[Rezension] Die Schöne und das Biest

03. August 2017 | 20:48 | Gelesen

Titel: Die Schöne und das Biest
Autorin: Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve
Originaltitel: La Belle et la Bête
Erstveröffentlichung: 1740
Übersetzerin: Sonja Häußler


Wissenswertes

Die Schöne und das Biest ist eine Übersetzung des Werks der französischen Schriftstellerin Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve, die vor allem als Verfasserin der frühesten Version dieses inzwischen allseits bekannten französischen Volksmärchens bekannt ist. Ihre Aufbereitung der Geschichte erschien erstmals im Jahr 1740 in La jeune américaine et les contes marins.

Gestaltet wurde diese Ausgabe von den beiden ausgezeichneten Designern Miraphora Mina und Eduardo Lima, besser bekannt als MinaLima, die sich 2001 am Set von Harry Potter kennen lernten und verantwortlich für die zahlreichen graphischen Requisiten in den Filmen waren. Vor Die Schöne und das Biest haben sie bereits zwei weitere Klassiker neu gestaltet: Peter Pan und Das Dschungelbuch. Im März 2018 wird dann mit The Little Mermaid And Other Fairy Tales ein vierter folgen.

Inhalt

Nachdem ein Kaufmann beinahe sein gesamtes Vermögen verloren hat, ist er gezwungen mit seinen zwölf Kindern aufs Land zu ziehen und dort ein einfaches Leben ohne Luxus zu führen. Als er sich eines Tages wieder auf den Weg in die Stadt macht, wo eines der verschollen geglaubten Handelsschiffe im Hafen aufgetaucht sein soll, wünscht sich seine jüngste Tochter, die Schöne genannt, lediglich eine Rose als Mitbringsel.

Auf dem Heimweg verirrt sich der Kaufmann im Wald und findet Unterschlupf in einem seltsamen Schloss. Obwohl es menschenleer scheint, findet er einen gedeckten Tisch vor und bleibt schließlich über Nacht. Kurz vor seiner Abreise am nächsten Morgen entdeckt er im Garten prächtige Rosen, von denen er eine für die Schöne pflückt. Daraufhin erscheint ein abscheuliches Biest, das über diese Tat so erzürnt ist, dass der Kaufmann mit dem Leben dafür bezahlen soll. Doch das Untier ist bereit sein Leben zu verschonen, wenn eine seiner Töchter an seiner Stelle freiwillig ins Schloss kommt …

Kritik

Inhaltlich handelt es sich bei dieser wundervollen Ausgabe von Die Schöne und das Biest um die wohl früheste Version des allseits bekannten Klassikers von Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve aus dem 18. Jahrhundert, die nur wenig mit dem beliebten Disney-Film gemein hat. Die deutsch-französische Realverfilmung mit Léa Seydoux kommt dieser Vorlage in gewisser Hinsicht schon deutlich näher, weicht teilweise aber ebenso stark davon ab.

Es ist ausgesprochen interessant und faszinierend diese ursprüngliche, eher altertümliche Variante der Geschichte kennenzulernen, auf die zahlreiche, zum Teil wahrlich großartige, Adaptionen folgten. Zusätzlich zu dem bekannten Grundgerüst der Schönen und des Biests erhält man zahlreiche Hintergrundinformationen über die Herkunft sowie die Familien der beiden Protagonisten und wie es schließlich zu dem furchtbaren Fluch kam, der den Prinzen in ein Untier verwandelte. Dabei spielen sehr komplexe Zusammenhänge eine Rolle, die Jahrhunderte später fast vollständig ausradiert wurden. Außerdem sind noch viel mehr Personen von Bedeutung als es in späteren Interpretationen der Fall ist und auch das Feindbild ist hier noch ein gänzlich anderes. Wie man am Ende erfährt, gibt es in der Aufbereitung der französischen Autorin nämlich sogar gleich zwei Flüche einer bösen Fee, die zum Guten gewandt werden müssen. Das gibt der gesamten Geschichte eine ganz andere Wendung und unterscheidet sich dadurch klar von der Botschaft, die heute durch das Märchen vermittelt wird. Darüber hinaus entsprechen logischerweise auch die Sprache und die gesellschaftlichen Ansichten der damaligen Zeit.

Genauso deutlich unterscheiden sich natürlich ebenso die Charaktere von ihren heutigen Pendants. Die Schöne entspricht vermutlich dem damaligen Ideal einer Traumfrau: Sie ist ehrlich, zurückhaltend, tugendhaft, bescheiden und kultiviert. Das verwunschene Schloss hat viele Annehmlichkeiten zu bieten, mit denen sich gut die Zeit vertreiben lässt, wobei sie auch auf Luxus verzichten kann. Schlagfertigkeit und Intelligenz zählen jedoch noch nicht zu ihren hervorstechenden Eigenschaften.

Das Ungeheuer ist überraschenderweise von Anfang an sehr liebenswürdig und freundlich, wenn auch etwas einfältig. Denn der Fluch, der auf dem Prinzen lastet, hat nicht nur sein Äußeres verändert, sondern beschränkt ferner seine Fähigkeit sich zu artikulieren, was es für die Schöne noch schwerer macht echte Gefühle für ihn zu entwickeln, zumal sie in ihren Träumen gleichzeitig jemandem begegnet, zu dem sie sich auf Anhieb hingezogen fühlt. Das Untier ist offensichtlich verliebt in die Schöne, bedrängt sie allerdings, über den täglichen Heiratsantrag hinaus, nicht und will nur, dass sie im Schloss glücklich ist.

Der Vater der Schönen sowie ihre sechs Brüder sind ebenfalls recht liebenswert, obschon man insbesondere über die Brüder nicht allzu viel erfährt. Lediglich ihre fünf Schwestern sorgen durch ihr schlechtes, selbstsüchtiges Benehmen und ihre anscheinend unüberwindliche Eifersucht auf die Schöne jedes Mal aufs Neue für Unmut. Dennoch verhält sich ihre jüngste Schwester stets äußerst großzügig ihnen gegenüber, was man nur schwer nachvollziehen kann.

Diese Ausgabe von Die Schöne und das Biest besticht jedoch vor allem durch die einzigartige, liebevolle und sehr aufwendige Gestaltung, die das Lesen zu einem unvergesslichen Erlebnis macht. Auf beinahe jeder Seite gibt es etwas Neues zu entdecken, sodass man sich gar nicht daran sattsehen kann. Überdies ist das Buch nicht einfach „nur“ illustriert. Neben dem hochwertigen Einband, den farblichen Hervorhebungen und den besonders gestalteten Kapitelanfängen gibt es zudem nämlich noch zahlreiche interaktive Elemente, die einen in Staunen versetzen. Die Aufmachung ist also tatsächlich jeden Cent wert und macht diese Ausgabe zu einem der schönsten Bücher im Regal.

Fazit

Die Schöne und das Biest überzeugt nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch. Die besondere, aufwendige Gestaltung macht das Buch zu einem echten Muss für jeden Buchliebhaber – egal ob jung oder alt! Nach dem Lesen wird man daher nicht länger widerstehen können die anderen von MinaLima gestalteten Klassiker ebenfalls in den Warenkorb zu packen – oder zumindest auf den Wunschzettel.





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