Aug  07

[Meet & Greet] Fan-Event zu Margos Spuren

07. August 2015 | 22:22 | Erlebt

Am 16. Juni 2015 kamen John Green, Cara Delevingne und Nat Wolff für ein besonderes Fan Event zur kommenden Verfilmung von Margos Spuren nach Berlin und dank dtv konnten zehn Blogger, einschließlich mir, von denen einige sogar extra aus Bayern angereist waren, daran teilnehmen und John Green vorher sogar persönlich treffen.

Das Meet & Greet mit dem Autor fand am Nachmittag im SoHo House statt, in dem wir erst einmal ziemlich lange warten mussten. Auf dem Gang liefen uns dafür später Cara Delevingne und Nat Wolff über den Weg und begrüßten uns. Leider war diese kurze Begegnung jedoch viel zu überraschend und zu schnell vorüber als dass man um ein Autogramm hätte bitten können.

Insgesamt war die ganze Organisation des Treffens relativ chaotisch und der angesetzte Zeitraum wurde mehrmals verschoben. Darüber hinaus war es meiner Meinung nach äußerst unschön, dass von den Verantwortlichen bloß zehn Minuten für das Meet & Greet mit zehn Personen eingeplant waren. Das soll keine Beschwerde sein, schließlich war es trotz allem eine einmalige Gelegenheit und weder John Green noch dtv trifft irgendeine Schuld. Aber durchschnittlich eine Minute pro Person reichte gerade einmal für einen Händedruck, eine rasche Signatur, ein schnelles Photo und vielleicht ein bis zwei hastige Sätze. Selbst der Autor schien nicht begeistert zu sein als man ihm mitteilte, dass er auch für diesen Termin wieder nur zehn Minuten Zeit hätte, da er sich offenbar auf seine Fans gefreut hatte.

Es war ihm zwar anzumerken, dass er ziemlich gestresst und müde war, weil er im Hotel schon stundenlang zahlreiche Interviews gegeben hatte, dennoch war er sehr freundlich und zu Scherzen aufgelegt. Außerdem gab er uns allen natürlich ein „DFTBA“ (Don’t forget to be awesome!) mit auf den Weg und signierte einige der neuen Ausgaben von Margos Spuren, die der Verlag uns allen spendierte.

Anschließend ging es zum Zoo Palast, wo abends das Fan Event stattfand. Da wir zum Glück reservierte Plätze hatten, mussten wir uns trotz unserer verspäteten Ankunft am Kino wenigstens darüber keine Gedanken machen.


Neben John Green, Cara Delevingne und Nat Wolff waren noch zwei deutsche Youtuber zu Gast, Maren Merkel und Sami Slimani, von denen ich allerdings weder die eine noch den anderen kannte. Im Gegensatz zur anwesenden Presse, die die beiden wegen der Photos anbrüllte (nach links, nach rechts, guck frech, über die Schulter, etc) als stünden Brangelina vor ihnen, was bei mir eher für Unverständnis sorgte.

Bevor dann die richtigen Stars eintrafen wurden alle Fans mit der scheinheiligen Begründung, der Film würde in wenigen Augenblicken beginnen, aus dem Foyer gejagt, damit sie nicht nach Autogrammen fragen konnten. Ich fand das ziemlich unfair, aber wer will sich schon mit der Security anlegen?

Im Saal mussten wir stattdessen noch ganz schön lange auf John Green, Cara Delevingne und Nat Wolff warten, die angeblich im Stau steckten. Zusätzlich zu den kostenlosen Getränken und dem Popcorn warteten dort auf jeden noch ein Shirt zum Film sowie ein kleines Beauty-Täschchen, eigentlich. Auf meinem Platz fehlte beides und ohne die nette Mitarbeiterin von dtv, die mir ihre Sachen überließ, wäre ich leer ausgegangen, weil manche Fans den Hals offenbar nicht voll kriegen und sich Goodies von anderen Sitzen klauen müssen anstatt sie jedem zu gönnen. Das ist einfach traurig!


Unter tosendem Applaus betrat John Green später endlich den Saal, hieß uns willkommen, scherzte und kündigte den zwanzig-minütigen Ausschnitt aus Margos Spuren an. Die meisten Szenen kannte man leider schon aus dem Trailer, doch sie haben mich trotzdem neugierig auf den gesamten Film gemacht.

Im Anschluss kamen die beiden Youtuber auf die Bühne um den Autor und die zwei Hauptdarsteller zu interviewen. Sie selbst wurden fast genauso euphorisch empfangen wie die Stars, haben ihren Job in meinen Augen aber nicht sonderlich gut gemacht. Ihr Englisch ließ sehr zu wünschen übrig, die gestellten Fragen wurden kaum beantwortet und Sami Slimani nannte Nat Wolff auch noch Nate. Auch dieser Teil des Tages war somit reichlich chaotisch, zumal Cara Delevingne total aufgedreht und zappelig war, was zum Teil amüsant war, allerdings auch für viel zu viel Ablenkung sorgte. Es war wirklich schade, dass dadurch im Ergebnis nur so wenige Fragen gestellt und noch weniger ernsthaft beantwortet wurden.


Kurz darauf verließen sie auch schon wieder die Bühne, was sogleich für noch mehr Chaos sorgte. Viele stürmten, noch immer auf ein Autogramm hoffend, nach vorne, wurden von der Security jedoch sofort ausgebremst.

Daraufhin begann, wie angekündigt, die Vorstellung von Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Eine kurze Pause wäre an dieser Stelle praktisch gewesen, aber noch mehr ärgerte mich das Verhalten vieler Gäste. Gefühlt die Hälfte der Anwesenden verließ einfach den Saal, sobald der Film begann, obwohl viele andere ihn sicher gern gesehen hätten, nur bei der Verlosung der Tickets eben kein Glück hatten. Außerdem verließen sie den Saal nicht etwa schnell und leise, sondern bewegten sich nur im Schneckentempo und bei lautstarkem Geschnatter fort, wodurch ich von der ersten Viertelstunde so gut wie nichts mitbekam. Ich kannte den Film zwar schon, mag ihn jedoch sehr und hatte mich deshalb darauf gefreut ihn noch einmal auf einer großen Leinwand und in einem so tollen Kino zu sehen, das ich mir sonst nicht leiste. Ich habe ja Verständnis für die Leute, die extra aus anderen Bundesländern angereist waren und wegen des langen Heimwegs einen frühen Bus oder eine frühe Bahn erwischen mussten, das traf aber garantiert nicht auf alle jene zu. Es dauerte also ewig bis wieder Ruhe einkehrte, doch danach konnte ich den Rest des Films immerhin genießen.

Ein paar der ursprünglich zehn Blogger mussten schon vor dem Film oder währenddessen gehen, alle anderen lud dtv zum Abschluss des Tages noch zum Essen ein. Dabei kamen mitunter sehr interessante Gespräche zustande, sodass dieser ereignisreiche Tag noch ein wirklich angenehmes Ende fand.

Jul  31

[Lesung] Patrick Rothfuss

31. Juli 2015 | 23:45 | Erlebt

Am 16. März 2015 las Patrick Rothfuss im Auditorium maximum meiner Alma mater, der Humboldt-Universität zu Berlin, und obwohl ich bisher leider noch nichts von dem Autor gelesen habe, ließ ich mir die Chance diesen einmal zu treffen natürlich nicht entgehen. Außerdem hatte eine Freundin, die mir seine Bücher schon vorher voller Begeisterung empfohlen hatte, mich ohnehin gebeten sie zu begleiten. Und eins kann ich euch versichern: Ich habe das Audimax während meines gesamten Studiums NIE derartig voll erlebt. Es schien als wäre jeder einzelne Platz besetzt, selbst oben auf den Rängen. Bei diesem Anblick wären einige Professoren sicher vor Neid erblasst.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Marina Weisband, die sehr interessante Fragen stellte und die Antworten des Autors für all jene Gäste, die die englische Sprache nicht so gut beherrschten, ins Deutsche übersetzte. Die deutschen Passagen wurden hingegen von Schauspieler und Synchronsprecher Gunnar Helm vorgetragen.

Zu Beginn las allerdings zunächst Patrick Rothfuss, der einen sehr lustigen und sympathischen Eindruck vermittelte, höchstpersönlich die erste Seite seines neuen Romans, Die Musik der Stille, vor, aber natürlich „nicht auf Deutsch“, wie er so schön sagte.

Im Anschluss beantworte der Autor ein paar Fragen. Ein kurzer Hinweis dazu vorweg: Einige Antworten sind stark gekürzt, weil es mir zum Teil unmöglich war seine geistigen Ergüsse und meistens sehr ausführlichen Antworten schnell genug mitzuschreiben. Ich habe mich jedoch um eine möglichst umfangreiche Zusammenfasssung bemüht.

In einer Übersetzung gehe leider immer viele Dinge verloren, wie zum Beispiel die geheime, tiefere Bedeutung von Ortsnamen. Wie sei es für ihn durch eine Übersetzung die Kontrolle über sein Buch zu verlieren? Er antwortete, er sei kein Kontrollfreak, der wolle, dass alles perfekt sei. Ja, vieles habe mit Sprache zu tun, aber er hatte im Grunde keine andere Wahl als loszulassen, weil Englisch nun einmal die einzige Sprache sei, die er fließend spreche. Er hatte seinen eisernen Griff also zwangsläufig lockern müssen. Außerdem sei ihm bewusst, dass er oft mit der Sprache spiele und deshalb ohnehin schwer zu übersetzen sei. Er biete seinen Übersetzern daher immer an ihm Fragen zu stellen um sich auszutauschen und ihre Arbeit so etwas zu erleichtern. Manche Sachen könne man jedoch auch einfach nicht übersetzen, wortwörtlich schon gar nicht.

In Die Musik der Stille habe er sich sprachlich gesehen sogar noch mehr ausgetobt als in Der Name des Windes. Er habe dabei sogar gleich an die Übersetzer denken müssen und gewusst, dass manche Wortspiele nicht zu übersetzen wären. „Sorry“.

Auf die nächste Frage antwortete er, dass er zumindest hoffe, dass es einen Unterschied zwischen ihm und den Autoren gebe, die schlechte weibliche Figuren entwerfen. Er denke viel über seine Charaktere nach und gehe vorsichtig mit ihnen um. Es sei ihm wichtig, eine starke, weibliche Figur zu kreieren, weil er wisse, dass Frauen in unserer Gesellschaft oft schlecht dargestellt oder falsch wahrgenommen würden. In Bezug auf Denna sei das größte Problem dabei, dass sie oft nicht das tue, was man aus gesellschaftlicher Sicht von ihr erwarte. Manche Leute würden denken es sei ihre Pflicht Kvothe zurückzulieben und wenn sie das nicht tue, seien die Leute sauer oder hielten Denna gar für eine Schlampe und das sei in seinen Augen eine furchtbare Denkweise. Es mache Patrick Rothfuss vielmehr stolz, dass Denna eine starke Frau sei, die eine Beziehung verlassen würde, wenn es ihr darin nicht gut ginge oder sie schlecht behandelt würde.

Daraufhin fragte er das Publikum, wer jemanden kenne, der in einer Beziehung schon einmal misshandelt wurde und es gingen erschreckend viele Hände hoch. Er sagte, die einzige Möglichkeit in so einer Situation wäre es zu gehen, die Beziehung zu verlassen und all das hinter sich zu lassen. Das wäre das einzig Richtige! Dann kam er noch einmal kurz auf die Ausgangsfrage zurück. Er wolle nicht dazu beitragen eine weibliche Figur zu zeigen, die ständig nur um den Protagonisten kreise. Er wolle Denna nicht schwach oder oberflächlich erscheinen lassen und denke, dass sei ihm gelungen.

Nachfolgend wurde eine Szene aus dem neuen Roman auf Deutsch vorgelesen, ehe das Interview fortgesetzt wurde.

Patrick Rothfuss bevorzuge es seinen Lesern Raum zu lassen die Geschichte so zu genießen, wie sie es wollen. Deshalb beschreibe er Fela beispielsweise kaum, wodurch jeder eine etwas andere Vorstellung von ihr habe. Sie sollen die Möglichkeit haben „schön“ auf ihre eigene Art auszulegen. Er wolle ihnen somit nicht vorschreiben, was „schön“ sei und lasse sich diese Arbeit lieber von den Lesern abnehmen. Das sei aber nur ein kleines Beispiel dafür.

In Auris Geschichte wolle er es ebenfalls dem Leser überlassen, wie er die Dinge sehe. Ihre Rätselhaftigkeit mache ihren Charme aus, doch der Rest sei der individuellen Interpretation überlassen. Es gebe demnach verschiedene Möglichkeiten Auri zu sehen, aber keine falsche Lesart; jeder solle für sich selbst entscheiden. Der Autor möge sogar die Blickwinkel, die er selbst gar nicht gesehen habe. Jede mögliche Sicht auf die Dinge sei für ihn in Ordnung.
Begrenzt sei die Auslegung lediglich auf die Grundlage, also die Belege dafür im Text, sodass Auri jedenfalls keine Schildkröte sei. *g*

Er verrate allerdings noch nicht, ob Auri im dritten Band der Königsmörder-Chronik eine wichtigere Rolle spielen werde. Wann dieser erscheint? Sobald er es weiß, werde er es uns wissen lassen. Er werde es nicht geheim halten! Manchmal würde ihm unterstellt, er sei ein Alien, der sich von dem Elend seiner Leser ernähre, aber nein! The Doors of Stone (so der Arbeitstitel) sei schlicht noch nicht fertig. Wann es fertig werde, wisse er noch nicht und er wolle nicht noch einmal den Fehler machen einen konkreten Zeitpunkt zu nennen, den er vielleicht gar nicht einhalten könne, sodass die Leute dann traurig seien. Also sage er jetzt 2025, damit wir alle überrascht seien, wenn es doch eher erscheine. Er gebe sein Bestes, weil er eben das beste, ihm mögliche Buch schreiben möchte.

Ob er daran interessiert sei andere Genres auszuprobieren? „NO!“ Im Fantasy-Bereich könne er alles machen, was er in jedem anderen Genre auch machen könne – plus Elben. Er müsse sich also nicht schlecht fühlen, wenn er zum Beispiel einen Geist in eine „normale“ Handlung einbringe. Er liebe einfach Geschichten mit phantastischen Elementen. Seiner Meinung nach würden sie Bücher fast immer besser machen, es verleihe ihnen einen besonderen Geschmack.

Anschließend beantwortete er noch Fragen aus dem Publikum, darunter Fragen nach Tipps zum Schreiben, der Handlung des dritten Bandes, die er selbstverständlich noch nicht preisgebe, und nach einem Charakter, den er für ein Videospiel entwickele. Letzteres sei eine ganz andere, neue Erfahrung für ihn, weil ihm die Kontrolle über die Handlung etc. völlig entzogen sei. Er könne noch nicht viel darüber verraten, sei aber sehr aufgeregt deswegen.

Wie viel von Kvothe seinem eigenen Leben entnommen sei? „Das schöne Spiel“ stamme aus seinem eigenen Leben. Er wurde auf einem Spielplatz dazu inspiriert, als er Kindern beim Spielen zusah. Manchmal kämen Dinge also tatsächlich aus der realen Welt. Das sei jedoch ein komisches Beispiel.

Neil Gaiman und Terry Pratchett zählen zu seinen Lieblingsautoren. Das letzte Einhorn sei eines seiner Lieblingsbücher. Er liebe die fantastische Sprache, deretwegen es wahrscheinlich auch ein Alptraum sei das Buch zu übersetzen. Er selbst habe zudem einen Goodreads Account und rezensiere dort regelmäßig Bücher.

Es gebe zwar Gespräche über Verfilmungen, vielleicht werde aber nichts daraus und vermutlich würden es sowieso alle hassen, wenn sie doch gemacht würden. Er werde seinen Fans neue Entwicklungen in dieser Hinsicht keinesfalls vorenthalten. Natürlich hätte er dann auch gern die Kontrolle über die Filme, würde sie aber wohl nicht bekommen.

Damit war die Zeit leider um, zumal er noch Bücher signieren wolle und die Universität vermutlich sauer wäre, wenn er das Audimax bis 3 Uhr morgens in Beschlag nähme. Er bedankte sich bei allen für unser Kommen und bat die Leute in der Signierschlange nach vorn zu lassen, die vielleicht noch Kinder vom Babysitter abholen oder einen bestimmten Zug/Bus erwischen müssten.

Da Photos sowieso erst nach dem Signieren gemacht werden konnten und meine Begleitung als großer Fan natürlich unbedingt eines wollte, wofür ich vollstes Verständnis hatte, blieben wir also einfach sitzen, bis nur noch eine Handvoll Leute im Hörsaal waren und man nicht mehr anstehen musste.

In der Zwischenzeit kaufte ich mir noch ein Exemplar von Der Name des Windes, weil mir der Autor und seine Antworten so gut gefallen hatten, dass ich die Reihe garantiert eines Tages lesen werde. Sonst würde ich mich nämlich, spätestens wenn sie mir dann so gut gefällt wie erhofft, unglaublich über mich selbst ärgern, dass ich mir die Chance auf ein signiertes Exemplar entgehen ließ. Dieses Risiko wollte ich also gar nicht erst eingehen.

Jul  25

[Lesung] Crème de la Crime

25. Juli 2015 | 16:50 | Erlebt

Am 7. Juli 2015 waren gleich drei talentierte deutsche Autorinnen zu Gast in Berlin und stellten unter dem Motto „Crème de la Crime“ ihre neuesten Romane in der Uslar & Rai Buchhandlung vor: Zoë Beck, Wiebke Lorenz und Melanie Raabe. Die Lesung war gut besucht und als sich der Abend seinem Anfang näherte, waren die geschätzten 50 Plätze im Laden beinahe alle besetzt.

Nach einem kurzen Empfang durch Katharina von Uslar übernahm Wiebke Lorenz größtenteils die Moderation der Veranstaltung und brachte die Zuhörer mit ihrem einmaligen Humor mehrfach zum Lachen. So begrüßte sie uns beispielsweise alle zur Berliner Fashion Week und erklärte uns zunächst den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Krimiautoren: Die weiblichen sehen einfach alle viel besser aus! *g*

Danach sagte sie kurz ein paar Worte zum Ablauf der Lesung, war sich bezüglich der Reihenfolge der jeweiligen Vorträge allerdings noch unsicher. Zuerst schlug sie vor, dass die schönste Autorin anfangen sollte, also 1. Melanie Raabe, 2. Zoë Beck, 3. Wiebke Lorenz, woraufhin sie natürlich heftigen Widerspruch erwartete. Besser wäre also mit der intelligentesten Autorin zu beginnen. Oder mit der witzigsten? Nein, das beste Buch sollte den Abend eröffnen, also würden sie einfach alle drei gleichzeitig vorlesen. *lol*

Schließlich begann Zoë Beck das erste Kapitel aus ihrem aktuellen, politischen Thriller Schwarzblende vorzutragen. Sie las mit einer tiefen, sehr ansprechenden Stimme, der man gerne aufmerksam zuhörte. Nur die Dialoge waren manchmal ein wenig seltsam bzw. ungenügend betont. Die Szene handelte von einem brutalen Mord in der Öffentlichkeit und war einem Verbrechen nachempfunden, das sich vor wenigen Jahren wohl so ähnlich im Londoner Süden abgespielt und die Autorin zu diesem Roman inspirierte hatte. Auch dort wurde die grausame Tat gefilmt und das Video kann laut ihrer Aussage noch immer im Internet gefunden werden. Auf die Frage nach dem Motiv hatten die Täter mit „Tod jedem, der gegen den Islamischen Staat ist“ geantwortet, was Zoë Beck dazu veranlasste sich mit der medialen Öffentlichkeit, dem Umgang der IS mit dieser sowie dem Problem der inneren Sicherheit zu beschäftigen.

Im Anschluss an diese kurze Hintergrundgeschichte las sie noch eine kurze, äußerst spannende Szene aus dem letzten Drittel des Romans. Den Ausgang lies sie dabei selbstverständlich offen, damit es sich noch lohnt das Buch zu lesen, das man bei Bedarf nachher sogar in der Buchhandlung erwerben könne.

Mit einer kleinen Anekdote von der letzten Leipziger Buchmesse leitete Wiebke Lorenz dann zu Melanie Raabe über, welche die ersten Seiten aus ihrem Debutroman Die Falle präsentierte. Sie wollte vorher nicht viel zur Handlung sagen, da sie auch ihre Leser ohne Erklärungen mitten ins Geschehen hineinwirft. Melanie Raabe hatte ebenfalls eine sehr angenehme Stimme und betonte stets genau an der richtigen Stelle.

Nach den ersten beiden Kapiteln verriet sie aber schließlich doch noch etwas mehr über den Inhalt des Buches sowie ihre Protagonistin Linda, bevor sie uns als zweites die Szene vorlas, in der diese zum ersten Mal dem Mörder ihrer Schwester „begegnet“.

Hinterher übergab sie das Wort wieder an Wiebke Lorenz, wobei Zoë Beck zunächst sowohl die Autorin als auch ihr neuestes Werk Bald ruhest du auch kurz vorstellte. Wiebke Lorenz erzählte uns nachfolgend außerdem, dass ihre Geschichten zwar immer fiktional seien, sie beim Schreiben aber aus ihren persönlichem Empfindungen und Erfahrungen schöpfe.

Nach ein paar Sätzen zur Handlung – es geht um eine Frau, deren kleines Kind entführt wird – las sie zuerst den Anfang ihres Buches vor, ehe sie noch eine zweite Szene wählte. Wiebke Lorenz las ebenfalls sehr gut, fesselte den Leser und überraschte mit einem lautstarken Streitgespräch, das sie entsprechend vortrug.

Mit einem Dank an alle Anwesenden neigte sich die Veranstaltung daraufhin leider schon dem Ende zu. Zu meiner kleinen Enttäuschung gab es trotz vorheriger Ankündigung leider keinen allgemeinen Interviewteil mit Fragen aus dem Publikum. Alle drei Autorinnen hielten sich jedoch noch lange im Laden auf, sodass man sich nicht nur seine Bücher signieren lassen, sondern sich auch problemlos mit ihnen unterhalten konnte und somit die Möglichkeit hatte all die Fragen, die einem möglicherweise auf der Seele brannten, loszuwerden.

Insgesamt war es also ein wirklich toller Abend mit drei sehr talentierten Frauen, den ich jederzeit gern wiederholen würde. Wenn eine der drei Damen also einmal in eurer Nähe liest, solltet ihr diese Chance unbedingt nutzen.

Ich persönlich hatte zudem sogar noch die Ehre die Autorinnen und Buchhändler im Anschluss an die Lesung in ein französisches Lokal begleiten zu dürfen, wo wir den großartigen Abend bei Wein – oder in meinem Fall Cranberrysaft – leckerem Essen und interessanten sowie lustigen Gesprächen ausklingen ließen.

Jul  14

[Lesung] Cornelia Funke

14. Juli 2015 | 23:52 | Erlebt

Am 7. März 2015 war Cornelia Funke im Rahmen ihrer viertägigen Tour zu Reckless – Das Goldene Garn, dem dritten Band ihrer aktuellen Reihe, in Berlin zu Gast und natürlich nahm somit auch ich an der beinahe ausverkauften und dementsprechend sehr gut besuchten Veranstaltung im Theater an der Parkaue teil. Schließlich kommt die Autorin, die mittlerweile in den USA lebt, nicht allzu oft für Lesungen nach Deutschland.

Die Begrüßung durch einen Thalia-Mitarbeiter war nicht ganz gelungen – vielleicht war der Mann etwas nervös angesichts des vollen Theaters und des hohen Besuchs – denn er behauptete, dass es sich hierbei um die Premierenlesung handele, obwohl die Autorin kurz zuvor bereits in Bremen und Hamburg aus dem Buch gelesen hatte und stellte den fantastischen Hörbuchsprecher, den wir alle als Rainer Strecker kennen, unglücklicherweise als Günther Strecker vor.

Die Moderation des restlichen Nachmittags übernahm dann Rainer Strecker. Er fasste noch einmal zusammen, dass es in den ersten beiden Bänden der Serie um englische sowie französische Märchen ging, während im dritten Teil nun russische Märchen im Vordergrund stehen. Die Figuren stellte er uns ebenfalls kurz vor und wies dann schon einmal daraufhin, dass Cornelia Funke später natürlich Fragen beantworten würde, zuerst die des Moderators, danach die des Publikums.


Anschließend betrat Cornelia Funke unter tosendem Applaus die Bühne, auf der sich neben anderer Dekoration wieder tolle, altertümlich anmutende Sessel für die Gäste befanden. Sie erzählte zunächst von ihrem Skizzenbuch – in das sie uns sogar einen kurzen Einblick gewährte – in dem sich viele selbstgemalte Bilder von Szenen oder Wesen befinden, die sie später in einem ihrer Bücher beschreiben will. Sie freut sich zwar stets ihre Leser zu treffen, empfindet eine solche Tour jedoch auch als stressig, weil sie dann nachts oder im Zug schreiben muss. Weil sie besessen vom Schreiben ist, wie sie es selbst ausdrückte, vergeht nämlich nie ein Tag, ohne dass sie etwas zu Papier gebracht hat.

Als nächstes wurde dann Rainer Strecker auf die Bühne geholt. Er und die Autorin sind gute Freunde, weshalb er zu den Geheimnisträgern zählt, also zu den ersten, die die fertigen Manuskripte erhalten. Daher kennt er immer verschiedene Fassungen der Bücher. Er braucht etwa sechs Tage zum Einlesen eines solchen Buches und liest es natürlich mehrmals. Dreimal liest er es bei sich zu Hause, das dritte Mal davon laut. Beim vierten Mal wird letztlich es aufgenommen, wobei er maximal fünf Stunden am Stück liest.

Bevor sie und Rainer Strecker dann mit dem gemeinsamen Lesen einzelner Szenen begannen, erzählte Cornelia Funke kurz etwas über die Spiegelwelt sowie Jacob für all jene, die die Bücher noch nicht kannten. Vor jedem Abschnitt der Lesung wurde außerdem stimmungsvolle, passende Musik zur Einstimmung gespielt, die, wenn ich es richtig verstanden habe, sogar extra für diese Lesungen komponiert wurde.

Cornelia Funke und Rainer Strecker lasen immer im Wechsel, beginnend mit dem Kapitel „Sicheres Versteck“, wobei man vor allem der wunderbaren, rauen Stimme von letzterem besonders gern gelauscht hat. Zwischen den einzelnen Kapiteln erzählte Cornelia Funke häufig kurz etwas über die betreffenden Figuren, z.B. Sechzehn, Clara oder Will, damit man die Szenen bzw. Perspektiven als bloßer Zuhörer besser einordnen konnte.


Daraufhin folgte der erste Interviewteil der Lesung. Cornelia Funke gab zu kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn sie ihren Figuren so viel zumutet. Sie glaubt zudem, dass diese das insgeheim genießen würden. Sie möchte jetzt gern wieder etwas für Kinder schreiben, deshalb arbeitet sie aktuell an der Fortsetzung zu Drachenreiter. Der zweite Band wird allerdings wohl etwas dünner als er erste; bis dahin hatte sie dreißig von vierzig Kapiteln geschrieben und will es bis Ende des Jahres fertig haben. Es wird also nicht vor 2016 erscheinen. In Bezug auf Reckless rechnet sie im Moment sogar mit sechs Bänden statt den bisher veranschlagten fünf Teilen. Einen Kinofilm wird es nach ihren Erfahrungen mit Tintenherz zu dieser Reihe aber definitiv nicht geben, die entsprechenden Angebote habe sie mehrfach abgelehnt. Gegen Hörbücher und Hörspiele hat sie jedoch weiterhin nichts einzuwenden.

Die Spiegelwelt-App soll im Laufe des Jahres auf Youtube verfügbar sein, damit auch diejenigen Zugriff auf die zusätzlichen Informationen haben, die kein iPad besitzen. Sie wird zudem auch Informationen über die Tintenwelt enthalten, z.B. darüber was dort passierte, bevor Staubfinger aus dem Buch herausgelesen wurde. Denn „die Spiegelwelt sei [im Grunde] die Tintenwelt, nur sechshundert Jahre später.“

Wenn Rainer Strecker sich eine Figur oder deren Stimme nicht vorstellen konnte, fragte er einfach Cornelia Funke und sie nannte ihm dann ein lebendes Beispiel, etwa einen Schauspieler. Für Reckless kann er sich meistens merken, wie er sprechen muss. Für andere Bücher schreibt er sich Karteikarten oder hört sich die Aufnahmen vom Band davor noch einmal an.

Einen „Krümel Böses“ enthält seiner Ansicht nach jeder, aber man muss diesen ja nicht zwangsläufig ausleben. Doch böse Figuren sind in der Regel interessanter, vor allem was ihre Beweggründe betrifft. Gute Charaktere sind innerlich nämlich nicht so zerrissen.

Im Anschluss wurden wieder ein paar Szenen gelesen und Cornelia Funke stellte Fuchs vor, die die Lieblingsfigur der meisten Fans sei. Besonders gut gelang Rainer Strecker dabei der französische Akzent des Kanadiers Sylvain.


Nachfolgend durfte das Publikum Fragen stellen, was bei der großen Anzahl an Besuchern und Fragen gut gelöst wurde, indem zwei Mikros im Saal aufgestellt wurden, an denen man sich anstellen konnte um seine Fragen loszuwerden, die dann abwechselnd von der Autorin beantwortet wurden.

Cornelia Funke bestätigte ein weiteres Mal, dass es eine Verbindung zwischen der Spiegel- und der Tintenwelt gibt. Die Elfen haben die Silberbücher in unsere Welt gebracht, die wiederum den Ursprung der Zauberzungen bilden.

Für sie ist es ganz furchtbar, dass wir ein Buch, an dem sie zweieinhalb Jahre lang gearbeitet hat, innerhalb von nur zwei Tagen lesen und dann bereits sehnsüchtig auf das nächste warten. Der vierte Band der Reckless-Reihe wird, wie es sich beim Lesen schon andeutet, asiatische Märchen behandeln. Bisher hat sie selbst noch keinen Lieblingsort hinter dem Spiegel, ist aber schon sehr gespannt auf das dortige Japan. Die Frage, wie viel Zeit bis zum Erscheinen desselben noch vergeht, würde sie wohl vage mit zwei bis vier Jahre beantworten, doch die Warterei tut ihr schrecklich leid, weshalb sie überlegt das Buch, wie Charles Dickens es damals tat, kapitelweise und mit mehr Illustrationen zu veröffentlichen.

Die Frage nach dem ungewöhnlichsten Ort der Inspiration ist eine, die ihr an diesem Tag zum ersten Mal gestellt wurde und die sie ins Grübeln brachte. Sie entschied sich schließlich für den Roten Platz in Moskau; grundsätzlich finden Ideen aber überall den Weg zu ihr und sie hat schon einmal eine ganze Kurzgeschichte spontan am Strand geschrieben. Unsere Welt ernährt alle ihre Welten.

Ihr erstes Buch hat sie im Alter von achtundzwanzig Jahren veröffentlicht, also vor fast dreißig Jahren. Obwohl sie phantastische Werke schreibt, recherchiert sie viel, für die Fortsetzung zu Drachenreiter beispielweise über den indonesischen Urwald. Am gründlichsten hat sie jedoch für die Spiegelbücher recherchiert, weshalb sie diese am besten kennt. Insgesamt hat sie vierzig große Notizbücher mit Details über die gesamte Spiegelwelt.

Warum sie immer über zwei verwobene Welten schreibt? Vielleicht weil sie als Kind Die Chroniken von Narnia so sehr geliebt hat.


„Das Goldene Garn“ war für die Autorin als Untertitel nur schwer durchzusetzen, aber sie hasste den Untertitel „Teuflisches Silber“ – laut Cornelia Funke ist das Silber nämlich gar nicht teuflisch – und hat später ihren Willen bekommen. Als Haupttitel wäre ihr „Verwegen“ auch lieber gewesen als „Reckless“, in diesem Fall konnte sie sich allerdings nicht durchsetzen. Wie die weiteren Titel der englischen Ausgaben (Reckless, Fearless, Heartless) nach dem dritten Band lauten sollen, habe sie ebenfalls interessiert und die Antwort vom Verlag lautete „Our imagination is limitless.“

Auf der Straße wird Cornelia Funke im Allgemeinen nicht erkannt, nur ganz selten nach TV-Auftritten oder in der Nähe von Veranstaltungsorten. Das findet sie auch ganz gut so, denn sie ist einmal mit einem Hollywood-Schauspieler über die Straße gelaufen und will definitiv nicht mit ihm tauschen.

Obwohl sie mittlerweile in den USA lebt, schreibt sie alle ihre Bücher nach wie vor auf Deutsch. Kurzgeschichten schreibt sie manchmal auf Englisch, doch nie richtig dicke Bücher. In den USA wird der dritte Band gerade ins Englische übersetzt und in Spanien wird ebenso daran gearbeitet. Das am häufigsten übersetzte Buch ist aber immer noch Herr der Diebe. Insgesamt gibt es ihre Bücher in ca. zweiundfünfzig Sprachen.


Vor ihrer Tätigkeit als Autorin war sie erst Sozialarbeiterin und dann Illustratorin, hat jedoch immer die falschen Bücher bekommen, weshalb sie selbst Schriftstellerin wurde. Aktuell wird gerade ein Buch mit ihren Skizzen zur Veröffentlichung vorbereitet und zukünftig werden ihre Bücher wahrscheinlich noch mehr Illustrationen enthalten.

Bei Reckless – Das Goldene Garn kam es bei den Illustrationen übrigens zu Verwechslungen und acht von ihnen sind in der ersten Auflage an falscher Stelle. Keiner weiß, wie das passieren konnte, und es wurde für die folgenden Auflagen sofort korrigiert. Auf der Website der Autorin sind die richtigen Positionen der verschobenen Illustrationen aufgeführt.

In den USA fährt Cornelia Funke, die nebenbei bemerkt sehr viel Humor hat, viel auf Comic Cons und lernt daher statt deutschen meist nur englische Autoren kennen. Neil Gaiman ist laut ihrer Aussage in den USA nahe an Gott, was seine Bekanntheit und Beliebtheit betrifft, und auch sie mag ihn sehr. Außerdem ist sie freudig erstaunt über die neuen Generationen, deren Autoren immer jünger werden, sodass viel Interessantes auf uns zukommt.

Zwischendurch stellte jemand natürlich auch die eine oder andere Frage an Rainer Strecker und ein kleiner, charmanter Junge brachte ihn mit der Frage in Verlegenheit, wo er denn seine Zauberzungen-Fähigkeit erhalten habe.


Unter ihren Büchern sind ihre heimlichen Favoriten Igraine Ohnefurcht und Das Piratenschwein, die aber nicht so bekannt sind wie andere Werke.
Ihre Lieblingsbücher anderer Autoren sind Der König von Chamelot von T.H. White sowie Die Brautprinzessin von William Goldman.

Prosper, Fliegenbein, Staubfinger zählen zu den Lieblingsfiguren der Autorin, doch sie mag noch viel mehr als nur diese drei. Ihre Bösen mag sie allerdings nicht. Jacob mag sie ebenfalls sehr, weil er ihr männliches Alter-Ego sei. Fuchs komme ihr aber am allernächsten. Eine Gestaltwandlerin zu sein ist zudem einer ihrer größten Wünsche, gleich nach dem Wunsch einen eigenen Drachen zu besitzen.

Für ihre Figuren hat sie entweder reale Vorbilder, einschließlich ihres eigenen Sohnes, oder stiehlt die Gesichter der Toten. Die weibliche Hauptfigur aus Geisterritter ist zum Beispiel der Tochter eines Bekannten nachempfunden.

Von ihren Figuren spricht Rainer Strecker am liebsten den Bastard (Nerron) und kleinere Figuren aus der Tintenwelt, darunter Darius und Orpheus.

Cornelia Funke freut sich, im Gegensatz zu anderen Autoren, immer, wenn sie ein Buch fertig geschrieben hat, denn es bleibt ihr ja trotzdem erhalten.

Damit endete die Fragerunde leider schon, die laut Aussage der Autorin sogar „die allerbeste Fragerunde ever“ war.

Abschließend wurde als Zugabe ein letztes Mal von beiden aus dem Buch vorgelesen, verbunden mit einer kurzen Einführung zu den Goyl. Da es sich bei der ausgewählten Szene um das Treffen zwischen Will und dem Bastard handelte, bekam Rainer Strecker dadurch auch die Chance dem Publikum noch die geniale Stimme für seine Lieblingsfigur zu präsentieren.


Am Ende ernteten beide großen Applaus für diese tolle Lesung, ehe sich alle auf den Weg zum Signiertisch machten. Ich für meinen Teil war ein wenig enttäuscht, dass es, vermutlich aus zeitlichen Gründen, wieder keine Widmungen, sondern nur bloße Unterschriften von der Autorin gab, obwohl es bei Cornelia Funke als deutschsprachige Autorin eigentlich keine Verständigungsschwierigkeiten hätte geben dürfen. Dafür war es aber immerhin möglich ihr noch die eine oder andere Frage zu stellen und ein Photo mit ihr zu machen, wenn man ein bisschen Geduld mitbrachte.

So oder so kann ich jedem, der ihre Werke schätzt, nur wärmstens empfehlen eine ihrer Lesungen zu besuchen, wenn sich irgendwann wieder die Gelegenheit dazu bietet!

Jun  19

[Lesung] Jenny-Mai Nuyen

19. Juni 2015 | 23:30 | Erlebt

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse besuchte ich am 13. März 2015 abends die Lesung von Jenny-Mai Nuyen aus ihrem neuen Roman Nacht ohne Namen in dem kleinen Cupcake-Café Mintastique. Ursprünglich hätte Colleen Hoover zu diesem Termin dort lesen sollen, wobei ich mich rückblickend frage, wie sie die vielen Fans in dem kleinen Geschäft hätten unterbringen wollen, doch leider hatte diese ihren gesamten Deutschlandbesuch ja, zu meiner großen Enttäuschung, schon vor der Messe abgesagt. Dadurch hatte ich aber immerhin die Möglichkeit die Autorin nach der kurzen Begegnung bei der Plauderrunde im vergangenen Dezember in Berlin wiederzutreffen und mehr über sie sowie ihr neuestes Werk in Erfahrung zu bringen.

Als erstes möchte ich erwähnen, dass Jenny-Mai Nuyen einen ganz wunderbaren Sinn für Humor hat, der die Veranstaltung zu einem sehr witzigen Erlebnis machte. Die Zeit vor dem offiziellen Beginn der Lesung wollte sie beispielsweise nutzen um ihre politischen Ansichten zu verbreiten *g* – natürlich ein Scherz, der viele Lacher erntete. Stattdessen schwärmte sie dann lieber ausgiebig von den leckeren Cupcakes, immerhin hat sie ja mal bei QVC gearbeitet (Scherz). Sie würde auch gar nicht merken, wenn wir uns noch schnell einen Cupcake holten, auch wenn sie uns dann von hinten sähe und somit unseren Hintern. *lol*

Um 19.30 Uhr folgte dann eine kurze Einführung durch eine Moderatorin, die sich aber leider nicht vorgestellt hat. Sie erzählte uns ein wenig über die Autorin, die – erst ab dem nächsten Tag! – 27 Jahre alt ist. Ihr erster Fantasy-Roman erschien als sie gerade einmal 18 Jahre alt war und wurde seither in 10 Sprachen übersetzt. Mittlerweile hat sie insgesamt 8 Bücher veröffentlicht.

Anschließend musste sie zunächst ein paar, zum Teil ziemlich knifflige, Fragen beantworten. Das Schreiben sei für sie Arbeit, passiert jedoch manchmal einfach so. Am Anfang war es schwieriger als heute und ihre Visionen in Worte zu fassen war sehr anstrengend. Inzwischen legt sie allerdings mehr Wert auf Sprache und will weniger Worte benutzen um etwas auszudrücken, was ebenfalls aufwendig ist. Heute nimmt sie nach eigenen Aussagen auch mehr Kritik an als früher und hört aufmerksamer zu, was andere sagen.

Momentan studiert Jenny-Mai Nuyen Philosophie in Berlin, was ihren Roman, aus dem sie dann eine erste Szene vorlas, ein wenig beeinflusst hat und in den Inhalt mit eingeflossen ist. Besonders interessant waren dabei die kurzen Kommentare zu ihren Gedanken beim Schreiben der Szene, die sie währenddessen ab und zu einwarf. Für sie war es als Jugendliche zum Beispiel die schlimmste Vorstellung, dass ein Junge sie auf dem Festnetz anrufen könnte und ihre Eltern sie daraufhin über ihn ausfragen würden.

Bevor sie mit dem Schreiben begann hatte sie ein sehr komplexes Konzept zu Nacht ohne Namen ausgearbeitet. Außerdem beinhaltet das Buch zwar eine Liebesgeschichte, doch es wird darin nicht definiert, was Liebe ist. Das muss die Protagonistin für sich selbst herausfinden. Genauso wenig wird vorgeschrieben, was gut und was böse ist. Mit den Namen Gretchen (Faust) und Theo (wie in Theologie) wollte sie zudem bewusst falsche Fährten dazu legen, wer vielleicht ein Verräter ist.

Realität ist in ihrer Geschichte eine Art Rohstoff, weil es manchmal sehr schwierig ist sich der Realität zu stellen und Dinge nicht einfach unter den Teppich zu kehren. Sie mag phantastische Literatur so sehr, weil sie dadurch viel freier in der Auswahl ihrer Themen ist. Sie hat somit die totale Freiheit, da sie einfach etwas erfinden kann, anders als z.B. bei historischen Romanen. Darüber hinaus glaubt sie an „die zarten Schmelzeigenschaften der Wahrheit“, was das bedeuten soll, könnte ich an dieser Stelle aber nur sehr unzureichend wiedergeben, darum lasse ich es ganz. ^^‘

Mit ihren Büchern will die Autorin sich zu allererst selbst unterhalten und beim Schreiben Dinge verarbeiten, die sie selbst beschäftigen, weshalb darin oft viele essentielle Fragen aufgeworfen werden. Sie selbst hatte eine schwierige Beziehung zu ihren Eltern und hat das zum Teil nun in Nacht ohne Namen verarbeitet. Deshalb seien die Eltern in dem Buch auch nicht immer die besten, erzählte sie, bevor sie eine zweite Szene vortrug.

Dann widmeten sie sich kurz der großen Testleseaktion zum Roman. Jenny-Mai Nuyen war im Vorfeld so ungeduldig und wollte so gern wissen, wie die Leser auf ihre neue Geschichte reagieren, dass sie sie deshalb schon vor dem Erscheinen teilen wollte. So konnte sie sich mit den Lesern austauschen, ihre Reaktionen einarbeiten, Dinge auf Grund von Anmerkungen verändern, etc. Es wurde viel interagiert. Teilweise hat sie wohl sogar ganze Passagen zur Auswahl gestellt. Alle Teilnehmer seien jedoch ausnahmslos sehr wohlwollend und interessiert an dem Buch gewesen. Es gab also niemanden, der meinte sie solle aufhören zu schreiben o.ä.

Zum Ende sagte Jenny-Mai Nuyen, dass sie das Gefühl habe, die Welt bzw. die Idee des Buches noch nicht voll ausgeschöpft zu haben und sich deshalb eine Fortsetzung offen halten wollte. Sie wüsste genau, was passieren würde. Ob es einen zweiten Band geben wird, hänge aber zum einen von den Verkaufszahlen ab und zum anderen davon, ob sie noch einmal zu den Figuren zurückkehren will oder andere Projekte ihr erst einmal wichtiger sind. Vielleicht also irgendwann einmal, wenn die Wehmut zu groß wird, doch im Moment zieht es sie mehr zu neuen Ideen hin, davon habe sie nämlich etliche.

Ferner würde sie sich wünschen, dass man ihre Werke mehr hinterfragen würde als es heute oftmals der Fall ist. Sie sehnt sich generell nach mehr Vielschichtigkeit, wohingegen die heutige Zeit manchmal viel zu schnelllebig ist, sowohl in Bezug auf das Leben als auch auf die Buchbranche.

Der Arbeitstitel von Nacht ohne Namen lautete „Das Labyrinth in der Kugel“, stellvertretend für die Gedanken im Kopf. Die Geschichte spielt, genau wie Noir, mit dem sie sich damals von allem bisherigen freistrampeln wollte und es deshalb in der realen Welt ansiedelte, in Berlin. Es hat sie beschäftigt, dass viele junge Leute nach Berlin ziehen, weil sie dort scheinbar nach irgendetwas suchen. Folglich muss es etwas zu entdecken geben; Dinge, die man aufspüren muss. In ihrem aktuellen Werk ist das die Unterwelt mit ihren Dämonen usw.

Damit war der Abend nach einem kurzen Dank an die Zuhörer schon wieder vorbei und es folgte nur noch das Signieren. Ich hatte mir das Buch zu diesem Zweck vorher schon in Berlin besorgt und mitgebracht.

Unglücklicherweise habe ich in diesem Bericht vermutlich nur knapp die Hälfte der interessanten Konversation zusammenfassen können, weil ihre Gedankengänge mitunter viel zu verzweigt waren um ihnen gleichzeitig zu folgen und sie mitzuschreiben. Ich kann euch deshalb nur empfehlen selbst einmal eine Lesung mit Jenny-Mai Nuyen zu besuchen, wenn sich euch die Gelegenheit dazu bieten sollte.

Jun  05

[Lesung] Mechthild Gläser

05. Juni 2015 | 21:34 | Erlebt

Am Freitag, 13. März 2015, lauschte ich im Rahmen der Leipziger Buchmesse der kurzen Lesung von Seraph-Preisträgerin Mechthild Gläser auf der Fantasy Leseinsel zu ihrem neuen Jugendbuch Die Buchspringer. Die Idee zu diesem Werk kam ihr als sie über das Lesen an sich nachdachte. Sie selbst liest ausgesprochen gern und würde das Handeln der Protagonisten oft gern beeinflussen. Deshalb hat sie sich irgendwann gefragt, was wohl passieren würde, wenn sie das tatsächlich könnte.

Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte trug sie dann zunächst die Szene vor, in der Amy in Das Dschungelbuch springt, was deren erster derartiger Ausflug in die Literatur ist. Daraufhin springt sie, wie die Autorin erzählt, immer wieder in Bücher, weil sie ihr Glück kaum fassen kann. Doch es gelingt ihr natürlich nicht, wie es eigentlich von ihr erwartet wird, nicht in die jeweilige Handlung einzugreifen.

Als zweites folgte dann die Szene, in der Amy dem jungen Werther das zweite Mal begegnet. Zusammen mit ihm begibt sie sich später auf die Suche nach dem mysteriösen Dieb, der die Ideen aus den Büchern stiehlt und die Geschichten dadurch verändert bzw. gänzlich ruiniert.

Damit war die Lesung dann leider auch schon vorüber und es stand nur noch das Signieren an. Doch Mechthild Gläser ist es in jedem Fall gelungen meine Vorfreude auf ihre Geschichte noch einmal zu steigern, sodass das Buch garantiert nicht mehr allzu lange auf dem SuB verweilen wird.

Mai  28

[Lesung] Thomas Thiemeyer

28. Mai 2015 | 10:10 | Erlebt

Da ich dieses Jahr erstmals an allen vier Tagen die Leipziger Buchmesse besuchte und daher in Leipzig übernachtete, konnte ich dieses Mal an Abendveranstaltungen teilnehmen und entschied mich am 12. März 2015 für die Premierenlesung von Thomas Thiemeyer zu seinem neuen Roman Devil’s River in dem Möbelgeschäft Smow. Unglücklicherweise konnte ich den Laden zunächst nicht finden, verpasste daher die ersten zehn bis fünfzehn Minuten, in denen der Autor wohl eine erste Szene vortrug, und hatte so natürlich keine Gelegenheit mehr mir einen guten Platz zu suchen. Die freundlichen Mitarbeiter begrüßten mich jedoch leise mit einem Lächeln und reichten mit sofort einen Hocker, sodass ich ebenfalls eine Sitzgelegenheit zur Verfügung hatte. Durch den Abend führte uns übrigens Andrea Jope, die neben eigenen Fragen zwischendurch auch immer das Publikum zu Wort kommen ließ.

Als ich mich endlich der Veranstaltung widmen konnte, sprach der Autor gerade über seine Frau, mit der er sich viel bespräche, weil sie eine sehr kompetente Leserin sei. Während er selbst vor allem ein Auge auf Handlung und Spannung habe, achte sie fast nur auf das Zwischenmenschliche, also die Figuren sowie die Dialoge, sodass sie sich sehr gut ergänzen.

Zu seinem neuen Roman, Devil’s River, wurde er unter anderem von der TV-Serie Deadwood inspiriert und sein Ziel war es eine ähnliche Atmosphäre zu schaffen. Nathan sollte außerdem eine sehr zwielichtige Figur sein, das war von Anfang an so beabsichtigt. Thomas Thiemeyer mag vielschichtige, komplexe Charaktere, die nicht nur gut oder böse sind. Die Liebesbeziehung war ebenfalls geplant, er wusste anfangs nur nicht, wie sie sich entwickeln würde. Im Idealfall diktieren ihm später die Figuren, was er schreiben soll. Er mochte es sehr, dass River sich auf Nathan einlässt, obwohl sie genau weiß, dass er gefährlich ist. Es gibt allerdings keine Figur, für die er eine stärkere Sympathie empfindet als für andere, da er in jede Rolle schlüpfen muss und dabei keine vernachlässigen will.

Durch den Autor selbst, der seinen Job in dieser Hinsicht sehr gut machte, wurde dann eine (weitere) Szene aus dem Buch vorgelesen. Anschließend wurde das Interview fortgesetzt.

Als nächstes ging es um seinen Arbeitsalltag als Autor. Er schreibt weniger nach Zeit, die ja bekanntlich sehr relativ ist, und orientiert sich daher vielmehr an der Menge. Sein Ziel ist es stets 1000 Wörter am Tag zu schreiben, das seien etwa vier Seiten. Mehr ist Luxus, durch den er sich dann gelegentlich mal einen Tag frei nehmen oder, wie jetzt gerade, zur Buchmesse fahren kann.

Er findet es viel besser für seine Motivation seine Arbeit mitten in einer spannenden Szene zu unterbrechen und sich am nächsten Tag gleich wieder daran zu setzen als bis zu einer langweiligen oder ruhigen Stelle zu warten. Er hört also grundsätzlich nie am Ende eines Kapitels auf, weil er dann nur sehr schwer wieder hinein findet. Er selbst habe hinterher auch keine Probleme einzuschlafen, denn er weiß ja schließlich, wie es an der Stelle weiter geht. Er träumt daraufhin also höchstens sehr intensiv.

Er habe – ungelogen! – schon einmal einen kompletten Roman geträumt. Dieser liegt aber noch unveröffentlicht in einer Schublade. Manchmal schreibt er seine Ideen nach Träumen auf, wozu er eine lustige Anekdote auf Lager hatte: Eine solche Idee fand er nachts einmal total genial und war sogar beim Aufwachen noch überzeugt davon etwas Großartiges zu Papier gebracht zu haben. Am Ende hatte er jedoch nur ganz banal „Junge verliebt sich in Mädchen“ aufgeschrieben. *g*

Er selbst liest am liebsten im Urlaub, allerdings kaum noch zum Vergnügen. Hauptsächlich liest er Sachtexte zu Recherchezwecken.

Früher musste er mit seinen Vorschlägen auf die Verlage zugehen, heute kommen die Verlage mit ihren Ideen eher auf ihn zu und so ist es ihm fast lieber. Dann weiß er, dass sie ihn wollen und wissen, was er leisten kann, sodass er sich nicht verbiegen muss. Trotzdem entwickelt er natürlich selbst die Geschichte. Im Jugendbuchbereich werden die Konzepte laut seinen Aussagen häufig sehr detailliert mit dem Lektorat bzw. der Redaktion erarbeitet, da die Verlage dort oft viel mehr Einfluss nehmen wollen. Droemer Knaur lobte er hingegen dafür, dass er von ihnen sehr viele Freiheiten bekommen habe.

Nach einer weiteren Szene aus dem Roman wurde Thomas Thiemeyer nach den Reaktionen seiner Leser gefragt. Seine besten Fans säßen sogar gerade hier in Leipzig, antwortete er. Im Raum Stuttgart gäbe es ferner eine tolle Bloggerszene, größtenteils Frauen, von denen er anlässlich des Erscheinens des neuen Buches zwölf zu sich nach Hause eingeladen hatte. Über seine Jugendbücher habe er eine Fangemeinde aufgebaut, die er hoffentlich zu der Erwachsenenliteratur mitgenommen hätte. In jedem Fall findet er den direkten Kontakt zu seinen Lesern toll und bezeichnete ihn als „die Rosinen seiner Arbeit“.

Ab und zu frage er sich aber schon, warum er eigentlich nichts Richtiges gelernt bzw. eine „ordentlichen Beruf“ gewählt hat. Er könne sich zudem nicht vorstellen immer wieder denselben Roman zu schreiben, denn er möchte Risiken eingehen, z.B. zwei Erzählperspektiven mit verschiedenen Erzählern zu kombinieren, also einen Ich- und einen Er/Sie-Erzähler.

Den konkreten Indianerstamm aus Devil’s River fand er so interessant, weil dieser noch nicht so häufig in anderen Werken vorkam und er seinen Roman in dieser Region ansiedeln wollte. Darüber hinaus habe ihn diese alte Kultur sehr interessiert. Die besagte Kreatur habe es in den Indianermythen wirklich gegeben, doch er hat noch nie etwas darüber gelesen, deshalb wollte er es gern selbst schreiben.

Er hat auch noch nie etwas von Karl May oder Jules Verne gelesen, obwohl er gewisse Werke sogar im Stile von letzterem geschrieben hat. Er findet diese Bücher seien oft viel zu langatmig und ausschweifend. Als Person finde er Karl May aber sehr spannend, da er seine Handlungsorte beispielsweise nie selbst besucht hat, so wie auch Thomas Thiemeyer die Orte in Devil’s River nie mit eigenen Augen gesehen hat.

Bis zur Veröffentlichung habe er einen Roman circa fünfundzwanzig- bis dreißigmal gelesen, wobei er letztlich nur wenige große Änderungen vornimmt. Beim Schreiben muss er sich sogar dazu zwingen das Geschriebene nicht sofort zu lesen, sondern seinen Text erst am Ende zu lektorieren. Er liebt es zu kürzen, wodurch meistens etwa ein Fünftel wieder entfällt. Des Weiteren stellt er viele Sachen um und tauscht beispielsweise Kapitel aus, ehe er dann kleinere Korrekturen einarbeitet. Insgesamt schreibe er aber relativ schnell. Für den aktuellen Roman habe er nur sechs Monate gebraucht, dazu kamen dann noch einmal drei Monate intensives Lektorat. Devil’s River ist sein fünfzehnter Roman und inzwischen hat er mehr Routine, sodass er generell nicht mehr so lange braucht wie früher. Sein sechzehntes Werk erscheint dann nächstes Jahr.

Damit war das Interview abgeschlossen und der Abend neigte sich leider schon dem Ende zu. Doch Thomas Thiemeyer hat sich selbstverständlich noch die Zeit genommen Bücher zu signieren und stand auch für Photos bereit. Ich persönlich hatte seine Trilogie Das verbotene Eden dabei und bat den Autor sich darin zu verewigen, wobei er mir mitteilte, dass ein oder mehrere der Bände als Hardcover sogar schon vergriffen seien. Ein Grund mehr also die Bücher endlich zu lesen. ;)

Mai  12

[Lesung] Brigitte Riebe

12. Mai 2015 | 23:58 | Erlebt

Durch meinen etwas längeren Aufenthalt in Leipzig bin ich dieses Jahr auf der Buchmesse auch endlich mal dazu gekommen der einen oder anderen Lesung beizuwohnen statt immer nur von einem Termin zum nächsten zu hetzen. Am Freitag, 13. März 2015, gehörte dazu unter anderem die Lesung von Brigitte Riebe zu ihrem neuen Roman Die Versuchung der Pestmagd. Es handelte sich dabei wohl sogar um die Premierenlesung, die einige Leser angezogen hatte, sodass es bald keinen einzigen freien Stuhl mehr gab.

Zunächst stellte ihre Lektorin aus dem Diana Verlag kurz das Buch vor, dann begann die Autorin auch schon daraus zu lesen. Laut eigenen Angaben viel es ihr sehr, sehr schwer einen aussagekräftigen Ausschnitt für die nur fünfundzwanzig-minütige Lesung auszuwählen, immerhin sei die Wahl selbst bei einer zweistündigen Lesung schon nicht leicht.

Während der halbstündigen Veranstaltung wurde hauptsächlich gelesen. Zwischendurch streute Brigitte Riebe aber immer wieder kurze, interessante Kommentare und Anekdoten ein. Am lustigsten war dabei wohl ihr eigener Zwischenruf „also ein Schleimscheißer“, mit dem sie ihre Figur des Kardinal Albrechts sehr zutreffend in einem Wort beschrieb.

Ihrer Meinung nach kann man außerdem absolut nicht sagen, dass das Mittelalter ausschließlich eine schlimme Zeit war und nur schlechte Zustände herrschten. Sie findet, dass das Mittelalter in gewisser Hinsicht genau wie unsere heutige Zeit ist und es sowohl helles als auch dunkles gab, gutes wie schlechtes.

Sie erzählte dem Publikum auch, dass die Erwiderung „Gesundheit“ auf ein Niesen aus der Zeit der Beulenpest stammt, in der auch ihr Roman spielt. Im Mittelalter existierten jedoch leider nur sehr wenige Mittel gegen Krankheiten und Hygiene sowie Sauberkeit waren eher unbekannt. Der häufig eingesetzte Aderlass gab den Kranken dann häufig den Rest, weil sie sowieso bereits geschwächt waren und der Körper dadurch nur zusätzlich entkräftet wurde.

Brigitte Riebe liebt Geschichte und bringt es deshalb auch nicht über sich diese frei nach ihrem Willen zu beugen. Aus diesem Grund findet ihr Arzt Vincent auch keinen Impfstoff gegen die Blattern/Pocken, denn dieser wurde eben erst viel später entwickelt. Die Krankheit war jahrhundertelang ein großes Problem und die Betroffenen, darunter angeblich sogar Goethe, behielten schlimme, entstellende Narben zurück.

Insgesamt trug die Autorin drei Szenen aus dem Buch vor und gab anschließend noch einen kurzen Ausblick auf den weiteren Verlauf der Handlung, ehe sie dann schließlich Bücher signierte.

Mai  06

[Meet & Greet] Plauderrunde im Otherland

06. Mai 2015 | 22:08 | Erlebt

Am 15. Dezember 2014 fand in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut in der Otherland Buchhandlung in Berlin abends ein Plaudertreff mit diversen Jugendbuchautoren, darunter Pierce Brown, Diana Peterfreund, Mari Mancusi, Boris Koch, Jenny Mai-Nuyen und Kathleen Weise, statt. Ursprünglich hätte auch Kristin Cashore dabei sein sollen und ich war sehr traurig als ich erfuhr, dass ausgerechnet sie wegen Krankheit ihre ganze Reise absagen musste, weil ich sie so gern gefragt hätte, ob überhaupt und wenn ja, wann wir mit einem neuen Buch von ihr rechnen können. Dennoch freute ich mich natürlich darauf die vielen anderen Autoren kennen zu lernen und es waren im Endeffekt sogar noch viel mehr Schriftsteller anwesend als aufgezählt, auch wenn ich deren Namen leider nicht widergeben kann.

Ich selbst saß neben Pierce Brown, der nebenbei bemerkt sehr charmant ist, und einer weiteren Autorin, deren Namen ich leider ebenfalls nicht mitbekommen habe, wodurch ich mich schon im Vorfeld kurz mit ihnen unterhalten konnte. Er wollte unter anderem gern wissen, was ich gerade lese (Auch Spione brauchen Glück) und wer meine Lieblingsautorin sei (Meg Cabot), kannte jedoch beides nicht. Seine Kollegin allerdings schon, weshalb sie über seine Unwissenheit leicht die Augen verdrehte, à la „typisch Mann“, aber er entspricht ja auch nicht gerade der Zielgruppe. ;)

Der einmalige Abend, an dem uns sogar Trank und Speis zur Verfügung gestellt wurden, begann dann offiziell mit einer sehr offenen Gesprächsrunde, das heißt während der ersten ein bis eineinhalb Stunden wurden Fragen offen an alle in den Raum gestellt und nacheinander beantwortet, damit alle an der Konversation teilhaben konnten. Die us-amerikanischen Autoren waren unter anderem sehr interessant am deutschen Buchmarkt sowie den deutschen Lesern, zum Beispiel was Trends betrifft und ob es das Genre New Adult bei uns gibt. [Viel konnte ich leider nicht mitschreiben, dafür ging es einfach alles viel zu schnell.] Ferner mussten alle die Frage nach den Lieblingsbüchern und –genres beantworten. Eine Autorin erntete dabei schockierte Blicke als sie meinte Fantasy und Science-Fiction seien doch im Prinzip das Gleiche, was für vehementes Kopfschütteln und sofortige Erklärungsversuche über den Unterschied sorgte.

Die Autoren waren alle sehr nett und die ganze Atmosphäre war sehr locker und entspannt, trotz der eher kurzfristigen Organisation der Veranstaltung, die leider auch verhindert hatte, dass ich mir vorher noch das eine oder andere Buch besorgen konnte. Etwas unschön war lediglich der sehr hektische Aufbruch der ausländischen Autoren, die wohl plötzlich festgestellt hatten, dass sie schon spät dran waren, weil so kaum Zeit zum Signieren blieb. Dafür haben sie aber zum Teil noch Bücher und andere Goodies verschenkt, sodass ich am Ende nicht nur mit meinen selbst gefertigten Autogrammkarten, sondern mit Lesezeichen, Buttons und zwei von Diana Peterfreund signierten Büchern nach Hause ging.

Die deutschen Autoren blieben, zum Glück, noch etwas länger und ich lernte sowohl Jenny Mai-Nuyen als auch Kathleen Weise kennen, mit der ich ein sehr nettes, ausführliches Gespräch über Blogger, Verlage und Bücher im Allgemeinen führte, wobei wir auch einige tolle Empfehlungen austauschten, bis es 22.30 Uhr schließlich an der Zeit war zu gehen.

Alles in allem war es ein großartiger Abend, den ich nur zu gern wiederholen würde, egal ob mit denselben oder völlig anderen Autoren. Ich persönliche finde so eine Plauderrunde ohnehin noch viel interessanter als herkömmliche Lesungen.

Apr  23

[Lesung] Letters of Note

23. April 2015 | 20:56 | Erlebt

Am 27. November 2014 fand im Babylon in Berlin eine Lesung zu der wundervollen Briefsammlung Letters of Note statt, die ich, dank eines Gewinnspiels des Verlags, wenn ich mich recht entsinne, kurzfristig doch noch besucht habe und die so großartig war, dass ich im Nachhinein gern über den ziemlich späten Einlass in den Saal und den leicht verspäteten Beginn hinweggesehen habe.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Jörg Thadeusz, der jeden Vorleser nicht einfach nur ankündigte, sondern mit einem eigenen, persönlichen Brief an sie oder ihn vorstellte und damit viele Lacher erntete. Als Special Guests waren zudem der englische Verleger John Mitchinson sowie der Herausgeber des Buches Shaun Usher angereist.

125 Briefe wurden für ein Buch sowie ein aufwendig produziertes Hörbuch mit zahlreichen prominenten Schauspielern, von denen einige verschiedene Briefe auf der Lesung präsentierten, ausgewählt und von 34 Übersetzern ins Deutsche übertragen. Sie alle stammen von der gleichnamigen Website, die zugleich so etwas wie ein globales Online-Museum ist, und behandeln universelle Themen, von denen sich jeder angesprochen fühlt.

Daraus wurde als erstes der Brief Nr. 009 von Anna Thalbach, der einem talentierten Werbetexter einen Job bei MGM einbrachte, vorgelesen. Fünfzehn Jahre später gewann er als Drehbuchautor einen Oscar.

Nach dieser kurzen Einstimmung kamen John Mitchinson und Shaun Usher auf die Bühne und stellten sich den Fragen des Moderators. Jörg Thadeusz übersetzte die Antworten dabei lediglich als Komfort ins Deutsche und nicht etwa, weil das Publikum kein Englisch könne. Gesprochen wurde natürlich darüber wie Shaun Usher auf die Idee zu Letters of Note kam. Zwei Wochen nachdem er seine zukünftige Frau kennen lernte, ging diese für ein Jahr nach Spanien und sie verliebten sich schließlich beim Briefe schreiben ineinander, weshalb Briefe für ihn eine große Bedeutung haben. Sieben Jahre später startete er die Website als Hobby und begann dort Briefe zu veröffentlichen. Seine eigenen Ergüsse wollte er allerdings nie veröffentlichen. Warum also andere persönliche Briefe? Weil er sie nicht nur interessant findet, sondern sie teilweise auch eine wichtige Rolle in der Geschichte gespielt haben. Allzu persönliche Nachrichten wie z.B. Liebesbriefe veröffentlicht er nur mit Zustimmung des Autors und viele andere sind noch unveröffentlicht, weil sie sogar zu persönlich sind.

John Mitchinson ist später auf diese Website aufmerksam geworden und wollte daraufhin ein Buch daraus machen. Seine Briefe findet er jedoch auch nicht gut genug um sie zu veröffentlichen. Er kennt aber einen Schriftsteller, der einmal seine Ex-Freundinnen gefragt hat, ob sie ihm seine alten Liebesbriefe zurückschicken, weil er diese gern veröffentlichen würde. *g*

Mit einem weiteren Brief kündigte der Moderator die Schauspielerin Iris Berben an, die den Brief Nr. 034 vortrug, den Katharine Hepburn ihrem Geliebten Spencer Tracy lange nach dessen Tod schrieb. Die Originalbriefe, die im Buch ebenfalls abgedruckt sind, wurden dabei übrigens jeweils auf die Leinwand hinter der Bühne projiziert.

Nachfolgend wurde Bernie Mayer mit einem Brief aus der Sicht von dessen Tochter vorgestellt, ehe er den Brief Nr. 117 auf eine sehr komödiantische Weise präsentierte. Seiner Frau hatte er versehentlich gesagt er würde einen Brief von Gandalf vorlesen, dabei handelte es sich in Wirklichkeit um einen Brief von Mohandas Gandhi an Adolf Hitler, der letzteren aber nie erreicht hatte.

Timur Vermes wurde mit den passenden Worten „Er ist wieder da“ aufgerufen und las den Brief Nr. 100 von Clyde Barrow (angeblich der Clyde von Bonnie & Clyde) vor, der darin die Autos von Henry Ford lobt. Über die Authentizität des Briefes wurde jedoch Jahre lang gestritten.

Im Anschluss trug Mechthild Großmann, bekannt unter anderem aus den Münster-Tatorten, den Brief Nr. 079 vor. Vor jedem Brief wurde, wie es auch im Buch der Fall ist, außerdem kurz erläutert, wovon er handelt oder wie er zustande gekommen ist um den Zusammenhang herzustellen. Der Brief von Bette Davis an ihre Tochter stammt zum Beispiel aus deren Memoiren und ist eine Antwort auf den Brief ihrer Tochter, den diese an den Schluss ihrer eigenen Memoiren gesetzt hatte.

Die gleiche Schauspielerin präsentierte danach den Brief Nr. 001, das Eierkuchenrezept, das Queen Elizabeth II. Präsident Eisenhower auf seinen Wunsch hin am 24. Januar 1960 schickte, weil dieser sich bei einem Staatsbesuch in die königlichen Eierkuchen verliebt hatte.

Ihr folgte der Autor Wulf Dorn, der selbst einige Briefe für die Sammlung übersetzt hatte. Er las den Brief Nr. 070 vor, in dem Mario Puzo den Schauspieler Marlon Brando bittet die Hauptrolle in der Verfilmung seines Romans Der Pate zu übernehmen. Das Studio lehnte diesen Besetzungswunsch zunächst ab, änderte seine Meinung aber sobald sie die Probeaufnahmen von ihm als Don Corleone sahen. Die Rolle hätte ihm einen Oscar eingebracht, er lehnte die Auszeichnung jedoch aus Protest ab.

Um das Thema zu wechseln widmete man sich daraufhin Briefen aus der Welt der Popmusik. Benno Fürmann präsentierte den Brief Nr. 030 von Nick Cave, der MTV darin bittet seine Nominierung für einen Award zurückzuziehen, da er nichts für Wettbewerbe übrig hätte und seine Muse nicht verschrecken wolle. Die wunderbare Anna Thalbach ließ uns an Brief Nr. 042 teilhaben, mit dem sich drei Elvis Presley Fans nach dessen Einberufung zur Armee an Präsident Eisenhower wanden um zu verhindern, dass ihrem Idol ein Bürstenhaarschnitt verpasst wird. Passend dazu trug Wulf Dorn anschließend Brief Nr. 057 vor, in dem Elvis Presley Präsident Nixon um ein bestimmtes polizeiliches Abzeichen für seine Sammlung bat. Er überreichte seinen Brief persönlich und traf später tatsächlich den Präsidenten, welcher ihm seinen Wunsch erfüllte.

Bevor dann eine 20-minütige Pause eingelegt wurde, wollte man das Publikum noch musikalisch unterhalten. Ein einzelner Musiker, der seine Gitarre erst auf der Bühne stimmte, spielte eigentümliche Versionen von „Jailhouse Rock“, „Love Me Tender“ sowie „Last Night A DJ Saved My Life“. Meiner Meinung nach war diese Unterbrechung allerdings eher unpassend, viel zu laut und zerstörte die harmonische Atmosphäre.

Nach der Pause ging es mit Iris Berben und Brief Nr. 010 weiter. Dabei handelt es sich um den Herz zerreißenden Abschiedsbrief von Virginia Woolf an ihren Mann, der zu Tränen rührte. Jörg Thadeusz wollte hinterher noch von der bekannten Schauspielerin wissen, wie sie mit ihren Fanbriefen verfahre. Ihre Antwort war sehr interessant, denn sie hebt eher die boshaften auf als die freundlichen, kann sich mittlerweile aber auch davon trennen. Auf jeden Fall bekommt sie auch heute noch viele Briefe auf Papier.

Übersetzer Alexander Wagner las im Anschluss Brief Nr. 076 vor, den sehr bewegenden letzten Brief eines Mannes, der im amerikanischen Bürgerkrieg gekämpft hat, ans seine geliebte Frau.

Timur Vermes präsentierte den Brief Nr. 105 von Autor Charles Bukowski, der heute stolz in einem fahrbaren Buchladen aushängt. Der Autor spricht sich darin aus persönlichem Anlass gegen die Zensur von Büchern aus. Timur Vermes erzählte, dass er nur wenige Briefe als Reaktion auf Er ist wieder da erhalte. Doch es gebe viele Leute, die sagen, man könne das nicht machen, aber dann keine Antwort auf die Frage „Warum nicht?“ geben können.

Darauf folgten mehrere Briefe mit Bezug zu F. Scott Fitzgerald. Conny Lösch las den Brief Nr. 122 von Zelda Fitzgerald an ihren Ehemann vor. Zoe Beck erheiterte uns mit dem wunderbaren Brief Nr. 111 von F. Scott Fitzgerald an seine Tochter Scottie. Benno Fürmann ließ uns durch Brief Nr. 080 an der Freundschaft zwischen F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway teilhaben.

Lars Eidinger präsentierte Brief Nr. 002, dessen Autor behauptete Jack the Ripper zu sein, sowie Brief Nr. 069, die Antwort von Iggy Pop auf den Fanbrief der 21-jährigen Laurence.

Den Abschluss bildete der Brief Nr. 038, vorgetragen von Anna Thalbach. Ein 8-jähriges Mädchen bat den Herausgeber der Tageszeitung The Sun um eine Antwort auf die Frage „Gibt es den Weihnachtsmann?“. Er antwortete ihr mit einem großartigen Leitartikel, der bis heute zu einem der am häufigsten nachgedruckten Artikel der Geschichte zählt.

Mit einem großen Dank an alle Schauspieler, Vorleser, etc. sowie die Zuhörer war die möglicherweise interessanteste Lesung, die ich jemals besucht habe, dann auch schon zu Ende. Doch dieser großartige Abend wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Photos während der Veranstaltung zu machen war leider unerwünscht, dafür werde ich mich aber durch das bemerkenswerte Buch in meinem Regal stets daran erinnern können.

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