[Rezension] Der letzte erste Kuss

07. Dezember 2017 | 17:58 | Gelesen

Titel: Der letzte erste Kuss
Autorin: Bianca Iosivoni
Originaltitel: Der letzte erste Kuss
Erstveröffentlichung: 2017
Übersetzer: Originalsprache


Wissenswertes

Der letzte erste Kuss ist der neueste Roman der deutschen Autorin Bianca Iosivoni, die Sozialwissenschaft studierte und mehrere Jahre in einer Online-Redaktion arbeitete, aber schon immer von Geschichten fasziniert war. Als Jugendliche begann sie zu schreiben – und kann nun nicht mehr damit aufhören.

Der letzte erste Kuss ist zudem der zweite Band einer Tetralogie. Der dritte Teil wird den Titel Die letzte erste Nacht tragen, im Mai 2018 erscheinen und von Tate und Trevor handeln. Im gleichen Jahr soll es dann noch einen vierten Band über Mason und Grace geben. Dabei soll es sich jedoch bloß um eine Novelle handeln, die deshalb auch nur digital erhältlich sein wird.

Laut eines Hinweises am Ende des Buches, sollen darüber hinaus aber schon jetzt weitere Romane von Bianca Iosivoni bei LYX in Vorbereitung sein.

Inhalt

Elle und Luke sind beste Freunde seit sie sich im ersten Semester auf dem College kennengerlernt haben und können sich immer aufeinander verlassen. Um diese Freundschaft nicht zu gefährden, haben sie damals die Vereinbarung getroffen, nichts miteinander anzufangen, und obwohl sie ständig miteinander flirten, haben sie sich stets daran gehalten – bis ein schwacher Moment – ein leidenschaftlicher Kuss – plötzlich alles verändert. Auf einmal scheint der Damm gebrochen und die beiden sind trotz aller guten Vorsätze fortan nicht mehr in der Lage die Finger voneinander zu lassen. Aber während sie sich noch einzureden versuchen, dass nichts davon eine tiefere Bedeutung hat, beginnt die Grenze zwischen Freunden und Liebenden mehr und mehr zu verschwimmen. Doch wofür werden sie sich am Ende entscheiden- Freundschaft oder Liebe?

Kritik

Mit Der letzte erste Kuss hat Bianca Iosivoni einen fantastischen New Adult Roman und zugleich eine großartige Fortsetzung zu ihrer Firsts-Reihe geschrieben, die womöglich sogar noch besser ist als der Vorgänger.

Elle und Luke sind ein wundervolles Paar, welches man ausgesprochen gern auf dem beschwerlichen Weg des Zueinanderfindens begleitet. Beide sind sehr individuelle, gut ausgearbeitete Charaktere mit ganz speziellen Eigenheiten und Problemen, wie sie jeder Mensch in irgendeiner Form hat.

Elle ist nach wie vor eine sehr sympathische Figur, mit der man sich gut identifizieren kann. Sie weist jedem Kontakt in ihrem Smartphone einen speziell auf diese Person zugeschnittenen Klingelton zu und erledigt Aufgaben immer erst auf den letzten Drücker, also kurz vor Ablauf der Deadline. Man freut sich sehr darüber im zweiten Band nun endlich noch mehr über sie und ihre Vergangenheit zu erfahren. Elle hat offenbar familiäre Schwierigkeiten bzw. eine komplizierte Beziehung zu ihrer Familie, insbesondere wegen ihrer Mutter, was sie verständlicherweise stark belastet.

Im Gegensatz zu ihrer Tochter ist Elles Mutter alles andere als liebenswürdig. Sie ist egoistisch, oberflächlich und völlig ignorant den Wünschen und Gefühlen ihrer Tochter gegenüber. Für sie zählt allein das Ansehen der Familie in der Öffentlichkeit und diesbezüglich ist Elle ihr ganz offenkundig ein Dorn im Auge. Ihr Vater schein Elle zwar durchaus zu lieben, nimmt sie aber nicht in Schutz und lässt das unmögliche Verhalten seiner Ehefrau tatenlos zu. Das stimmt einen zwar ziemlich traurig, doch immerhin sind diese Probleme weder übertrieben dramatisch noch unrealistisch, wie es in dem Genre sonst häufig der Fall ist.

Luke ist trotz seines unmanierlichen Verhaltens anderen Frauen gegenüber insgesamt ein sehr liebenswerter Protagonist, der immer für seine Freunde da ist und für sie sogar ungefragt über Nacht durch vier Bundesstaaten fährt, wenn er das Gefühl hat gebraucht zu werden. Er liebt es zu lesen und zu laufen, wobei letzteres ihm am besten ermöglicht unerwünschte Gedanken loszuwerden. Seine Angst vor Bindungen hat natürlich Gründe, die eng mit seiner Vergangenheit verknüpft sind. Er gibt sich die Schuld am Tod seiner Eltern und hat deren Verlust noch immer nicht richtig überwunden. Er will niemanden zu nahe an sich heranlassen, weil er sich davor fürchtet ein weiteres Mal jemanden zu verlieren, den er liebt.

Der Tod der gemeinsamen Eltern hat auch die Beziehung zu seinem Bruder negativ beeinflusst und die Geschwister entfremdet, denn Luke ist überzeugt, dass Landon ihn ebenfalls für den schweren Verlust verantwortlich macht. Im späteren Verlauf der Handlung nähern sich die beiden aber glücklicherweise wieder einander an.
Lukes (Groß-)Tante DeeDee ist hingegen ungeachtet ihrer etwas verschrobenen Art ganz zauberhaft und erobert das Herz des Lesers im Sturm.

Dank der erneuten Schilderung der gesamten Geschichte aus den abwechselnden Perspektiven beider Protagonisten, kann man sich sowohl in Elle als auch in Luke sehr gut hineinversetzen und weiß stets, was in ihnen vorgeht. Man versteht, warum sie sich in dieser oder jener Situation auf eine bestimmte Weise verhalten, was allerdings nicht zwingend bedeuten muss, dass man ihre Reaktion gutheißt. Noch wichtiger ist aber, dass man genau weiß, warum die beiden sich lieben.

Elle und Luke sind ein ausgesprochen tolles Paar, was man als Leser schon lange vor ihnen erkennt. Während des Lesens kann man es also kaum erwarten, dass sich mehr zwischen ihnen entwickelt. Sie ergänzen sich prima und können sich auf den jeweils anderen verlassen, selbst wenn sie zuletzt im Streit auseinander gegangen sein sollten. Wenn es hart auf hart kommt, spielt das keine Rolle mehr. Egal, wie sehr Luke Elle mit seinem Verhalten vielleicht verletzt haben mag, er ist und bleibt ihr bester Freund, dem sie in Not zur Seite steht. Obwohl sie ihre Freundschaft verständlicherweise nicht aufs Spiel setzen wollen, lohnt es sich daher das Risiko einzugehen, da sie bei keinem anderen Menschen solche Gefühle haben wie in der Gegenwart des jeweils anderen. Luke baut zwar Mist und macht einige Fehler, doch Elle ist genauso wenig perfekt und am Ende sieht schließlich er ein, dass er sich falsch verhalten hat und kämpft für sein Glück. Er hat es mehr als verdient glücklich zu werden, ebenso wie Elle.

Die Chemie zwischen ihnen stimmt einfach und die Sprüche, die sie einander an den Kopf werfen, bzw. die Dialoge zwischen ihnen, sind absolut herrlich! Meistens sind sie vor allem witzig, manchmal aber auch sehr heiß. Letzteres trifft ebenso auf die großartigen Sexszenen zu, die sich nie zu sehr in den Vordergrund drängen oder die eigentliche Handlung in den Hintergrund treten lassen. Nur Bianca Iosivoni schafft es unheimlich prickelnde, leidenschaftliche Szenen zu schreiben, in denen die Charaktere (nahezu) vollständig bekleidet sind und eigentlich nicht einmal wirklich Sex haben. Man bekommt mitunter richtig Herzklopfen oder benötigt dringend eine kalte Dusche, wofür zum Teil allein schon das Sexting zwischen Elle und Luke ausreichen kann. Es muss somit nicht einmal eine erotische Szene im herkömmlichen Sinn sein. Außerdem gelingen ihr solche Szenen auch in sprachlicher Hinsicht immer besonders gut; ihre Beschreibungen sind nämlich weder vulgär noch zu blumig. Dennoch fehlt es dem Roman nicht an Emotionen und ein paar Ereignisse bringen einen sogar zum Weinen.

Ihre biologische Verwandtschaft mag Elle zwar nicht den Rücken stärken, die Familie, die sie sich selbst ausgesucht hat, genauer gesagt ihre Freunde, tun dies dafür umso mehr. Elle und Luke sind Teil einer nach wie vor tollen Clique, die fortwährend eine Rolle spielt und nie völlig nebensächlich wird, sodass man sich über jeden noch so kleinen Auftritt der lieb gewonnenen Figuren, allen voran Emery, Dylan, Trevor, Tate und Mason, freut. Wer den ersten Band mochte, wird vor allem von den etwas längeren Szenen mit Emery und Dylan begeistert sein, die weiterhin eine Vorliebe dafür haben einander überaus witzige Streiche zu spielen, woran die Autorin ihre Leser zum Glück auch in der Fortsetzung teilhaben lässt. Durch ein paar kleine Andeutungen in Bezug auf Tate und Trevor, wird ferner die bereits vorhandene Vorfreude auf den dritten Band noch einmal gesteigert.

Fans von Was auch immer geschieht haben ebenfalls Grund zur Freude, denn sogar Callie und Keith haben einen Gastauftritt in Der letzte erste Kuss. Man muss allerdings keine Angst vor Spoilern haben, falls man diesen wunderbaren Roman noch nicht gelesen hat. Das einzige, was im Prinzip verraten wird, ist ein Umstand, der im Hinblick auf das Genre ohnehin beinahe selbstverständlich ist.

Auch das Ende ist der Autorin sehr gut gelungen. Es ist romantisch, kommt ohne übertriebene Dramatik aus und passt perfekt zu den Figuren. Darüber hinaus ist es authentisch, dass nicht alle Probleme sich aus heiterem Himmel in Luft auflösen. In der Realität kann man leider nicht jede Beziehung retten und es wäre doch ziemlich unglaubwürdig gewesen, wenn eine gewisse Person plötzlich eine Erleuchtung gehabt und all ihre Fehler eingesehen hätte. Es wäre allenfalls wünschenswert gewesen, dass Elle ihrer restlichen Familie oder wenigstens ihrer Schwester Sadie erzählt, was für ein fieses Spiel mit ihr getrieben wurde und wer die alleinige Schuld daran trägt, dass sie sich so von ihrer Familie entfernt hat.

Schön ist zudem, dass die Geschichte von Elle und Luke nicht zu abrupt endet, sondern in Ruhe ausklingen kann, wobei selbst der Titel des Buches wieder kurz Erwähnung findet.

Fazit

Der letzte erste Kuss ist ein überaus gelungener New Adult Roman, der Fans des Genres auf jeden Fall begeistern wird. Den dritten Band wird man sich nach dieser tollen Fortsetzung daher keinesfalls entgehen lassen!





Kommentare

  1. Schön, dass das Buch bei Dir so gut ankam. Ich mag es auch noch lesen. =)

    Neri, Leselaunen

    • Ja, es war wirklich toll, Bianca Iosivoni trifft bei mir offenbar einen Nerv. Kennst du denn den ersten Teil schon? Der ist auch ganz wunderbar!

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