Stacey Jay ihrer etwas anderen Fassung von Shakespeares bekanntestem Drama zu einem gelungenen Abschluss verholfen. Viele offene Fragen werden beantwortet und man wird erneut von einer packenden und wirklich berührenden Liebesgeschichte vereinnahmt.

Wer nach Julia für immer wissen wollte wie es mit Romeo und Ariel weiter geht, sollte die Fortsetzung auf jeden Fall lesen, selbst wenn man Romeo nach dem ersten Teil nicht unbedingt ins Herz geschlossen hat, denn sonst wird man nie erfahren, welche Rolle Julia im weiteren Verlauf der Geschichte noch gespielt hat





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