Apr  24

[Interview] Colleen Hoover

24. April 2014 | 16:13 | Nachgefragt

Im November letzten Jahres veröffentlichte dtv mit Weil ich Layken liebe den ersten Roman von Colleen Hoover auf Deutsch. Ich fand das Buch großartig und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung Weil ich Will liebe, die diese Woche endlich bei uns erschienen ist. Um mehr über diese talentierte Autorin und ihre Bücher zu erfahren, habe ich sie mit einigen Fragen gelöchert und kann euch heute nun die interessanten Antworten präsentieren.

An dieser Stelle nochmals ein großes Dankeschön an Frau Hoover, die sich für das Beantworten der Fragen Zeit genommen hat!

In Deutschland ist vor Kurzem Ihr Debut „Weil ich Layken liebe“ erschienen und ich habe es geliebt! Warum haben Sie aus Will und Layken Lehrer und Schülerin gemacht?
Ich bin nicht sicher. Ich hatte Weil ich Layken liebe nicht wirklich in allen Einzelheiten durchgeplant, ich bin beim Schreiben einfach darauf gekommen.

Wann oder wie sind Sie auf die Idee zu „Weil ich Layken liebe“ gekommen?
Ich habe es schon immer genossen zu schreiben und ich musste während der Theaterproben meines Sohnes ein wenig Zeit totschlagen, also habe ich angefangen Weil ich Layken liebe zu schreiben!

Der Erscheinungstermin für die dt. Ausgabe der Fortsetzung „Point of Retreat“ steht ja schon fest. Hat sich dtv auch die Rechte an „This Girl“ gesichert?
Ich glaube nicht, dass sie This Girl bereits gekauft haben, aber hoffentlich tun sie es bald!

Wurden die deutschen Rechte an anderen Büchern von Ihnen schon verkauft?
Ich bin nicht 100%ig sicher, aber ich glaube dtv hat neben Slammed und Point of Retreat auch die Rechte an Hopeless und Losing Hope erworben.

In den USA erscheint als nächstes „Maybe Someday“. Ist das ein Stand-alone oder der Auftakt zu einer neuen Reihe? Was können Sie uns sonst noch darüber verraten?
Es ist ein Stand-Alone. Es gibt einen Original Soundtrack, der das Buch begleitet, und ich freue mich schon sehr darauf euch daran teilhaben zu lassen!

Ihre Bücher wurden in vielen verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt veröffentlicht. Wie fühlt sich das an?
Es ist unglaublich! Ich hätte mir nie träumen lassen, dass das so etwas passieren würde.

War es schon immer Ihr Traum Ihren Lebensunterhalt mit dem Schreiben zu verdienen?
Ja, aber ich hätte nie gedacht, dass es möglich wäre. Ich hatte diesen Traum vor langer Zeit aufgegeben. Ich bin so froh, dass ich mich schließlich doch entschloss meinen ersten Roman zu schreiben.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf? Was gefällt Ihnen nicht so sehr?
Ich liebe alles und ich würde ehrlich gesagt nichts daran ändern.

Welche Szene fiel Ihnen beim Schreiben bisher am schwersten? Oder am leichtesten?
Am schwierigsten war eine Szene in Ugly Love, das am 5. August in den USA erscheint. Ich kann euch daher noch nichts darüber verraten.

Woher nehmen Sie im Allgemeinen die Inspiration zu Ihren verschiedenen Büchern und Charakteren?
Sie kommen einfach zu mir. Ich habe ständig neue Ideen für Geschichten und manche von ihnen erfüllen meinen Verstand bis die Charaktere ihren eigenen Kopf haben. Ich denke nicht wirklich an mein richtiges Leben, wenn ich schreibe.

Entspringen Ihre Charaktere vollständig Ihrer Phantasie oder denken Sie dabei an reale Personen, wie z. B. Freunde oder Schauspieler?
Haha, ich glaube die Frage habe ich oben bereits beantwortet. Wie ich schon sagte, normalerweise entspringen sie nur meiner Phantasie. Aber Kel aus Weil ich Layken liebe basiert auf einem meiner Kinder.

Bislang haben Sie vor allem New Adult geschrieben. Können Sie sich vorstellen einmal ein völlig anderes Genre auszuprobieren?
Nicht wirklich. Ich habe darüber nachgedacht vielleicht etwas Übernatürliches zu schreiben, aber ich weiß nicht, ob ich das jemals tun werde. Meine Bücher fallen einfach von Natur aus in die New Adult Kategorie.

Gibt es einen Roman unter Ihren eigenen, den sie besonders mögen oder mit dem Sie rückblickend eher unzufrieden sind? Wenn ja, welche und warum?
Ich liebe alle meine Bücher, schon weil sie so viel für mich und meine Karriere und meine Familie getan haben, doch ich denke mein Favorit müsste Ugly Love sein.

Gibt es in Ihren Romanen einen Charakter, den sie besonders schätzen oder mit dem sich am meisten verbunden fühlen? Falls ja, wer ist es und warum? Und gibt es einen, den Sie nicht sonderlich mögen?
Besonders verbunden fühle ich mich mit Ridge (Maybe Someday) und Miles (Ugly Love). Vieles ist in die Geschichten der Beiden eingeflossen, deshalb kann ich es auch kaum erwarten, dass ihr sie kennen lernt!

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie mal nicht mit dem Schreiben beschäftigt sind?
Ich habe nicht viel Freizeit, aber ich mag es die Zeit, die ich habe, mit meiner Familie und Freunden zu verbringen und einfach nur zu entspannen.

Haben Sie ein Lieblingsbuch und/oder –autor?
Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green.

Wenn Sie einen Tag in die Rolle irgendeiner Figur aus einem Buch oder Film schlüpfen könnten, welche wäre es?
Sandra Bullock in Eine zweite Chance. Ihr wisst schon, wegen Harry Connick, Jr.

Mit welcher Person (tot oder lebendig) würden Sie gerne mal einen ganzen Tag verbringen, wenn Sie könnten und warum?
Harry Connick, Jr.

Ein paar meiner Leser schreiben selbst auch. Haben Sie ein paar Tipps für sie?
Mit den Worten der Avett Brothers: „decide what to be, and go be it“.

Dez  12

[Blogtour] Das Tal von Krystyna Kuhn – Teil 2

12. Dezember 2013 | 10:15 | Mitgemacht, Nachgefragt

Im zweiten Teil des Interviews zur Blogtour erfahrt ihr heute etwas mehr über ihre Charaktere, ihre Lieblingsautoren, in welche Rolle sie gern einmal schlüpfen würde und vieles mehr. Morgen geht es dann hier weiter. ;)

Entspringen Ihre Charaktere vollständig Ihrer Phantasie oder denken Sie dabei an reale Personen, wie z. B. Freunde oder Schauspieler?
Sie entspringen der Fantasie und – der Frage: Wie würde ich gerne sein?Was schätze ich an Menschen, was hasse ich? In dieser Beziehung ähnle ich einem Schauspieler. Ich versuche die Leidenschaften einer Figur auszuleben. Wenn ich meine Charaktere verstehe, dann nähere ich mich dem Universum „Mensch“.

Gibt es in Ihren Romanen einen Charakter, den sie besonders schätzen oder mit dem sich am meisten verbunden fühlen? Falls ja, wer ist es und warum? Und gibt es einen, den Sie nicht sonderlich mögen?
Niemand mag Debbie. Ich auch nicht. Aber vielleicht ist sie die ehrlichste aller Charaktere. Ansonsten bewundere ich Rose, ich mag die Tiefgründigkeit von Robert, Benjamins Humor, Katies Willen, den Philantropen David, die Aggressivität von Chris. Okay, Julia ist mir im Laufe der Bände fremd geworden. Weil sie sich nicht wehrt.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie mal nicht mit dem Schreiben beschäftigt sind?
Der Tag hat zu wenig Stunden, um Freizeit zu haben. Ich plädiere für eine neue Zeitrechnung. Fordere von der Wissenschaft, ein Mittel zu erfinden, dass man nicht schlafen muss. Und wenn ich doch mal abschalten will, treffe ich Freunde und … lese.

Haben Sie ein Lieblingsbuch und/oder –autor?
Jodi Picoult – Sie erzählt die brisantesten, menschlichen Konflikte.
Stephen King – Seine Fantasie ist grenzenlos.
Kevin Brooks – er schreibt die besten Jugendbücher.
Astrid Lindgren – sie gibt Erwachsenen eine Vorstellung, was Kindheit bedeutet.

Wenn Sie einen Tag in die Rolle irgendeiner Figur aus einem Buch oder Film schlüpfen könnten, welcher wäre es?
„Oh O Captain! My Captain!“ – Die Figur des Lehrers in „Der Club der toten Dichter“. Und als Elizabeth Bennett würde ich mich gerne in Mr Darcy verlieben.

Mit welcher Person (tot oder lebendig) würden Sie gerne mal einen ganzen Tag verbringen, wenn Sie könnten und warum?
Mit Meryl Streep über ihre Rollen; mit meinem Vater (gestorben 1998) über die Fragen, die geblieben sind; mit meiner großen Jugendliebe, warum wir nie zusammen fanden; mit Stephen Spielberg über Filme und dem King of Queens, weil ich gerne mal in seinem Truck mitfahren würde.

Ein paar meiner Leser schreiben selbst auch. Haben Sie ein paar Tipps für sie?
Nicht aufhören. Nicht die Geduld verlieren. An die Grenze gehen – immer.

Dez  11

[Blogtour] Das Tal von Krystyna Kuhn – Teil 1

11. Dezember 2013 | 15:40 | Mitgemacht, Nachgefragt

Ich habe zwar noch nicht alle Bände gelesen, doch bisher konnte Krystyna Kuhn mich auf jeden Fall mit ihrer mysteriösen Serie Das Tal begeistern. Deshalb freue ich mich sehr, dass die große Blogtour zum Finale der Reihe heute (und morgen) auf meinem Blog halt macht. Zu diesem Anlass habe ich die Autorin um ein Interview gebeten und heute präsentiere ich euch den ersten Teil ihrer kurzen, aber interessanten Antworten. An dieser Stelle nochmals ein Dankeschön an Frau Kuhn für die Beantwortung der vielen Fragen.

Mit dem achten Band ist die Tal-Serie nun zu Ende. Wie fühlt sich das an?
Wie kurz unter dem Gipfel, nur es geht nicht weiter.

Planen Sie schon einen weiteren neuen Roman oder gar eine neue Serie? Wenn ja, können Sie uns schon etwas darüber verraten?
Ich plane, aber verraten kann ich noch nichts – nur … es wird wieder eine Serie.

Wie planen sie Ihre Romane überhaupt? Wie recherchieren Sie für Ihre Bücher?
Am wichtigsten sind die Charaktere. Ich muss ein Bild von Ihnen im Kopf haben, ein Gefühl für sie entwickeln, ihre Konflikte verstehen und ihre Sprache sprechen.
Ansonsten bin ich im Internet unterwegs, beobachte Menschen, Orte, Situationen. Ich lese viel … denke viel … frage viel. Als Autor ist man immer online, eine Art XXL-Gigabyte-Speicherkarte.

Woher nehmen Sie im Allgemeinen die Inspiration zu Ihren verschiedenen Büchern?
Mich inspirieren die ungelösten Fragen der Menschheit – wenn ich keine Antworten zu Fragen habe, muss ich schreiben.

Hatten Sie jemals Zweifel daran, eines Ihrer Bücher zu Ende zu schreiben bzw. waren während des Schreibens nicht mehr überzeugt von der ursprünglichen Idee?
Manchmal überkommt mich Panik: Wo geht der Weg entlang? Wie komme ich zum Ziel?

Bislang haben Sie vor allem Thriller geschrieben. Können Sie sich vorstellen einmal ein völlig anderes Genreauszuprobieren?
Oh ja – ich würde gerne einmal etwas Lustiges, Sarkastisches schreiben. Galgenhumor ist für mich eine der wichtigsten Überlebensstrategien.

Wenn Sie die Chance hätten mit einem anderen Autor ein Buch zu schreiben, wer wäre es und warum?
Super Frage: Kevin Brooks, Nick Hornby, Wladimir Kaminer, dem Physiker Harald Lesch und … Astrid Lindgren.

War es schon immer Ihr Traum Schriftstellerin zu werden? Oder hat sich das eher zufällig so ergeben?
Nichts ist Zufall. Nichts ist geplant. Die Verbindung dazwischen heißt Intuition. Bücher und Geschichten sind für mich geistige Grundnahrungsmittel. Ich kann ohne Bücher nicht leben.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf? Was gefällt Ihnen nicht so sehr?
Freiheit. Die Fluchtmöglichkeiten. Das Mysterium des Schreibens. Dazu brauche ich die Isolation und hasse sie gleichzeitig.

Gibt es einen Roman unter Ihren eigenen, den sie besonders mögen oder mit dem Sie rückblickend eher unzufrieden sind? Wenn ja, welche und warum?
Ich liebe den ersten Krimi für Erwachsene: Fische können schweigen. Das erste Jugendbuch: Schneewittchenfalle. Weil ich damals noch unwissend, intuitiv und naiv war. Noch einmal würde ich schreiben wollen: Das Tal. Das Spiel. Weil ich jetzt mehr weiß, als am Anfang.

Welche Szene fiel Ihnen beim Schreiben bisher am schwersten? Oder am leichtesten?
Am leichtesten fällt mir immer das Ende. Das schwerste ist das erste Kapitel.

Nov  08

[Interview] Kimberly Derting

08. November 2012 | 20:10 | Nachgefragt

In diesem Jahr sind gleich zwei Bücher von Kimberly Derting bei uns in Deutschland erschienen – Ruf der verlorenen Seelen sowie Dark Queen – und ich hatte das große Glück bzw. die Ehre die Autorin interviewen zu dürfen. Die Anzahl der Fragen war leider auf fünf beschränkt, aber die Antworten sind meiner Meinung nach trotzdem sehr interessant.

An dieser Stelle nochmals ein großes Dankeschön an Frau Derting, die sich für das Beantworten der Fragen Zeit genommen hat!

Wann oder wie sind Sie auf die Idee zur „Bodyfinder“ Serie – einem Mädchen mit der Gabe die Toten aufzuspüren – gekommen? Können Sie uns schon etwas über die Fortsetzungen verraten?
Die Idee kam eines Tages von meinem Ehemann als wir Auto fuhren und er fragte „Was wäre wenn es einen Jugendlichen gäbe, der Leichen finden könnte?“ In seinem Kopf ging es um einen Jungen in der Mittelstufe. Aber es war tatsächlich eine großartige Idee, also machte ich aus der Hauptfigur ein 16-jähriges Mädchen und kam auf den Einfall mit den Echos. Und, natürlich, entschied ich, dass sie einen Schwarm bräuchte und so war Jay geboren!

In der Fortsetzung wird die Hauptfigur, Violet, die Aufmerksamkeit des FBI auf sich ziehen als sie eine Leiche findet und sie wollen mehr über ihre Fähigkeit erfahren … etwas, das Violet vor ihnen verbergen will. Sie ringt mit sich wie viel von ihrem Geheimnis sie teilen sollte.

Wann oder wie sind Sie auf die Idee zu „Dark Queen“ mit einer Gesellschaft, die durch Sprachen gegliedert wird, gekommen? Was können Leser von diesem Buch erwarten?
Im Gegensatz zu Bodyfinder, wo alles auf einmal zu mir gekommen ist, kam die Idee zu Dark Queen stückchenweise. Das erste Stück war nur eine einfache Frage: „Wie wäre es, wenn jemand alle Sprachen verstehen könnte?“ Aber ich wollte, dass die Geschichte selbst etwas Größeres ist als nur diese Komponente. Ich habe viel Zeit damit verbracht Notizen dazu zu machen wie Charlies Gabe funktionieren würde, in was für einer Art Welt sie leben würde, über die Sorte von Monarchien, die existieren würden, und wer ihre Freunde und Familie wären. Ich dachte viel darüber nach wie ich das alles miteinander verbinden könnte bevor ich ein einziges Wort von Charlies Geschichte geschrieben habe.

Dark Queen ist düster, aber auf eine völlig andere Weise als Bodyfinder.

Entspringen Ihre Charaktere vollständig Ihrer Phantasie oder denken Sie dabei an reale Personen, wie z. B. Freunde oder Schauspieler?
Das ist bei jedem Buch unterschiedlich. Ich nutze vielleicht gewisse Charaktereigenschaften von Freunden und Familienmitgliedern, aber nie so viel, dass sich jemand selbst darin wieder erkennen würde (hoffe ich!). Bei The Last Echo (dem dritten Teil der Bodyfinder Serie) fing ich jedoch mit Bildern von Schauspielern für ein paar der neuen Charaktere an, zumindest für ihre äußerlichen Beschreibungen, und baute sie dann aus. In der Regel denke ich sie mir allerdings einfach aus!

Wenn Sie einen Tag in die Rolle irgendeiner Figur aus einem Buch oder Film schlüpfen könnten, welche wäre es?
Ich mag die Vorstellung Katniss Everdeen aus The Hunger Games bzw. Die Tribute von Panem zu sein … aber nur wenn es ein Tag ist, an dem sie NICHT um ihr Leben kämpft. Ihr Leben ist viel zu aufregend (und gefährlich) um es jeden Tag zu leben!

Mit welcher Person (tot oder lebendig) würden Sie gerne mal einen ganzen Tag verbringen, wenn Sie könnten und warum?
Das wäre wahrscheinlich J.K. Rowling, weil ich einfach alles an ihr liebe. Außerdem, ich meine, wie cool wäre es sie eine Stunde lang bei einem großen Eisbecher auszufragen? Gemerkt wie ich einen Eisbecher eingebaut habe? :)

Mrz  06

[Arbeiten im Verlag] Lizenzen

06. März 2012 | 20:59 | Nachgefragt

Im vierten und damit letzten Teil der Interviewreihe zum Thema Arbeiten im Verlag erzählt Inka Ihmels etwas über ihre Arbeit als Foreign Rights Managerin.

Erzählen Sie uns doch bitte etwas über Ihren Beruf. Was gehört alles zu Ihren Aufgaben und wie sieht für Sie ein typischer Arbeitstag aus?
Als Auslandslizenzmanagerin ist es mein Ziel, für möglichst viele unserer deutschsprachigen Originalwerke ausländische Verlage zu finden. Den größten Teil des Jahres sitze ich daher am Schreibtisch und korrespondiere mit internationalen Verlagen, stelle – größtenteils englischsprachige – Informationen zu unseren Autoren und ihren Werken zusammen, bereite unsere Foreign Rights Kataloge vor und stelle Verträge aus, wenn Angebote eingegangen sind. Besonders spannend und schön ist mein Job jedoch während der internationalen Buchmessen. Dort treffe ich Lektoren, Verleger und Agenten aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt persönlich und aus dem direkten Kontakt entwickeln sich zumeist ganz von selbst Ideen, welche unserer Autoren für das Gegenüber interessant sein könnten und auch sehr herzliche Beziehungen.

Welche Vor- bzw. Nachteile hat Ihr Job? Was gefällt Ihnen besonders gut, was mögen Sie nicht so sehr?
Größter Vorteil: s. o. Außerdem gefällt mir die Mischung aus inhaltlichem Arbeiten und handfesten Ergebnissen sehr, d. h. dem Kalkulieren von Angeboten und dem Ausstellen von Verträgen. Ganz furchtbar finde ich die Organisation des Zahlungsverkehrs, zu dem oft auch Anträge zur Steuerfreistellung etc. gehören.

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen? Was haben Sie studiert und was mussten Sie sonst noch in Vorbereitung darauf absolvieren, z.B. Praktika, Volontariate, etc?
Als ich mein Studium begonnen habe, wusste ich ehrlich gesagt noch gar nicht, wie gut meine Fächerkombination für den Lizenzbereich geeignet ist: Ich habe in Mainz im Hauptfach Buchwissenschaft studiert und in den Nebenfächern Spanisch und BWL. Während meines Studiums habe ich Praktika in unterschiedlichen Verlagsbereichen absolviert: Von der Presse über das Lektorat bis zur Lizenzabteilung. Während meines Volontariats bei der Frankfurter Verlagsanstalt habe ich dann schon den Lizenzbereich als meine Herzensangelegenheit erkannt.

Welche Anforderungen werden heute an jemanden gestellt, der diesen Beruf gern ergreifen möchte? Ist ein Studium erforderlich? Wenn ja, welche Fachrichtung? Muss man vorher (viele) Praktika und Volontariate absolvieren? Werden besondere Fremdsprachenkenntnisse oder ähnliches gefordert?
Es gibt ganz unterschiedliche Wege in die Lizenzabteilung. Am häufigsten scheinen mir Geisteswissenschaftler unterschiedlicher Studienrichtungen vertreten zu sein, die über ein Volontariat einsteigen. Generell sollte man kommunikativ und offen sein, im Auslandslizenzbereich sehr gute Englischkenntnisse haben und möglicherweise auch weitere Fremdsprachen sprechen.

Können Sie etwas über die heutige Situation auf dem Arbeitsmarkt in Ihrem Berufsfeld sagen? Hat man mit der richtigen Ausbildung (und Motivation) eine gute Chance einen Job in der Lizenzabteilung eines Verlages zu bekommen?
Das kann ich nicht pauschal beantworten. Da die Vermarktung und Verwertung digitaler Rechte zu den typischen Aufgaben des Lizenzbereichs noch hinzukommt, sollten die Rolle und damit auch der Personalbedarf in Lizenzabteilungen derzeit größer werden.

Arbeiten in Ihrem Beruf hauptsächlich freie Mitarbeiter oder ist eine Festanstellung wahrscheinlich?
In den Lizenzabteilungen sind hauptsächlich feste Mitarbeiter tätig.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage, sofern Sie nichts dagegen haben: Wenn Sie noch einmal die Chance hätten sich völlig frei zu entscheiden, würden Sie dann einen anderen Beruf oder wieder genau Ihren jetzigen wählen?
Also, wenn ich nochmals von vorne anfangen könnte, würde ich sogar mit weniger Umwegen bei den Auslandslizenzen landen wollen.

Feb  28

[Arbeiten im Verlag] Presse

28. Februar 2012 | 16:04 | Nachgefragt

Im dritten Teil der Interviewreihe zum Thema Arbeiten im Verlag schildert Patricia Keßler heute ihren Alltag und ihre Tätigkeiten in der Presseabteilung.

Erzählen Sie uns doch bitte etwas über Ihren Beruf. Was gehört alles zu Ihren Aufgaben und wie sieht für Sie ein typischer Arbeitstag aus?
Zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gehören neben dem ständigen Kontakt zu Journalisten, Autoren und interessierten Lesern alle Aufgaben, die zur Präsentation unserer Bücher in den Medien beitragen: Wie der Versand von Programmvorschauen, Rezensionsexemplaren und Pressematerial. Wir stellen zudem den Kontakt zwischen Journalisten und Autoren her, akquirieren Interviews, sorgen für Veranstaltungsankündigungen und Berichte, wenn Autoren auf Lesereise gehen, organisieren Pressereisen zu ausgewählten Titeln und begleiten ab und zu Autoren zu Presseterminen.

Welche Vor- bzw. Nachteile hat Ihr Job? Was gefällt Ihnen besonders gut, was mögen Sie nicht so sehr?
Vor- oder Nachteile sehe ich in meinem Job eigentlich nicht. Natürlich gibt es – wie in jedem anderen Beruf – auch in der Pressearbeit Dinge, die man gerne bzw. weniger gerne tut. Sehr gerne arbeite ich eine Pressestrategie für ein Buch aus, d.h. man überlegt sich, welche Pressemaßnahmen sich für einen Krimi, einen Frauenroman oder ein Fantasyabenteuer eignen. Ich tausche mich hier auch gerne mit anderen Pressekollegen aus – und gegen Input aus anderen Abteilungen habe ich auch nichts. Besonders gefällt mir auch der tägliche Kontakt nach außen zu Journalisten und Lesern, und dass jeder Tag anders verläuft und nicht wirklich planbar ist.
Das Zusammenstellen von Pressemappen ist hingegen nicht so spannend und raubt einem oft sehr viel Arbeitszeit, aber das gehört zur Pressearbeit eben auch dazu.

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen? Was haben Sie studiert und was mussten Sie sonst noch in Vorbereitung darauf absolvieren, z.B. Praktika, Volontariate, etc?
Zur Pressearbeit bin ich eher zufällig gekommen. Ich habe Spanische, Französische und Englische Literaturwissenschaft studiert, habe einige Semester auch in Frankreich und Spanien verbracht, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Damals wollte ich eigentlich immer etwas mit Sprachen machen. Dann habe ich ein Praktikum beim Reclam Verlag gemacht, der damals noch in Leipzig ansässig war, und kam dort zum ersten Mal mit der Arbeit in einem Verlag in Berührung. Den Weg vom Manuskript zum gedruckten Buch fand ich unglaublich spannend. Aber noch spannender fand ich, was mit dem fertigen Produkt passiert, also den Weg vom Verlag zum Buchhandel und letztendlich zu den Lesern. Dann wurde mir ein Volontariat in der Presseabteilung in der Verlagsgruppe Droemer Knaur angeboten. Das habe ich im Jahr 2001 absolviert – seitdem bin ich hier und betreue die Belletristik bei Knaur und die Jugendbücher bei PAN.

Welche Anforderungen werden heute an jemanden gestellt, der diesen Beruf gern ergreifen möchte? Ist ein Studium erforderlich? Wenn ja, welche Fachrichtung? Muss man vorher (viele) Praktika und Volontariate absolvieren? Werden besondere Fremdsprachenkenntnisse oder ähnliches gefordert?
Für den Einstieg in die Pressearbeit im Verlag, sprich Volontariat, gibt es keine bestimmten Voraussetzungen. Ich würde sogar sagen, dass auch ein Studium nicht zwingend notwendig ist. Aber das ist von Verlag zu Verlag unterschiedlich. Einige setzen ein Studium voraus, andere nicht. Für mich ist es wichtig, dass man eine Leidenschaft für Bücher mitbringt, offen und kommunikativ ist. Sprachkenntnisse sind von Vorteil, Englisch sollte man in jedem Fall sprechen können. Das ein oder andere Praktikum absolviert zu haben, ist gut, um für sich selbst eine Art Orientierung zu finden. Jemand, der eher introvertiert ist und die Arbeit im stillen Kämmerlein bevorzugt, ist sicher nicht gut in einer Presseabteilung aufgehoben.

Ist unter Umständen auch ein Quereinstieg möglich? Oder ist ein bestimmtes Studienfach oder ähnliches unabdingbar?
Ein Quereinstieg ist auch möglich. Bei uns in der Presseabteilung arbeiten zum Bespiel auch Kolleginnen, die vorher als Journalistinnen tätig waren. Da man jeden Tag auch mit Texten zu tun hat, sollte man jedoch eine gewisse Affinität zum Schreiben mitbringen.

Können Sie etwas über die heutige Situation auf dem Arbeitsmarkt in Ihrem Berufsfeld sagen? Hat man mit der richtigen Ausbildung (und Motivation) eine gute Chance einen Job in der Presseabteilung eines Verlages zu bekommen?
Ich würde es allgmeiner formulieren: Die Chancen, einen Job im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu bekommen, stehen gut. Denn der Bereich Kommunikation wird in Zukunft noch wichtiger werden – sowohl die Kommunikation innerhalb eines Unternehmens als auch die aus einem Unternehmen heraus, besonders in Zeiten von Social Media.
Und was die Motivation angeht: ohne Motivation geht gar nichts – in keinem Job. Da kann man noch so gut ausgebildet sein. Ich bin der Meinung, dass man für eine Sache brennen muss, um seine Arbeit wirklich gut zu machen.

Arbeiten in Ihrem Beruf hauptsächlich freie Mitarbeiter oder ist eine Festanstellung wahrscheinlich?
In einem so großen Verlag arbeitet man in der Presse in der Regel festangestellt. Freie Mitarbeit gibt es eher im Bereich Lektorat.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage, sofern Sie nichts dagegen haben: Wenn Sie noch einmal die Chance hätten sich völlig frei zu entscheiden, würden Sie dann einen anderen Beruf oder wieder genau Ihren jetzigen wählen?
Ich würde mich genau wieder so entscheiden, mir macht die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sehr viel Spaß. Natürlich finde ich auch andere Berufe toll wie z.B. das Herstellen und Restaurieren von Möbeln. Aber mein Herz schlägt für die Literatur und ich habe gerne mit vielen, ganz unterschiedlichen Menschen zu tun. Spannend finde ich, was man mit Kommunikation erreichen kann.

Feb  21

[Arbeiten im Verlag] Marketing/Assistenz der Geschäftsf.

21. Februar 2012 | 21:45 | Nachgefragt

Wie in der letzten Woche versprochen geht es heute weiter mit der Interviewreihe zum Thema Arbeiten im Verlag. Im zweiten Teil verrät Petra Werba etwas über ihre Arbeit als Assistentin der Geschäftsführung, die auch eng mit dem Marketing verbunden ist.

Erzählen Sie uns doch bitte etwas über Ihren Beruf. Was gehört alles zu Ihren Aufgaben und wie sieht für Sie eint typischer Arbeitstag aus?
Die Assistenz der Geschäftsführung ist sowohl eine interessante, als auch anspruchsvolle Tätigkeit, deren Aufgaben nicht zuletzt vom jeweiligen Unternehmen und auch dessen Größe abhängt.

Die gängigen Aufgabenbereiche/Tätigkeiten als Assistent der Geschäftsführung:

  • Generelle organisatorische Unterstützung der Geschäftsführung
  • Entscheidungskompetenz zur Entlastung des Geschäftsführers sehr wichtig
  • Unterstützung der Geschäftsführung bei operativen und strategischen Angelegenheiten
  • Wichtig: Stets informiert und kompetent aufzutreten – nicht nur vor der Geschäftsführung, sondern auch gegenüber Kollegen und gegenüber Geschäftspartnern und Kunden
  • Erarbeitung und Erstellung von Entscheidungsvorlagen
  • Übernahme eigener (Marketing)Projekte
  • Terminplanung und -überwachung und Vorarbeit/Disposition von Meetings, Terminen und Kunden- oder Geschäftspartnerevents (z.B. das große Verlagsfest)
  • Eigenverantwortliche Führung der Korrespondenz ist essentiell
  • Konzeptionelle Vorbereitung und Erstellung von Präsentationen für die Geschäftsführung und Marketing
  • Vollständiges Reisemanagement inklusive Kostenabrechnungen
  • Postbearbeitung, Reisebuchungen oder einfach Terminkoordination, Telefon etc.


Welche Vor- bzw. Nachteile hat Ihr Job? Was gefällt Ihnen besonders gut, was mögen Sie nicht so sehr?
Vorteil: Vielfältigkeit der Aufgaben, ständig neue Herausforderungen, die Ideen und Kreativität erfordern

Nachteil: Stresssituationen durch unvorhersehbare Situationen, in denen schnell und konsequent gehandelt und entschieden werden muss. Auch diese Aufgaben fordern mich und machen stolz, wenn eine Situation gerettet werden konnte, kosten allerdings auch Kraft und Nerven.

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen? Was haben Sie studiert und was mussten Sie sonst noch in Vorbereitung darauf absolvieren, z.B. Praktika, Volontariate, etc?
In meinem früheren Leben war ich Grundschullehrerin für Deutsch und Kunsterziehung und habe sehr gern mit Kindern gearbeitet. Ich war also ein Buchbranchen-Quereinsteiger, als ich mich vor 5 Jahren im Verlag beworben habe. Dank meiner großen Affinität zum Lesen und zu Büchern fühle ich mich in der Buchbranche sehr sehr wohl. Die erforderlichen Fachkenntnisse für das Marketing erwerbe ich autodidaktisch mit den unterschiedlichen Projekten.

Welche Anforderungen werden heute an jemanden gestellt, der diesen Beruf gern ergreifen möchte? Ist ein Studium erforderlich? Wenn ja, welche Fachrichtung? Muss man vorher (viele) Praktika und Volontariate absolvieren? Werden besondere Fremdsprachenkenntnisse oder ähnliches gefordert?
Ja, eigentlich ist ein Studium erforderlich. Um Assistentin der Geschäftsführung zu sein muss man aber eigentlich nur flexibel, aufgeschlossen, mitdenkend und kreativ sein.

Arbeiten in Ihrem Beruf hauptsächlich freie Mitarbeiter oder ist eine Festanstellung wahrscheinlich?
Hauptsächlich Festanstellungen, freie Mitarbeiter im Marketingbereich kenne ich nicht. Als Marketingagentur bekommt man dann schon mal einen Fuß in die Verlagstür.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage, sofern Sie nichts dagegen haben: Wenn Sie noch einmal die Chance hätten sich völlig frei zu entscheiden, würden Sie dann einen anderen Beruf oder wieder genau Ihren jetzigen wählen?
Ja, gut möglich, dass ich mich dann direkt für die Buchbranche entscheiden würde.

Feb  15

[Arbeiten im Verlag] Lektorat

15. Februar 2012 | 22:30 | Nachgefragt

Ich liebe Bücher! Das ist kein Geheimnis und ich weiß aus zuverlässiger Quelle, dass es vielen von euch ebenso geht. Und was könnte da schöner sein, als diese Leidenschaft auch zum Beruf zu machen? Ich spiele schon etwas länger mit dem Gedanken nach meinem Studium auch beruflich in einem Verlag tätig zu werden und weil ich weiß, dass einige andere ebenfalls diesen Wunsch hegen, habe ich im letzten Sommer die Arbeit an einer besonderen Interviewreihe begonnen. Die einzelnen Abteilungen in einem Verlag dürften die meisten kennen, aber ich wollte erfahren, was denn nun wirklich die einzelnen Aufgaben in den verschiedenen Bereichen sind und was man mitbringen muss, um einen solchen Job zu bekommen. Es hat ein paar Monate gedauert die Antworten zusammen zu bekommen, aber nun kann ich sie euch endlich präsentieren.

Insgesamt wird es vier Interviews mit Verlagsmitarbeitern bzw. – mitarbeiterinnen geben, die sich freundlicherweise bereit erklärt haben meine Fragen zu beantworten. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle! Den Anfang macht heute Timothy Sonderhüsken, der einen Einblick in die Arbeit als Lektor gewährt.

Erzählen Sie uns doch bitte etwas über Ihren Beruf. Was gehört alles zu Ihren Aufgaben und wie sieht für Sie eint typischer Arbeitstag aus?
Einen typischen Arbeitstag gibt es im Lektorat nicht, wohl aber wiederkehrende Routinen, die für jedes der Halbjahresprogramme anfallen. Zu den Aufgaben eines Lektors gehören (ohne dies nun zu gewichten) die Beobachtung des Buchmarkts im In- und Ausland, das Lesen und Beurteilen der eingehenden Bücher und Manuskripte, die Vertragsverhandlungen mit Autoren, Agenten, Verlagen, die Betreuung von deutschen und ausländischen Autoren, die Planung der Verlagsprogramme, die Organisation der Buchproduktion (also Vergabe und Kontrolle von Übersetzung und Redaktion, die Vorbereitung des Manuskripts für die Herstellabteilung), das Schreiben von Informationstexten für den internen und externen Gebrauch, die Verteilung von Informationsmaterial, Unterstützung von und Mitarbeit an Marketing- und Vertriebskonzepten, das Coverbriefing für die Grafiker und, und, und. Tatsächlich ist dieser letzte Punkt – das „und, und, und“ – das, was mich immer wieder erstaunt: Es kommt immer wieder etwas Neues hinzu (ohne das allerdings auch etwas anderes wegfällt). Was jedem angehenden Lektor klar sein muss: Wer diesen Beruf ergreift, hat keinen „Nine to Five“-Job, schon allein deswegen nicht, weil das Prüfen von Manuskripten in der Regel nicht während der Büroarbeitszeiten erfolgt, sondern am „Feierabend“ oder am Wochenende.

Welche Vor- bzw. Nachteile hat Ihr Job? Was gefällt Ihnen besonders gut, was mögen Sie nicht so sehr?
Es macht mir großes Vergnügen, Verlagsprogramme mitzugestalten und Autoren dabei zu unterstützen, tolle Bücher zu schreiben. Als Lektor habe ich die Möglichkeit, jeden Tag auf die eine oder andere Art und Weise kreativ zu arbeiten – das macht mir großen Spaß. Kein Vergnügen ist es natürlich, dass Bücher letztendlich auch nicht anderes sind als Produkte, die sich verkaufen müssen, und wenn ein Herzbuchprojekt im Buchhandel oder beim Leser keinen Anklang findet, ist das durchaus schmerzhaft.

Welche Anforderungen werden heute an jemanden gestellt, der diesen Beruf gern ergreifen möchte? Ist ein Studium erforderlich? Wenn ja, welche Fachrichtung? Muss man vorher (viele) Praktika und Volontariate absolvieren? Werden besondere Fremdsprachenkenntnisse oder ähnliches gefordert?
Die wichtigsten Voraussetzungen, um als Lektor zu arbeiten, sind Sprachgefühl, hohe Belastbarkeit, Teamfähigkeit und eine Liebe zum Medium Buch. Es gibt keinen festgelegten Ausbildungsweg, um Lektor zu werden. Die meisten meiner Kollegen haben ein geisteswissenschaftliches Studium abgeschlossen – in der Regel ist es Germanistik, Anglistik (oder eine andere Fremdsprache) oder Literaturwissenschaften. In letzter Zeit bieten Universitäten aber auch das Fach „Buchwissenschaften“ an und auch aus dem kommen immer wieder Volontäre zu uns – und danach ein Volontariat in einem Verlag gemacht, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Von Vorteil bei der Bewerbung ist es natürlich, wenn man neben Englisch noch ein oder zwei andere Sprachen spricht und während seines Studiums bereits versucht hat, über Praktika oder Aushilfstätigkeiten Kontakte in den Verlag zu knüpfen.
Der nächste Schritt nach dem Volontariat, das je nach Verlag zwischen ein und zwei Jahren dauert, ist dann eine Anstellung als Lektoratsassistent oder „Junior Editor“ – und dann entwickelt man sich weiter und wird irgendwann Lektor. Aber, wie gesagt: Es gibt keinen festgelegte Weg. Ich habe beispielsweise eine Ausbildung zum Verlagskaufmann absolviert und die Möglichkeit gehabt, diese immer mehr ins Lektorat zu verlagern; nach Abschluss der Lehre habe ich dann eine Anstellung als Lektoratsassistent gefunden und bin dann Lektor geworden, ohne den „Umweg“ über die Universität gegangen zu sein.

Können Sie etwas über die heutige Situation auf dem Arbeitsmarkt in Ihrem Berufsfeld sagen? Hat man mit der richtigen Ausbildung (und Motivation) eine gute Chance einen Job im Lektorat eines Verlages zu bekommen?
Soweit ich weiß, gibt es deutlich mehr Bewerber als freie Stellen im Lektorat – aber das ist vermutlich in allen attraktiven Berufen so.

Arbeiten in Ihrem Beruf hauptsächlich freie Mitarbeiter oder ist eine Festanstellung wahrscheinlich?
Dazu liegen mir keine konkreten Zahlen vor, aber über den Daumen gepeilt kommen nach meiner Erfahrung auf jeden fest angestellten Lektor in einem Verlag fünf bis acht freie Redakteure oder Lektoren, die als freie Mitarbeiter für den Verlag tätig sind.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage, sofern Sie nichts dagegen haben: Wenn Sie noch einmal die Chance hätten sich völlig frei zu entscheiden, würden Sie dann einen anderen Beruf oder wieder genau Ihren jetzigen wählen?
Die Frage ist knifflig: Ich mag meinen Beruf sehr – sonst würde ich nicht schon seit 19 Jahren in der Verlagsbranche arbeiten -, und wenn ich die Chance hätte, noch einmal ganz von vorne anzufangen, wäre es sicher verlockend, diesen Weg noch einmal zu gehen. Andererseits gibt es viele andere spannende Berufe, die man ausprobieren kann und die nach Dienstschluss die Möglichkeit lassen, Lesen als wunderbares Hobby zu haben.

Jan  27

[Interview] Gerd Ruebenstrunk

27. Januar 2012 | 22:39 | Nachgefragt

Nach der 3-teiligen Reihe um Arthur und Larissa ist in diesem Monat das neueste Jugendbuch des talentierten deutschen Autors Gerd Ruebenstrunk erschienen. Zu diesem Anlass durfte ich den Autor interviewen und er verrät etwas mehr über Rebellen der Ewigkeit, weitere Projekte und natürlich auch in welche Rolle er einen Tag lang gerne einmal schlüpfen würde.

An dieser Stelle nochmals ein großes Dankeschön an Herr Ruebenstrunk, der sich für das Beantworten der Fragen Zeit genommen hat!

Viel Vergnügen. ;)

Die Reihe um Arthur und Larissa war ursprünglich auf 13 Bände ausgelegt, es sind aber (leider) nur drei geworden. Ist die Serie damit nun für immer abgeschlossen?
Wie heißt es so schön bei James Bond? „Never say never“. ;-) Eine Pause von den Vergessenen Büchern tat mir ganz gut, weil ich eine Reihe neuer Ideen hatte, die ich schon seit einiger Zeit realisieren wollte – und das tue ich jetzt erst einmal. Mit dem Verlag habe ich zwar über eine mögliche Fortsetzung diskutiert und wie die aussehen könnte, zum Beispiel etwas aus der Geschichte der Bewahrer, mit Gerrit aus dem ersten Band im Mittelpunkt der Geschichte. Oder eine Story weiter in der Zukunft, wenn Arthur und Larissa erwachsen sind. Aber vor Ende 2012 wird das bestimmt nichts.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee zu den Vergessenen Büchern gekommen?
Meistens kommen die Ideen einfach so. Das kann ein einfacher Gedankenfetzen sein, eine Schlagzeile in einer Zeitung oder eine Alltagsbeobachtung – aus allem lassen sich Geschichten entwickeln. Bei der Trilogie der Vergessenen Bücher war der Startpunkt eine Erinnerung, die ich aufgeschrieben habe und bei der es um meine erste Fahrt als kleiner Junge im Paternoster ging. (Das findet sich ja auch im ersten Band wieder.) Dazu kam eine weitere Erinnerung, nämlich an einen Buchhändler in Herford namens Arthur Jackmann, der einen kleinen Laden mit angeschlossenem Antiquariat hatte und der für mich als Jugendlicher eine wichtige Rolle spielte. Irgendwie ist daraus dann die Idee zu den Vergessenen Büchern entstanden.

Im Januar ist Ihr neuestes Jugendbuch, „Rebellen der Ewigkeit“, erschienen. Darin wird „Zeit“ als Währung benutzt, genau wie auch in dem kürzlich erschienenen Film „In Time“. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Die Idee einer „Zeitbank“ hatte ich schon länger im Kopf, verbunden mit der Frage, was passiert, wenn man sie beraubt. (Als Ausgangsgedanke also gar nicht so weit von In Time entfernt.) „Zeit“ ist ja ein bekanntes Thema im Kinder- und Jugendbuch, und ich habe überlegt, wie man dem einen neuen Dreh geben könnte. So bin ich dann auf eine mögliche physikalische Erklärung gekommen.

Ich wollte aber nicht nur über den Zeithandel schreiben, sondern auch zwei weitere Themen damit verbinden, die mich bewegen. Da ist zum einen die ethische Frage, ob es gerechtfertigt ist, ein Leben zu opfern, wenn man damit viele Leben retten kann. Und zum anderen gibt es eine Figur, welche keinerlei Empathie für andere Menschen empfindet, also das ist, was man heutzutage als psychopathisch bezeichnet. Glaubt man der Fachliteratur, dann gibt es von diesen Menschen mehr als wir denken. Es gab also sozusagen drei Ideen oder Gedankengänge, aus denen der Roman dann entstanden ist.

Steht das Buch für sich allein oder ist es als Serie konzipiert?
Das ist ein Einzelwerk. Ich wollte nicht gleich wieder eine Trilogie lostreten, denn dann hätte ich den Titel, den ich gerade abschließe, nicht schreiben können.

Falls nicht, haben Sie dann schon konkrete Ideen für weitere Jugendbücher? Wenn ja, was für welche?
Bei meinem nächsten Buch, das im Sommer / Herbst 2012 erscheinen wird, handelt es sich um einen Fantasyroman, allerdings keine High Fantasy (so mit Trollen, Elfen und dergleichen), sondern mehr in der modernen Zeit angesiedelt, wenn auch nicht direkt im Heute. Viel mehr möchte ich jetzt dazu aber noch nicht verraten.

Mit das „Wörterbuch des Viktor Vau“ haben Sie sich auch noch einem anderen Genre gewidmet. Wird es noch mehr Bücher für Erwachsene aus Ihrer Feder geben? Wenn ja, wann und können Sie uns schon ein wenig über die Handlung verraten?
Ja, ich denke schon, dass ich weiterhin Bücher für Erwachsene schreiben werde. Es gibt da ein paar Ideen in unterschiedlichen Stadien der Ausarbeitung, aber daran muss ich noch ein wenig feilen. Prinzipiell wird es ähnlich wie beim Viktor Vau sein, also weniger Fantasy, sondern eher Phantastik.

War es schon immer Ihr Traum Schriftsteller zu werden? Oder hat sich das eher zufällig so ergeben? Möchten Sie sich irgendwann nur noch dem Schreiben widmen?
Oh ja, Schriftsteller wollte ich schon mit sechzehn Jahren werden, aber dann kam irgendwie das Leben dazwischen. Mit 52 habe ich dann denn Faden wieder aufgenommen – und klar, ich würde mir wünschen, möglichst bald nur noch vom Schreiben zu leben.

Was gefällt Ihnen besonders an diesem Beruf? Was gefällt Ihnen nicht so sehr?
Irgendwer hat das mal sehr schön ausgedrückt, was an diesem Beruf so toll ist: Du setzt dich morgens an die Arbeit, und abends ist dann etwas entstanden, was es in dieser Welt zuvor noch nicht gegeben hat. Ich glaube, dieser „Schöpfungsaspekt“ ist immer wieder eine Belohnung, gerade dann, wenn es mal ein paar Tage nicht so gut gelaufen ist und man sich vor dem Monitor herumgeplagt hat. Was mir nicht so gut gefällt: Schreiben ist eine einsame Tätigkeit, und man muss ganz gut mit sich selbst zurechtkommen können, um das durchzuhalten.

Entspringen Ihre Charaktere vollständig Ihrer Phantasie oder denken Sie dabei an reale Personen, wie z. B. Freunde oder Schauspieler?
Beides. Für manche Figuren gibt es Vorbilder im wirklichen Leben, so wie der oben genannte Buchhändler Arthur Jackmann, der bei mir zum Bücherwurm Lackmann geworden ist. Wenn ich mir eine Figur ausdenke, dann durchstöbere ich oft das Web nach Fotos, die mir bei der detaillierten Beschreibung helfen könnten.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie mal nicht mit dem Schreiben beschäftigt sind?
Lesen. ;-)

Haben Sie ein Lieblingsbuch und/oder –autor?
Das wechselt. In diesem Jahr ist es von Jan Koneffke „Die sieben Leben des Felix Kannmacher“. Davor kamen beispielsweise Haruki Murakamis „Kafka am Strand“ und „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss. Und mein absoluter Lieblingsautor ist (derzeit) Georges Simenon.

Wenn Sie einen Tag in die Rolle irgendeiner Figur aus einem Buch oder Film schlüpfen könnten, welcher wäre es?
Ich würde gern ein Tag Jules Maigret sein, weil ich Paris und die französische Provinz einmal durch seine Augen sehen möchte. Ich möchte in der Brasserie Dauphine sitzen und Bier trinken und Sandwiches essen, ich möchte mit Madame Maigret am Arm abends über die Straßen schlendern, ich möchte die Menschen treffen, die er trifft, ob Verdächtige oder Unschuldige, und ich möchte, wie er, die Zeit haben, einen Fall zu lösen. Oft aus dem Bauch heraus.

Die Maigret-Romane beschreiben (wie auch die Romane von Leo Malet) eine Zeit und eine Stadt, in der das Leben trotz aller Widrigkeiten immer (oder zumindest meistens) lebenswert ist. Simenon schafft es, mit wenigen Worten die Atmosphäre eines Sommer- oder Herbsttages, eines Gebäudes oder Lokals hervorzurufen, als wäre man mitten drin. Deshalb wäre ich auch gern mal mitten drin. :-)

Mit welcher Person (tot oder lebendig) würden Sie gerne mal einen ganzen Tag verbringen, wenn Sie könnten und warum?
Ich würde gern mit Janwillem van de Wetering einen Tag über Zen-Buddhismus, Moral, Recht und Gerechtigkeit, das Schreiben und das Leben diskutieren.

Ein paar meiner Leser schreiben selbst auch. Haben Sie ein paar Tipps für sie?
Nicht aufgeben!

Dez  29

[Interview] Amber Kizer

29. Dezember 2011 | 18:54 | Nachgefragt, Verlost

In diesem Monat ist der zweite Teil zu Meridian von Amber Kizer erschienen und aus diesem Anlass durfte ich die Autorin interviewen.

An dieser Stelle nochmals ein großes Dankeschön an Frau Kizer, die sich für das Beantworten der Fragen Zeit genommen und sie auch wirklich sehr ausführlich beantwortet hat!

Wann oder wie ist Ihnen die Idee zu der Meridian-Serie und den Fenestras in den Sinn gekommen? Können Sie uns schon etwas über die Fortsetzungen verraten?
Die Idee zu Meridian und den Fenestras kam durch die Sterbewachen bei den Toden meiner beiden Großeltern. Ich fragte mich und wollte eine Antwort auf die Frage: Was wäre, wenn das Licht, das die Sterbenden sehen, ein Mädchen ist? Eine Jugendliche, die menschlich aussieht bis die Seele für den Übergang bereit ist? Das war das Saatkorn für die Idee und daraus entfalteten sich die Welt, der Mythos und die Charaktere.

Meine Gesundheit ist anfällig. Ich muss mich täglich mit unsichtbaren Symptomen auseinandersetzen, die ich akzeptieren muss um voran zu kommen und mein Leben zu leben. Auf einer bestimmten Ebene kann ich mich daher damit identifizieren ein Schicksal zu haben, das man so nicht erwartet hat, denke ich. Findet Freude und Liebe, trotz der nicht so glücklichen Bestandteile des Lebens!

Im zweiten Teil der Serie sind die Hauptfiguren Meridian, Tens und Custos wieder zurück, aber sie bekommen Gesellschaft von einer neuen Fenestra namens Julie, deren Leben sehr dunkel und schwierig gewesen ist. Es gibt eine Gruppe von verschiedenen Arten von Leuten jedes Alters, die tatsächlich anfangen beim Kampf gegen die Nocti zu helfen und Gutes auf der Welt zu verbreiten.

Wie viele Fortsetzungen haben Sie für die Serie geplant?
Ich würde die Serie gern unbegrenzt weiter schreiben. Ich habe so viele Fenestra/Nocti Charaktere, die es bisher noch in keines der Bücher geschafft haben – ich würde sie gern in die Serie einbringen und Meridian und Tens begleiten bis sie verheiratet sind und eine Familie gegründet haben. Ich denke, es gibt viele Geschichten und Orte auf der Welt, die sie besuchen sollten – und diese Möglichkeiten für den Mythos sind erst der Anfang!

Haben Sie schon Ideen für andere Projekte im Kopf? Wenn ja, was für Ideen?
Ja, ich habe immer vier oder fünf Bücher in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung. Ich schreibe gerade an mehreren Jugendbücher und einigen Erwachsenenprojekten.

Ihre Bücher erscheinen in vielen verschiedenen Ländern. Wie fühlt sich das an?
Schockierend. Unglaublich. Fantastisch. Eine Geschichte zu Schreiben, die in eine Sprache übersetzt wurde, die ich nicht kenne – ein Buch zu schreiben, das Leser in Ländern anspricht, die ich bisher nie bereisen konnte – ist eine große Ehre und ein wunderbares Gefühl. Zu wissen, dass eine Geschichte eine größere Bedeutung hat und von vielen Kulturen geschätzt wird – es gibt wirklich keine Worte dafür, wie sehr ich das liebe und gleichzeitig nicht glauben kann!

Ich schätze die Emails, die ich von internationalen Lesern erhalte, die versuchen mir auf Englisch zu schreiben – das sind die besten! Es ist ein großes Kompliment, wenn jemand versucht Wertschätzung in einer Sprache auszurücken, mit der er nicht vertraut ist. Manchmal bekomme ich auch Emails von Lesern, die eine Übersetzung nicht verstanden haben. Ich erhielt eine Email von einer deutschen Lesegruppe, die nicht verstanden hat, was ich mit 1-4-3 gemeint habe. Im ersten Teil von Meridian, haben das Tantchen und Charles diesen speziellen 1-4-3 Code. Auf Englisch ergibt das absolut Sinn, denn „I“ ist ein Buchstabe, „love“ sind vier und „you“ sind drei. Doch in Deutschland hätten diese Zahlen zu „Ich liebe dich“ 3-4-5 verändert werden müssen (Wenn meine deutsche Übersetzung von „I love you“ richtig ist.), dann hätte es Sinn gemacht – kein Wunder, dass sie verwirrt waren! Ich fand das sehr schade, aber da ich die Sprache nicht fließend spreche, muss ich anderen vertrauen! Es kommt im zweiten Buch wieder vor und ich hoffe, dass die Leser es dieses Mal verstehen werden! Leser, die Interesse daran haben etwas über die Verbindung meiner Familie zu 1-4-3 zu lesen, werden auf MeridianSozu.com fündig.

Was denken Sie über die unterschiedlichen Cover und Titel Ihrer Bücher?
Ich liebe es wirklich mir die verschiedenen Cover und Titel anzuschauen – es ist echt lustig zu sehen wie verschiedene Kulturen das Cover betrachten und auch wie sie die Titel übersetzen. Auf Englisch heißt der zweite Teil Wildcat Fireflies, aber das funktioniert nicht gut in der deutschen Sprache. Ich liebe die deutsche Covergestaltung und das Format bzw. die Ausstattung der Bücher – bei uns gibt es diesen flexiblen Einband nicht, aber ich finde ihn toll! Das zweite Cover gefällt mir genauso gut – sie haben eine wundervolle Arbeit geleistet um die Atmosphäre der Bücher zu vermitteln.

Woher nehmen Sie im Allgemeinen die Inspiration zu Ihren verschiedenen Büchern und Charakteren?
Inspiration gibt es überall – in anderen Medien oder darin Leute beim Einkaufen oder bei Sportveranstaltungen zu beobachten. Ich belausche gern Gespräche, vor allem solche, die Leute mit dem Handy führen – sie sprechen laut über sehr persönliche Dinge und denken niemand, außer der Person mit der sie telefonieren, hört sie. Ich lese sehr viel, sehe mir sehr viele Magazine an, schaue Nachrichten. Ich lese viele Sachbücher, die scheinbar nichts mit den Büchern zu tun haben, an denen ich gerade arbeite, und finde dabei ein kleines Körnchen, das perfekt geeignet ist.

Sie sind ja inzwischen schon seit mehreren Jahren als Schriftsteller tätig. War das schon immer Ihr Traum?
Nein, ich wollte keine Autorin werden. Bücher wurden in meiner Familie immer verehrt und wir hatten mehr Bücher im Haus als alles andere, aber ich habe mir keine Geschichten ausgedacht als ich noch klein war. Ich hatte keinerlei künstlerische Neigungen oder Bestrebungen. Aber während meines ersten Jahres auf der Universität diagnostizierte man bei mir eine seltene Nervenkrankheit, die meine Welt völlig verändert hat. Das machte alle Pläne, die ich für meine Karriere und mein Leben hatte, zunichte. Kurz gesagt, ich muss die ganze Zeit mit erheblichen Schmerzen umgehen, jeden Tag, außerdem mit anderen seltsamen Symptomen, und meine Beine funktionieren nicht immer. Das ist unmöglich vorherzusagen, was das Leben sehr schwierig macht. Also brauchte ich eine Arbeit, der ich auch 3 Uhr morgens nachgehen könnte, wenn ich wegen meiner Beine noch immer wach war, oder die ich trotz der Einschränkungen, die meine Beine mir nach Lust und Laune aufbürden, ausüben könnte. Ich wusste, dass ich Bücher liebe und das Schreiben kann man an schlechte Tage und Arztbesuche anpassen. Also fing ich an das Handwerk und das Gewerbe zu erlernen. Ich habe Glück, dass ich genug Talent habe, sodass harte Arbeit mich dahin brachte, wo ich hin musste. Inzwischen kann ich mir nicht einmal mehr vorstellen etwas anderes zu tun. Ich bin wirklich genau da, wo ich sein sollte und tue, was ich tun sollte!

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf? Was gefällt Ihnen nicht so sehr?
Es gefällt mir sehr von Lesern zu hören. Dies ist ein sehr einsames Berufsleben – an vielen Tagen sehe ich nur wenige Menschen. Und wir sind alle so beschäftigt in dieser Welt, dass ich es wirklich schätze, wenn jemand sich trotzdem die Zeit nimmt mir eine Email – oder noch besser einen richtigen Brief – zu schreiben. Ich antworte immer, aber manchmal dauert es ein paar Monate oder sogar Jahre, weil ich sie so beantworte, wie ich sie erhalte. Ich bitte einfach jeden geduldig zu sein, weil ich – nicht mein Assistent – antworten werde.

Entspringen Ihre Charaktere vollständig Ihrer Phantasie oder denken Sie dabei an reale Personen, wie z.B. Freunde oder Schauspieler?
Manche Figuren, wie z.B. Meridian, kamen mir schon völlig ausgereift in den Sinn. Als würde eine reale Person einen Raum betreten und sich hinsetzen um sich selbst vorzustellen. Bei anderen dauert es länger um ihre ganzen Absichten und Charaktereigenschaften herauszufinden. Ich kann in Bezug auf meine Bücher nur selten an Schauspieler denken. Ich werde of gefragt, wen ich für den Film aussuchen würde und das fällt mir sehr schwer, weil sie in meinen Gedanken eine eigene Personen sind und ein bestimmtes Aussehen haben. Deshalb kann ich nicht einfach sagen „Scarlett wäre perfekt für diese Figur“ oder ähnliches. Die einzige Person, von der ich jemals wirklich gedachte habe, dass sie die perfekte Besetzung wäre, ist Jennifer Lawrence für die Figur der Julie aus dem zweiten Teil.
Ich muss aber gestehen, dass ich ein paar mir verhassten Leuten in Büchern die Rollen der Bösewichte gegeben oder sie getötet habe. Das ist einer der Vorteile daran Autorin zu sein – ein großartiger Weg um Aggressionen abzubauen! Aber keiner könnte ein Buch aufgreifen und denken „Oh, Ich weiß über wen sie spricht“. Das alles entwickelt sich zu einer Geschichte, die völlig anders als das richtige Leben ist!

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie mal nicht mit dem Schreiben beschäftigt sind?
Ich backe und koche sehr gern, am liebsten Kuchen. Ich mache auch Steppdecken. Ich bin viel draußen im Blumengarten – sogar in der Winterzeit gehe ich raus und jäte Unkraut um über eine Geschichte nachzudenken. Ich gehe oft mit meiner Hündin an den Strand, weil sie es liebt im Ocean zu schwimmen. Ich liebe Livemusik und probiere gern neue Restaurants aus. Ich schaue fern – es gibt hier viele Reality TV Shows und die meisten Leute schämen sich zuzugeben, dass sie sie mögen, aber ich bekenne mich! Ich schaue gern zu wie die Menschen miteinander umgehen und sich unterhalten – vor allem wenn Geld im Spiel ist.

Haben Sie ein Lieblingsbuch und/oder –autor?
Ich lese 20 bis 25 Bücher gleichzeitig – wie beim Durchschalten der Sender im Fernsehen. Meine Lieblingsbücher sind aus allen Bereichen und von verschiedenen Autoren. Ich bin ein großer Fan von Gabriel Garcia Marquez, Margaret Atwood, Nora Roberts und Jude Deveraux. Ich habe (klassische) deutsche Autoren, Hesse und Grass, auf meinem noch zu lesen Stapel. Bei den Jugendbüchern habe ich gerade Shine von Lauren Myracle beendet (Ich hoffe, es wurde auch ins deutsche übersetzt). Es ist ein fantastisches Buch. Bei den Sachbüchern sind Peace Meals und The Sound of a Wild Snail Eating meine aktuellen Favoriten.

Ich lese keine Bücher über Mathematik oder Computerprogrammierung (davon bekomme ich Kopfschmerzen!) – alles andere ist Freiwild! Ich lese ein bisschen von allem!

Wenn Sie einen Tag in die Rolle irgendeiner Figur aus einem Buch oder Film schlüpfen könnten, welcher wäre es?
Kennt ihr den Kinderklassiker Sara, die kleine Prinzessin von Frances Hodgson Burnett? In einem Abschnitt lebte das Mädchen, Sara Crewe, auf dem Dachboden und wurde von der Schulleiterin furchtbar misshandelt. Es gibt eine Szene, in der Saras Wohltäter sie findet und den kalten und strengen Dachboden mit Hilfe seines Dieners in einen Palast der Freude verwandelt. Wenn ich an diesem Tag Sara sein könnte, würde ich das wählen!

Mit welcher Person (tot oder lebendig) würden Sie gerne mal einen ganzen Tag verbringen, wenn Sie könnten und warum?
Das ist eine schwierige Frage, weil es erstaunliche Leute gibt, die schon lange tot sind und die ich liebend gern getroffen und mit denen ich gern gesprochen hätte, aber ich müsste mit „meine Großmutter“ antworten. Ich vermisse sie wirklich sehr und ich weiß sie hätte große Freude daran zu hören, wie mein Leben sich seit ihrem Tod 2007 verändert hat. Es wäre schön einen weiteren Tag zu haben.

Ein paar meiner Leser schreiben selbst auch. Haben Sie ein paar Tipps für sie?
Jeder Schriftsteller, der Englisch spricht, sollte sich mal NaNoWriMo.org anschauen. Dort gibt es wundervolle Hilfsmittel und aufmunternde Reden zum Anfertigen eines Romans. Und jeden November veranstalten sie eine Challenge, an der Menschen auf der ganzen Welt teilnehmen können. Das ist wirklich cool!
Es gibt kein Wundermittel fürs Schreiben – das muss man auf die gleiche Weise lernen wie ein Instrument zu spielen. Erfasse das Handwerk und die Werkzeuge, die ein Schriftsteller nutzt, dann musst du einfach schreiben. Es ist wirklich so einfach. Ein Schriftsteller muss schreiben – nicht über das Schreiben reden, nicht mit anderen Schriftstellern sprechen, nicht über das Schreiben nachdenken, sondern das Schreiben tatsächlich ausüben. Stephen Kings Buch On Writing ist großartig. Genauso wie Wallace Stegners gesammelte Aufsätze über das Schreiben.

Neben diesen ausführlichen Interviewantworten hat mir Amber Kizer freundlicherweise auch noch Preise für ein Gewinnspiel zur Verfügung gestellt. Zu gewinnen gibt es zwei persönlich von der Autorin signierte Ausgaben des ersten Bandes von Meridian – darum beneide ich die glücklichen Gewinner jetzt schon. ;)

Wer eines der Bücher gewinnen möchte, muss mir einfach nur eine Mail an stephie[at]nobody-knows.eu mit dem Betreff Gewinnspiel schicken und mir bzw. eigentlich eher der Autorin mitteilen, wem das Buch gewidmet werden soll. Bitte auch gleich die Adresse in der Mail mit angeben, damit die Autorin euch das Buch sofort nach Ende des Gewinnspiels zuschicken kann. Mails ohne Adresse können für dieses Gewinnspiel leider nicht berücksichtigt werden. (Die Adressen werden selbstverständlich vertraulich behandelt und im Falle des Gewinns nur an Amber Kizer weiter gegeben.)

Einsendeschluss: Freitag, 06. Januar 2012, 23:59 Uhr

Amber Kizer möchte euch außerdem wissen lassen, dass sie auf Wunsch auch gern signierte Bookplates verschickt – kostenlos und egal wohin. Dazu müsst ihr ihr nur eine Mail an Amber[at]AmberKizer.com mit eurer Adresse schicken.

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