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Dez  21

[Lesung] Jodi Picoult

21. Dezember 2017 | 23:55 | Erlebt

Am 13. November 2017 stellte die us-amerikanische Autorin Jodi Picoult bei einer recht gut besuchten Veranstaltung im Berliner Kulturkaufhaus Dussmann, bei der auch ich im Publikum saß, ihren neuesten Roman Kleine große Schritte vor. Die Lesung wurde von Margarete von Schwarzkopf moderiert, die deutschen Passagen aus dem Buch wurden von der Schauspielerin Bettina Lamprecht vorgetragen.

Die Veranstaltung begann mit einer kurzen – abgelesenen – Einführung durch eine Mitarbeiterin des Kaufhauses, bei der ich mich wieder einmal gefragt habe, wie schwer es eigentlich sein kann sich drei Sätze einzuprägen. Das ist aber das einzige, was ich an dem Abend zu bemängeln habe, ansonsten war die Lesung wirklich ganz wunderbar.

Das Interview mit der Autorin begann mit einem politisch ebenso aktuellen Thema wie das ihres neuesten Werkes, denn Jodi Picoult erzählte, wie geschockt sie gewesen sei, als sie in den Nachrichten gesehen habe, was sich zu der Zeit gerade in Polen ereignete (Marsch von 60.000 Nationalisten durch Warschau) und dass wir offenbar doch nicht aus der Vergangenheit gelernt hätten.

Grundsätzlich schreibe die Autorin über das, worüber sie schreiben „müsse“. Der Prozess beginne dabei immer mit einer „was wäre, wenn“-Frage und je länger sie über eine solche Frage nachdenken müsse, desto besser sei die Idee, insbesondere wenn sie ihr mehrere schlaflose Nächte beschere. Als ihre Kinder – insgesamt habe sie nun drei – noch jung gewesen seien, habe sie vor allem über all die furchterregenden Dinge geschrieben, die den eigenen Kindern zustoßen könnten. Je älter ihre Kinder geworden seien, desto mehr habe sie angefangen die Themengebiete auszuweiten. Heute stünden eher moralische Fragen im Mittelpunkt.

Über Rassismus habe Jodi Picoult schon lange schreiben wollen. Eine Idee habe sie auch schon vor sehr langer Zeit gehabt, allerdings keine authentischen Charaktere dazu. Außerdem habe sie sich lange gefragt, ob sie überhaupt das Recht dazu habe über dieses Thema zu schreiben, schließlich habe sie nicht vom Leid anderer profitieren wollen.


Im Jahr 2012 habe es in den USA wirklich eine schwarze Krankenschwester gegeben, der es untersagt worden war ein weißes Baby anzufassen. Diese habe sich dann mit anderen Kolleginnen zusammengetan und das Krankenhaus verklagt. Die Idee zu Kleine große Schritte sei dann aus der Frage heraus entstanden, was geschehen wäre, wenn diese Krankenschwester allein mit dem weißen Baby gewesen und irgendetwas schief gegangen wäre.

Die Autorin betonte darüber hinaus, dass sie den Roman eben gerade nicht für Schwarze geschrieben habe, diese würden ihren mitunter schwierigen Alltag nämlich selbst gut genug kennen. Zudem sei es ihr sehr wichtig gewesen die Handlung aus verschiedenen Perspektiven zu schildern, der der Krankenschwester (Ruth), der ihrer Verteidigerin (Kennedy) und der des rassistischen Vaters des Neugeborenen (Turk).

Die Recherche für den Roman habe über zwei Jahre gedauert und damit mehr Zeit in Anspruch genommen als bei jedem anderen Buch zuvor. Sie habe sich mit Krankenschwestern und schwarzen Frauen getroffen, deren Erfahrungen in die Geschichte von Ruth eingeflossen seien. Besonders viel Recherche sei allerdings auch für Turk notwendig gewesen. Sie habe mit zwei ehemaligen Neonazis gesprochen, die vor einigen Jahren aus der Szene ausgestiegen seien. Beide hätten schlimme Verbrechen begangen, aber immerhin ihre Lektion gelernt und irgendwann gemerkt, dass ihre Vorurteile unberechtigt waren. „Skinheads“ ließen sich heute auch nicht mehr auf den ersten Blick erkennen, würden jedoch nach wie vor Ängste schüren und sich dafür vermehrt der sozialen Medien bedienen. Es sei schwierig für sie gewesen den Erzählungen der beiden Männer zuzuhören und es habe sie schockiert zu hören, dass es so etwas heute noch immer gebe. Die Männer seien inzwischen aber sehr reumütig und würden für den Rest ihres Lebens versuchen die begangene Gewalt wiedergutzumachen. Sie würden ihr Leben nun dem Kampf gegen Hass widmen und wenn sie es könnten, müsste es dann nicht jedem gelingen können?

Dann folgte die erste kurze Unterbrechung des Interviews und eine erste Szene aus dem Roman wurde von Bettina Lamprecht vorgetragen, die das wirklich ganz hervorragend machte. Es war die Szene im Krankenhaus, in der Ruth miterlebt wie Turk verlangt, dass weder sie noch „eine andere wie sie“ sich um sein Kind kümmere.

Turk sei der Charakter gewesen, der am schwierigsten zu schreiben gewesen sei. Bei Ruth sei es „nur“ wichtig gewesen den richtigen Ton zu treffen, sie authentisch zu machen; als Mensch ähnele sie der Autorin sehr. Turk zu schreiben hätte sich hingegen oftmals sehr schmutzig angefühlt und sie habe danach immer das Bedürfnis gehabt zu duschen. Das sei ihr zum ersten Mal so gegangen. Trotzdem habe man aufgrund seines Verlustes irgendwann Mitleid mit ihm. Es mache einen vielleicht sogar wütend sich mit so jemandem zu identifizieren, doch es passiere und das sei wichtig.

Keine Figur und kein Mensch sei ein Heiliger, alle hätten Fehler; Schwächen und Stärken. Es ginge also vielmehr um die verschiedenen Grautöne dazwischen, denn nicht alles sei schlicht schwarz oder weiß – im übertragenen Sinn.

Es schloss sich ein kleiner Dialog an, der für viele Lacher sorgte, weshalb ich euch nun ebenfalls daran teilhaben lassen möchte:

Jodi Picoult: “[…] Everyone has shades of grey.“
Margarete von Schwarzkopf: “At least fifty.”
JP: “I didn’t write that book, otherwise it would have been better!”

Zurück zum Thema: Als Weißer habe man so viele Privilegien, derer man sich gar nicht bewusst sei und über die man nie nachdenke. Darauf habe sie aufmerksam machen wollen. Sie wolle nicht erreichen, dass man sich schuldig fühle, aber man solle solche Umstände bemerken und vielleicht sogar etwas daran ändern. Die Botschaft des Romans entspreche daher dem Zitat von James Baldwin auf Seite 15 der deutschen Ausgabe: „Nicht alles, dem man sich stellt, kann auch verändert werden. Aber nichts kann verändert werden, wenn man sich ihm nicht stellt.“

Im Prinzip könne das Buch genauso gut von anderen Minderheiten handeln, denen ginge es nämlich meist ähnlich. Sie alle hätten gewisse Probleme im Alltag oder ähnliche Erfahrungen gemacht wie die Protagonistin Ruth, die Autorin habe sich nur eben auf die Afro-Amerikaner konzentriert. Doch auch für Juden und Muslime sei es gerade eine harte Zeit in den USA.


Viele Menschen seien auf sie zugekommen und hätten ihr ihre Erfahrungen geschildert. Dabei habe sich herauskristallisiert, dass Rassismus nicht nur aus Vorurteilen bestehe, sondern aus der Verknüpfung von Vorurteilen und Macht. Ein großes Problem sei in den USA zurzeit der Anstieg von Hassgruppen und die Normalisierung von Hassreden. Sie würden „macht Amerika wieder groß“ sagen, aber eigentlich „macht Amerika wieder weiß“ damit meinen. Alles solle wieder leicht und unproblematisch für sie sein. Jodi Picoult hoffe jedoch, dass es sich dabei um „den letzten Atemzug einer sterbenden Rasse“ handele. In 20 Jahren werde die USA nicht mehr überwiegend von weißen Menschen bevölkert werden und davor würden sich viele fürchten. Im Ergebnis gebe es aber viel mehr Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Kulturen als Unterschiede, man müsse sich nur damit vertraut machen.

Als zweites wurde dann eine Szene aus der Sicht von Turk vorgelesen, der zu jenen angsterfüllten Menschen gehöre. Insgesamt wurden diese Szenen alle sehr gut ausgewählt, waren interessant und hatten eine sehr angenehme Länge.

Alles, was Turk als junger Mann erlebt habe, sei einem der beiden jungen Männer, die Jodi Picoult für das Buch interviewt habe, in Wirklichkeit passiert. So unwirklich manches vielleicht erscheine, das alles sei real und existiere tatsächlich. Sie habe sogar noch ca. 70 Seiten aus seiner Perspektive gekürzt, weil es sonst zu viele gewesen wäre, um es beim Lesen zu verarbeiten.

Kleine große Schritte sei ferner ein Buch über Eltern und Kinder und wie sie einander gegenseitig formen. Alle Charaktere darin würden eine Beziehung zu einem Kind haben, das sie beschützen wollen; das sei ihre gemeinsame Motivation.

Kennedy sei ebenfalls eine interessante Figur und entspreche am ehesten dem Bild eines „Gutmenschen“. Doch auch sie mache Fehler und habe Schwächen, auch sie mache nicht alles richtig. Durch den Gerichtsprozess lerne sie aber viel dazu.

Wie könne man etwas ändern? Die Autorin freue sich sehr, dass man diese Frage stelle und nannte daraufhin einige Beispiele als Antwort. Man solle niemals sagen, dass man „colour-blind“ sei, sondern besser „race-aware“, sonst würde es nur fälschlicherweise bedeuten, dass man etwas nicht wahrnehme. Man solle nicht sagen „all lives matter“ oder „I have black friends“, als Weißer solle man sich nicht immer hervortun. Alle Leben hätten eben erst dann eine Bedeutung, wenn das auch die Schwarzen umfasse. Man müsse den Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Gleichwertigkeit verstehen. Man solle sich selbst in unbehagliche Situationen begeben, um andere zu verstehen, und sich selbst weiterbilden. Sie fragte das Publikum, ob irgendjemand wisse, wer beispielsweise Garret Morgan sei, was niemand bejahen konnte, obwohl eine seiner Erfindungen jedem nur allzu gut bekannt sei. Herauszufinden, welche das sei und wer er war, sei also unsere Hausaufgabe des heutigen Abends.

Sie führte weiter aus, dass man auf jeden Fall über Rassismus reden und anderen zuhören solle. Es sei besser dabei Fehler zu machen als überhaupt nicht über das Thema zu sprechen. Man solle mehr Bücher von diversen Autoren lesen. Man solle versuchen zu verstehen, wie man sich als Angehöriger einer Minderheit fühle.

Zum Abschluss wurde dann noch eine letzte, sehr aufschlussreiche Szene aus der Sicht von Kennedy gelesen, die eindrucksvoll zeigt, wie unterschiedlich so eine gewöhnliche, alltägliche Aufgabe wie das Einkaufen ablaufen kann.

Die Moderatorin bedankte sich daraufhin beim Publikum fürs Zuhören und Jodi Picoult verriet noch, dass Kleine große Schritte demnächst verfilmt werde und zwar mit Viola Davis als Ruth und Julia Roberts als Kennedy. Des Weiteren sei auch der nächste Roman bereits in Arbeit.

Natürlich hatte man im Anschluss zudem die Möglichkeit sich Bücher von der Autorin signieren zu lassen, welche auch ich in Anspruch nahm. Für diesen Anlass hatte ich mir im Vorfeld extra den neuen Roman gekauft, nur um dann später festzustellen, dass ich tatsächlich schon vier andere Bücher von ihr im Regal hatte. Doch spätestens nach der Lesung hätte ich Kleine große Schritte ebenfalls haben wollen, sodass es letztlich ganz gut war, dass mir die anderen Bücher zwischenzeitlich entfallen waren.

Nov  19

[Wochenrückblick] 46. Kalenderwoche 2017

19. November 2017 | 23:58 | Rekapituliert


Man höre und staune, ich habe es in dieser Woche endlich geschafft Der letzte erste Kuss zu beenden. Keine Ahnung, warum ich so lange dafür gebraucht habe, am Buch lag es jedenfalls nicht. | Am Freitag hatte ich dann Kebabweihnacht begonnen, ein Buch, das ich seit sechs Jahren lesen wollte und das ich am Samstag sogleich beendet habe. Es war zwar kurz, hat mir aber dennoch außerordentlich gut gefallen. | Am späten Abend habe ich dann außerdem noch Die Schneekönigin gelesen, es hatte mich offenbar das Weihnachtsfieber gepackt. | Den Sonntag läutete ich dann mit Sherlock – Ein Fall von Pink ein, welches mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. | Last but not least: Heute Abend habe ich darüber hinaus noch den fantastischen Graphic Novel zu Die Stadt der träumenden Bücher gelesen. Ich bin total begeistert und freue mich schon sehr auf den zweiten Band!

Samstag habe ich zwischendurch zudem noch das kurze Hörbuch Der Tannenbaum von Hans Christian Andersen gehört, das ich mir in der letzten Woche gekauft hatte. Mehr zu allen Büchern erfahrt ihr dann in den ausführlichen Rezensionen zu den jeweiligen Titeln.


Ich liebe Hunde – und ich liebe Bücher über Hunde – daher bin ich an 1000 beste Freunde nicht vorbei gekommen. | Von meiner lieben Bücherfee Kata bekam ich außerdem den neuesten Roman von Colleen Hoover geschickt, auf den ich schon sehr gespannt bin. Bisher konnte die Autorin mich (fast) immer begeistern. | Des Weiteren erreichte mich in dieser Woche Die Schneekönigin von Hans Christian Andersen, das ich auch gleich gelesen habe.

Spontan gekauft habe ich mir ferner Wires and Nerve von Marissa Meyer, die Fortsetzung der Lunar Chronicles als Graphic Novel. Der Zeichenstil begeistert mich zwar nicht besonders, auf die Geschichte freue ich mich dafür umso mehr. | Zu guter Letzt nahm ich Die Stadt der träumenden Bücher in Empfang, das ich ebenfalls schon verschlungen habe und von dem ich, wie gesagt, wirklich restlos begeistert bin.


Jodi Picoult hat auf ihrer Lesung in Berlin verraten, dass ihr neuester Roman, Kleine große Schritte, demnächst verfilmt wird. Sogar die ersten Hauptdarsteller stehen schon fest: Viola Davis wird die Hebamme Ruth spielen, Julia Roberts wird deren Verteidigerin Kennedy verkörpern.


If There’s No Tomorrow von Jennifer L. Armentrout erscheint im Mai 2018 unter dem Titel Und wenn es kein Morgen gibt bei cbt.

One of Us is Lying von Karen M. McManus erscheint im März 2018 auf Deutsch bei cbt.

Of Fire and Stars von Audrey Coulthurst bekommt mit neuem Titel – Eine Krone aus Feuer und Sternen – und neuem Cover im August 2018 eine zweite Chance.

The Internment Chronicles von Lauren DeStefano erscheint ebenfalls bald auf Deutsch. Der erste Band wird den Titel Fallende Stadt tragen und im April 2018 erscheinen. Der zweite Teil, Flammendes Land, soll bereits im Mai folgen, der Abschluss, Zerbrochene Krone, nur einen Monat später.

Nov  06

[Wochenrückblick] 44. Kalenderwoche 2017

06. November 2017 | 21:38 | Rekapituliert


Wie bereits angekündigt ist Der letzte erste Kuss von Bianca Iosivoni meine nächste Lektüre geworden und bisher gefällt mir das Buch wieder ausgesprochen gut, ich bin sogar schon im letzten Drittel.


Kleine große Schritte von Jodi Picoult habe ich mir für die Lesung mit der Autorin im November gekauft. Dass es genau dieser Titel geworden ist, liegt vor allem an der Thematik, die mich sofort angesprochen hat. | Vor einer Weile habe ich auf einem anderen Blog entdeckt, dass es eine Manga-/Comic-Adaption zur BBC-Serie Sherlock gibt. Als großer Fan der Serie war ich natürlich sofort neugierig und konnte mich nun nicht länger zurückhalten. Ich bin schon sehr gespannt auf die Umsetzung und werde das Buch sicher nicht allezu lange ungelesen auf dem Schreibtisch liegen lassen – ins Regal habe ich es gar nicht erst gestellt.


Am kommenden Donnerstag startet die neue Verfilmung von Mord im Orient-Express nach dem gleichnamigen Roman von Agatha Christie in den deutschen Kinos.


Berühre mich. Nicht., der erste New Adult Roman von Laura Kneidl, ist auf Anhieb auf Platz 13 der Spiegel Bestsellerliste Paperback eingestiegen.

Bianca Iosivoni hat verraten, dass es zu ihrer Firsts-Reihe 2018 noch einen vierten Teil über Mason und Grace geben wird. Es handelt sich dabei jedoch bloß um eine Novelle, die deshalb auch nur digital erscheinen wird.

Colleen Houck hat enthüllt, dass im kommenden Jahr ein weiteres neues Buch von ihr erscheinen wird, welches auf The Legend of Sleepy Hollow (deutsch: Die Sage von der schläfrigen Schlucht) basieren soll. Es wird den Titel The Lantern’s Ember tragen und voraussichtlich im Herbst 2018 erscheinen.

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