[Interview] Kendare Blake

27. April 2017 | 00:45 | Nachgefragt

Im Rahmen der aktuellen Bloggeraktion zu Der schwarze Thron, das am 09. Mai 2017 bei Penhaligon erscheint, habe ich die Autorin Kendare Blake um ein Interview gebeten und sie hat nicht nur zugesagt, sondern die vielen Fragen auch erstaunlich schnell beantwortet. Dadurch kann ich euch nun schon heute die interessanten Informationen zu ihrer neuen Reihe, der grausamen Welt, in der sie spielt, und zu ihrer Arbeit als Autorin im Allgemeinen präsentieren.

An dieser Stelle auch noch einmal ein großes Dankeschön an Mrs Blake, die sich für das Beantworten der Fragen Zeit genommen hat!

Wann und wie sind Sie auf die Idee zu „Der schwarze Thron“ mit seiner grausamen Welt, in der königliche Drillinge dazu bestimmt sind einander zu töten, gekommen?
Durch einen Bienenschwarm. Bei einer Veranstaltung war draußen in einem Baum ein Bienenball, also ein Ball bestehend aus Bienen, und jeder hatte große Angst davor. Doch es war zufällig eine Imkerin anwesend, die uns versicherte, die Bienen würden nur ihre Königin in der Mitte des Balls beschützen und so lange wir sie in Ruhe ließen, würden sie das gleiche mit uns tun. Ich löcherte diese Imkerin dann mit Fragen über Bienen und sie erzählte mir, dass eine Bienenkönigin mehrere Königinnen-Eier legt bevor sie ihren alten Bienenstock verlässt. Wenn diese dann schlüpfen töten sie einander um zu sehen, wer das Erbe antritt. Ich dachte einfach nur, dass das brutal und wundervoll zugleich ist – und wollte das mit Menschen machen.

Welchen Teil des Buches haben Sie zuerst geschrieben?
Tatsächlich habe ich zuerst etwas geschrieben, das später eine Art Vorgeschichte wurde. Dann hat meine Agentin jedoch gesagt, dass das nicht die Stelle sei, an der das Buch beginnt, also habe ich einen neuen Anfang geschrieben. Sie sagte, es wäre immer noch nicht richtig, daher schrieb ich ihn noch einmal. Und vielleicht noch einmal. Ich habe also mit dem Anfang begonnen, in dem Versuch den richtigen Weg zu finden, um die Geschichte zu erzählen. Und ich habe ihn mehrere Male geschrieben.

Sie haben drei sehr verschiedene Schwestern mit ungleichen Gaben erschaffen. Welche der Schwestern kam Ihnen als erstes in den Sinn? Welche mögen Sie am liebsten? Arsinoe, Katharine oder Mirabella? Warum?
Die Idee zur Geschichte hatte ich im Frühling 2013, deshalb kann ich mich nicht mehr genau daran erinnern, wen ich im zuerst im Kopf hatte. Und ich kann unter den Schwestern keine Favoritin wählen, denn ich liebe alle drei.

Was hat Sie dazu inspiriert die wunderbaren Familiaris zu entwerfen und sie in diese düstere Geschichte einzubauen?
Ich habe Tiere schon immer geliebt und die Familiaris fühlten sich wie ein natürlicher Bestandteil der Fähigkeit der Naturbegabten an. Generell macht es viel Spaß Tiere mit starken Persönlichkeiten zu entwickeln. Die Geschichte selbst ist ziemlich düster; wenn es mir gelingt ihr etwas Leichtigkeit zu verleihen, geschieht das, wie ich finde, oft durch die tierischen Charaktere.

Hatten Sie einen realen Ort vor Augen während sie Fennbirn gestaltet haben?
Nicht wirklich. Fennbirn ist teilweise angelehnt an die mythische Insel Avalon. Umgeben von Nebel, manchmal zu finden, manchmal nicht, etc. Als ich Wolfsquell, die Stadt der Naturbegabten, entwarf, dachte ich an ein ländliches Fischerdorf in Irland oder Großbritannien. Rolanth, die Stadt der Elementwandler, wurde von italienischen Städten beeinflusst, die Hauptstadt Indridskamm von französischen und ein kleines bisschen von russischen. Sie sind aber alle nur sehr lose daran angelehnt. Die Insel und ihre Städte sind etwas ganz Eigenes.

Welche Szene war für Sie im ersten Buch am schwierigsten zu schreiben? Oder am einfachsten?
Die Szenen mit Mirabella waren manchmal schwierig … sie trägt den stärksten emotionalen Konflikt mit sich aus. Die Festessen der Giftmischer zu schreiben hat hingegen immer Spaß gemacht. Und ich habe es sehr genossen an Luke und seinem Hahn zu arbeiten, Hank.

Was können die Leser von der Fortsetzung bzw. den Fortsetzungen erwarten? Wie viele Bände wird es überhaupt geben? Bei Goodreads steht die Reihe wäre eine Dilogie, einige andere Quellen sprechen von einer Tetralogie.
Die Reihe wird insgesamt vier Bände umfassen, zuzüglich ausgewählter Extras. Ursprünglich sollte es tatsächlich eine Dilogie werden, doch der Erfolg des ersten Bandes hat es mir ermöglicht mehr von der Geschichte zu erzählen, wovon ich wirklich begeistert bin!

Eine Verfilmung des ersten Teils ist bereits in Planung. Sind Sie irgendwie in das Projekt involviert? Sind sie gespannt – oder besorgt, dass sie die Geschichte vielleicht ruinieren könnte?
Ich werde nur soweit an dem Projekt beteiligt sein, wie die Produzenten es wollen. Vertraglich muss ich überhaupt nicht mit einbezogen werden. Aber das beunruhigt mich nicht im Geringsten. Die Leute von 21 Laps sind die verantwortlichen Produzenten, also die gleichen Leute, die auch Arrival oder Stranger Things produziert haben. Zwei meiner Favoriten des vergangenen Jahres, daher könnte ich mich kaum mehr über ihre Mitwirkung freuen.

Und was das „ruinieren der Geschichte“ angeht, war ich nie beunruhigt. Was in einem Buch gut funktioniert, wirkt in einem Film vielleicht gerade nicht, und umgekehrt. Aber das Buch wird immer das Buch sein. Daran wird sich nichts ändern. Alles, was die Produzenten tun müssen, ist also zu versuchen den besten Film zu machen, den sie machen können, nach ihrer eigenen kreativen Vision. Und ich bin schon überaus gespannt darauf zu sehen, was sie sich alles einfallen lassen.

Seit Ihr erstes Buch veröffentlicht wurde ist viel Zeit vergangen. Hat sich Ihr Schreibprozess seitdem verändern? Falls ja, inwiefern?
Mein Schreibprozess ändert sich scheinbar mit jedem Projekt. Genauso wie sich jede neue Serie von der vorherigen unterscheidet. Ich kann nicht genau beschreiben, wie er sich verändert hat. Ich träume Szenen noch immer mit offenen Augen, ich sitze nach wie vor an meinem Schreibtisch und tippe. Aber ich mache bestimmte Sachen stilistisch anders und ich schreibe nun Vollzeit, das ist eine drastische Veränderung.

War es schon immer Ihr Traum Ihren Lebensunterhalt mit dem Schreiben zu verdienen?
Ja, zumindest die meiste Zeit über. Ich dachte natürlich nie, dass ich es könnte. Es schien eher ein Traum zu sein. Ich ging für etwas völlig anderes zur Schule. Und es gab währenddessen auch andere Träume … mit acht Jahren wollte ich zum Beispiel Rennpferde trainieren.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf? Gibt es etwas, das Sie nicht mögen?
Ich mag so gut wie alles daran eine Autorin zu sein. Es ist alles, was ich jemals wirklich tun wollte. Das mit den Rennpferden war nur flüchtig. Also kann ich auch nicht behaupten, dass es irgendetwas gibt, das ich nicht mag.

Entspringen Ihre Charaktere vollständig Ihrer Phantasie oder denken Sie dabei an reale Personen, wie z. B. Freunde oder Schauspieler?
Meine Lieblingsfiguren, das sind diejenigen, mit denen zu arbeiten sich als besonders leicht herausstellt, tauchen meist schon völlig ausgeformt auf. Sie sind fast immer schon ganz eigenständige Personen. Manchmal borge ich mir allerdings den Hund oder die Katze von jemandem aus. Tybalt aus Anna im blutroten Kleid war meine eigene Katze, die Berglöwin Camden basiert auf der fiesen getigerten Katze meines Bruders. Tatsächlich basieren Luke und sein Hahn auf einer realen Person. Doch das ist das erste Mal, dass das jemals vorgekommen ist.

Gibt es in irgendeinem Ihrer Romane einen Charakter, den sie besonders schätzen oder mit dem sich am meisten verbunden fühlen? Falls ja, wer ist es und warum? Und gibt es einen, den Sie überhaupt nicht mögen?
Ich könnte nie zwischen meinen Charakteren wählen. Ich liebe sie alle, sogar die Bösewichte, aus verschiedenen Gründen. Zumindest, was die Hauptfiguren betrifft.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie eimal nicht mit dem Schreiben beschäftigt sind?
Ich habe zwei Hunde und zwei Katzen, die eine Menge Zuwendung und Aufmerksamkeit beanspruchen. Lange Spaziergänge, Wanderungen, Bäder und dergleichen. Ich schaue Filme und Fernsehen. Ich liebe es zu essen und neue Gerichte auszuprobieren. Ich verreise gern, wenn ich kann, der Großteil einer Reise dreht sich letztlich aber immer um die Arbeit.

Wenn Sie einen Tag in die Rolle irgendeiner Figur aus einem Buch oder Film schlüpfen könnten, welche wäre es?
Ich glaube, es würde viel Spaß machen in die Harry Potter Bücher zu schlüpfen, insbesondere am Hogsmeade Tag.

Grundsätzlich hängt es stark davon ab, was meine Rolle an manchen dieser Orte wäre. Bin ich zum Beispiel nur eine unbedeutende Nebenfigur? Werde ich gefressen, wenn ich mich für einen Zombie Streifen entscheide? (Ich würde niemals einen Zombie Streifen wählen, aber ihr versteht, was ich meine?)

Mit welcher Person (tot oder lebendig) würden Sie gerne einmal einen ganzen Tag verbringen, wenn Sie könnten und warum?
Heinrich VIII. Auch wenn ich denke, dass ich ihn nicht besonders mögen würde. Faszinierend wäre es trotzdem.




Kommentare

  1. Ein sehr interessantes Interview, das noch mal ein anderes Licht auf das Buch wirft und es noch ein kleines bisschen spannender macht.

    Liebe Grüße, Nanni

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