[Rezension] Der nasse Fisch

11. Oktober 2017 | 22:36 | Gelesen

Titel: Der nasse Fisch
Autor: Arne Jysch
Originaltitel: Der nasse Fisch
Erstveröffentlichung: 2017
Übersetzer: Originalsprache


Wissenswertes

Der nasse Fisch ist der zweite Graphic Novel von Arne Jysch, der Kommunikationsdesign und Animation studiert hat. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Volker Kutscher, dem ersten von mittlerweile sechs erfolgreichen Romanen um den Kommissar Gereon Rath. Insgesamt ist die Reihe auf acht Bände angelegt, sie alle spielen im Berlin der späten 20er bzw. frühen 30er Jahre.

Inzwischen wurde die Romanreihe unter dem Titel Babylon Berlin auch als TV-Serie verfilmt und gilt als die bislang teuerste deutsche Fernsehproduktion. Ab Oktober dieses Jahres wird die Serie zunächst in Doppelfolgen wöchentlich bei Sky ausgestrahlt, erst ein Jahr später soll dann die Free-TV-Ausstrahlung auf ARD folgen.

Inhalt

1929: Nach einem unglücklichen Vorfall in Köln muss Kommissar Gereon Rath nach Berlin ziehen und dort bei der Sitte noch einmal neu anfangen. Das hält den ehrgeizigen Polizisten allerdings nicht davon ab sich nebenbei ungefragt in aktuelle Mordermittlungen einzumischen und auf eigene Faust zu ermitteln, um lieber früher als später Teil der renommierten Berliner Mordinspektion zu werden. Dabei macht er sich jedoch schnell Feinde und verstrickt sich schließlich immer mehr in einem wirren Netz aus Lügen und Korruption …

Kritik

Der nasse Fisch ist ein Graphic Novel, der sich, genau wie die gleichnamige Romanvorlage von Volker Kutscher, spürbar an erwachsene Leser richtet, schon allein auf Grund der eher ernsten sowie düsteren Thematik. Der Ton ist insgesamt ziemlich rau gehalten – passend zum Protagonisten, der definitiv kein typischer Held mit weißer Weste ist.

Obwohl die Ereignisse aus seiner Perspektive geschildert werden, fällt es einem schwer sich mit Gereon Rath zu identifizieren oder ihn auch nur zu mögen. In seiner Haut möchte man jedenfalls nicht stecken, insbesondere weil er sich so schnell Feinde macht. Er ist kein durch und durch schlechter Mensch, hat aber reichlich Ecken und Kanten und macht im Verlauf der Geschichte einige Fehler. Sein Ehrgeiz lässt ihn manchmal etwas leichtsinnig werden, wodurch er bei seinen unaufgeforderten Ermittlungen schon bald selbst ins Visier gerät. Außerdem hält er sich nicht immer ans Gesetz – seine Methoden sind mitunter alles andere als legal – was ihn nicht gerade zu einem Vorbild macht. So vernichtet er zum Beispiel entscheidende Beweismittel und hält wichtige Informationen lange zurück, um sich selbst zu schützen und seine eigenen Taten zu verschleiern.

Die Handlung ist durchgängig spannend, vor allem wegen des konstanten Tempos der Erzählung, und fesselt gleich zu Beginn durch den interessanten Einstieg voller mysteriöser Andeutungen, die erst im späteren Verlauf aufgelöst werden. Sie steckt voller Intrigen und Machtkämpfe und entwickelt sich zunehmend in eine völlig andere Richtung als anfänglich angenommen. Es gibt zahlreiche schockierende Enthüllungen sowie unerwartete Wendungen. Die einzelnen Fälle sind alle miteinander verstrickt und man möchte unbedingt wissen, wer oder was hinter all dem steckt. Manches geht zwischendurch allerdings etwas zu schnell, sodass Fragen offen bleiben oder man das Gelesene lange Revue passieren lassen muss, um gewisse Erkenntnisse zu begreifen bzw. deren Erlangung nachvollziehen zu können.

Die Auflösung ist dafür umso besser gelungen und zumindest die wichtigsten Fragen werden am Ende beantwortet, einschließlich der, wie das Buch zu seinem Titel kam und was genau er bedeutet.

Besonders faszinierend ist darüber hinaus das Setting: das Berlin der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Für einen kurzen Moment wird man regelrecht in die Vergangenheit zurückversetzt. Manche Plätze erkennt man auf Anhieb, einige Gebäude stehen noch heute. Andere hingegen haben den zweiten Weltkrieg leider nicht überstanden, darunter auch die „Rote Burg“, die ein wahrlich beeindruckendes Bauwerk gewesen sein muss.

Gern möchte man noch mehr über die damaligen Zustände und Probleme erfahren, wobei es im Hinblick auf die Geschichte generell von Vorteil ist, wenigstens über ein paar geschichtliche und politische Vorkenntnisse zu verfügen. Der eigentlichen Handlung kann man dann jedenfalls etwas besser folgen, manche Zusammenhänge leichter verstehen.

Es ist wirklich interessant solch einen Krimi einmal in Form eines Graphic Novels zu erleben, der sich gut in einem Rutsch lesen lässt. Der schlichte Zeichenstil von Arne Jysch und die dunklen Graustufen passen außerdem sehr gut zur ohnehin eher düsteren Atmosphäre der Geschichte.

Fazit

Der nasse Fisch ist ein gelungener Graphic Novel, der trotz seines eher unsympathischen Protagonisten Lust auf mehr macht. Bleibt also nur zu hoffen, dass noch weitere Romane von Volker Kutscher um den Kommissar Gereon Rath auf diese Weise adaptiert werden.





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