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Nov  15

[Lesung] Jennifer L. Armentrout

15. November 2017 | 23:15 | Erlebt

Am 18. Oktober 2017 kam die us-amerikanische Bestseller-Autorin Jennifer L. Armentrout im Rahmen ihrer Deutschland-Tour nach Berlin und als großer Fan ihrer zahlreichen Romane konnte ich es natürlich kaum erwarten die Autorin einmal persönlich kennenzulernen.

Im Vorfeld hatten die drei Verlage, die Jennifer L. Armentrout gemeinsam nach Deutschland einluden – Carlsen, Piper sowie Harper Collins – dazu aufgerufen, sich besondere Aktionen für den ersten Deutschland-Besuch der Autorin zu überlegen und mein Vorschlag war unter denen, die letztlich in die Tat umgesetzt wurden. Ich durfte daher einen Rundgang durch unsere wunderschöne Hauptstadt für die Autorin organisieren, an dem außer mir noch fünf weitere Bloggerinnen teilnahmen. Leider hat am Ende nicht alles so geklappt, wie es ursprünglich geplant war, da die angekündigte Zeit plötzlich beinahe um die Hälfte gekürzt wurde, aber ich fand es trotzdem toll die Autorin vorab schon einmal zu treffen und hoffe, den anderen Teilnehmerinnen hat es ebenfalls Spaß gemacht.

Am Abend stand dann die Veranstaltung im Zoo-Palast auf dem Programm, die ein wenig chaotisch begann, weil die Mitarbeiter des Kinos irgendwie nicht so recht Bescheid wussten. Ein paar durften schon rein, andere wurden wieder hinausgeschickt, auf einmal bildete sich dann allerdings doch eine Schlange – egal. Dank des Stadtrundgangs hatte ich einen Platz auf der Gästeliste bekommen und durfte schließlich in der ersten Reihe mit perfekter Sicht auf die Bühne Platz nehmen. Darüber hinaus bekam jeder Besucher beim Gang in den Saal noch einen kleinen Goodie-Bag mit einer Autogrammkarte, einer Kerze sowie einem Anhänger überreicht.


Gegen 18 Uhr begann dann die zwar nicht ausgebuchte, aber doch sehr gut besuchte Veranstaltung mit einer relativ langen Einführung durch die Moderatorin, die meiner Meinung nach insgesamt viel zu viel geredet hat anstatt Jennifer L. Armentrout selbst zu Wort kommen zu lassen. Anwesend war außerdem noch eine Sprecherin, die später zwei Kuss-Szenen aus verschiedenen Büchern vortrug.

Im Februar 2018 soll der dritte Band zu Oblivion, also der Lux-Reihe aus Daemons Perspektive, erscheinen. Damit sei die Serie aber noch lange nicht zu Ende, denn die Autorin arbeite gerade an einer Serie über die Origins, einschließlich Luc, die sie vermutlich schlicht Origins nennen werde und die auch unabhängig von der Geschichte um Daemon und Katy gelesen werden könne. Die Spin-Off-Reihe soll vier Jahre nach den Ereignissen in Opposition spielen und zeigen, was sich verändert habe, seit die Menschen über die Lux Bescheid wissen. Der erste Band soll den Titel Retribution tragen. Daemon würde im Buch auftauchen, ebenso wie Archer, und es enthalte einer ihrer liebsten Szenen, die sie je geschrieben habe.

Bei Deadly Ever After handele es sich – laut der Moderatorin – um einen Einzelband aus dem „sexy crime“ Genre, in dem etwa alle 6 Monate ein neues Buch erscheinen solle.

Angesprochen auf die unterschiedlichen (Liebes-)Beziehungen antwortete die Autorin, dass die Liebe zwischen Josie und Seth (Titan), anders als die von Alex und Aiden (Covenant), nicht verboten sei. Doch Seth sei eine sehr komplizierte Figur, wodurch er diese Beziehung zu einer völlig anderen mache. Aiden sei jemand, den man heiraten würde, Seth hingegen eher nicht.

Daraufhin wurde von der Sprecherin die erste der beiden angekündigten Kuss-Szenen vorgetragen. Sie stammte aus Erwachen des Lichts, dem ersten Band der Titan Reihe, deren dritter Band bereits im Dezember erscheint. Der vierte soll dann im nächsten Jahr folgen.

Im Anschluss drehte sich alles um potenzielle Verfilmungen der Romane der Autorin. Die Rechte an Obsidian seien erst kürzlich verkauft worden und das Projekt befinde sich nun im Drehbuch-Stadium. Die Arbeiten an der Verfilmung der Wicked Saga seien hingegen schon weiter fortgeschritten, hier sollen im Frühjahr 2018 bereits die Dreharbeiten beginnen.

Jennifer L. Armentrout habe früher Verhaltensforscherin werden wollen und daher an der Universität Psychologie- sowie Soziologie-Kurse besucht. Sie habe sich der Verhaltenswissenschaft widmen und Profilerin beim FBI werden wollen. Das sei ihre einzige dunkle Seite, ansonsten sei sie eher „fluffig“.

Es folgte die zweite Kuss-Szene, dieses Mal allerdings aus Deadly Ever After.


Ihre Ratschläge für Fans, die selbst ebenfalls schreiben: „Schreibt, was ihr selbst gern lesen wollt, ansonsten wird es niemand wollen. Schreibt jeden Tag, selbst wenn es nur hundert Wörter sind, selbst wenn man das Geschriebene schrecklich findet, denn „nichts“ kann man nicht überarbeiten.“ Den ersten Entwurf würde im Übrigen jeder noch ziemlich mies finden, das ginge allen Autoren so.

Daraufhin durfte endlich auch das Publikum Fragen beisteuern. Ihre Inspiration käme von überall her, dafür reiche manchmal schon ein Lied oder ein Werbespot. Jennifer L. Armentrout gestand zudem, dass sie sich generell sehr schnell langweilen würde und das Schreiben ihr Weg sei, sich davon abzuhalten sich zu langweilen.

Es gebe nicht nur einzelne Szenen, sondern gleich ganze Bücher, die sie gern noch einmal komplett umschreiben würde, weshalb sie versuche ihre Werke nicht mehr zu lesen, sobald sie veröffentlicht wurden, weil sie dann sowieso nichts mehr daran ändern könne.

Sowohl bei der Dark Elements als auch bei der Lux Reihe, finde sie die deutschen Cover viel schöner als die amerikanischen und das sage sie nicht nur, weil sie gerade in Deutschland ist.

Sie betrachte sich selbst als Ravenclaw – ja, sie wurde gefragt, in welches Hogwarts-Haus sie gehöre – wurde auf Pottermore allerdings bei den Slytherins eingeordnet.

Von den eigenen Serien sei die geplante Origins Serie über Luc und die anderen Origins vielleicht ihr heimlicher Favorit, die Frage beantworte sie aber nur äußerst ungern, weil sie offiziell natürlich alle ihr „Kinder“ liebe. Viele der Fragen, die in Opposition noch offen geblieben seien, würden in Origins übrigens beantwortet werden.

Ja, es gebe viele kitschige Szenen in ihren Romanen, doch sie verbinde Kitsch immer mit Humor und mache sich auch etwas über das Genre lustig. Das Wichtigste sei ohnehin die Balance.

Sie liebe Happy Ends und sei der Ansicht, dass das Ende einer Serie ihre Leser zufrieden stellen müsse. Sie sollen die Zeit, die sie in das Lesen der Bücher investiert haben, am Ende schließlich nicht bereuen.

Von ihren eigenen männlichen Charakteren würde sie sich, aus den Contemporary Romanen, am ehesten Cam (Wait for you) oder, aus dem paranormalen Bereich, Roth (Dark Elements) aussuchen, oder vielleicht noch Luc oder Aiden, aber auf keinen Fall Daemon, das gäbe nur Streit, weil sie sich viel zu ähnlich seien.

Eine richtige Schreibblockade habe sie noch nie gehabt. Natürlich bleibe auch sie manchmal stecken, dann springe sie erst einmal zu einer anderen Szene, auf die sie sich besonders freue. Klappe das nicht, wäre das ein relativ sicheres Anzeichen dafür, dass mit der Geschichte etwas nicht stimme.

Bei Wattpad gebe es zahlreiche, kostenlos verfügbare Bonusszenen der Autorin zu verschiedenen Büchern bzw. Reihen, unter anderem auch eine Szene, in der Katy schwanger sei. Darüber werde man dann ebenfalls mehr in der Spin-Off-Reihe erfahren.

Damit endete die Veranstaltung nach etwas über einer Stunde leider auch schon. Es bestand jedoch natürlich noch die Möglichkeit sich Bücher signieren zu lassen und Photos mit der Autorin zu machen, wofür man reihenweise aufgerufen wurde, sodass das Ganze ziemlich gesittet vonstattenging. Eine persönliche Widmung bekam man nur einmal, signiert wurden aber meist alle Bücher, sodass auch ich meinen Koffer wenigstens nicht umsonst mitgebracht hatte.

Okt  19

[Lesung] Angie Thomas

19. Oktober 2017 | 22:45 | Erlebt

Im September 2017 kam die us-amerikanische Autorin Angie Thomas nach Deutschland und stellte unter anderem im Rahmen des 17. Internationalen Literaturfestivals Berlin ihren Roman The Hate U Give vor. Natürlich ließ ich mir die Gelegenheit nicht nehmen die Autorin einmal persönlich zu treffen und eine der Veranstaltungen in der Hauptstadt zu besuchen. So begab ich mich am Abend des 13. Septembers zu der ausgebuchten Lesung in der Stadtteilbibliothek Heinrich von Kleist, zusammen mit zahlreichen anderen Gästen, unter denen sämtliche Altersgruppen vertreten waren.

Nach einer kurzen Einführung durch eine Mitarbeiterin der Bibliothek, übergab diese das Wort an den Moderator Philip Geisler, der nach ein paar einleitenden Sätzen zum Buch sowie zur Autorin ein wunderbares Interview mit Angie Thomas führte. Selten habe ich ein so interessantes, zum Teil wirklich tiefgründiges Gespräch, an dem auch das Publikum mitwirken konnte, bei einer Lesung erlebt, was zumindest teilweise vermutlich der ernsten Thematik von The Hate U Give geschuldet ist.

Angie Thomas erzähle Geschichten schon seit ihrem sechsten Lebensjahr. Wenn ihr das Ende einer Gute-Nacht-Geschichte nicht gefiel, habe sie dieses einfach geändert und sie anders erzählt, zumal sie ohnehin der Ansicht gewesen sei, dass sie das viel besser könne. Heute seien Geschichten für sie zugleich Fenster – in eine andere Welt – und Spiegel, die die eigene Persönlichkeit reflektieren.

An Stelle eines Sachbuchs habe sie mit The Hate U Give einen Roman geschrieben, weil es so viel persönlicher, aber dennoch politisch und sozial, sei und man die Geschichte so viel besser miterleben könne. Wut, Frustration und Betroffenheit hätten sie unter anderem dazu motiviert das Buch zu schreiben. Es habe ihr erlaubt diese Gefühle auszudrücken, wann immer sie mitbekommen habe, dass ein junger Mann oder eine junge Frau von der Polizei getötet worden war. Ein weiterer Antrieb sei die „black lives matter“ Bewegung gewesen. Diese richte sich nämlich nicht gegen die Polizei als solche, sondern gegen Polizeibrutalität/-gewalt. Dieses Missverständnis habe sie ausräumen wollen. Darüber hinaus sei The Hate U Give vielmehr eine persönliche Geschichte als ein „Aktivismus-Buch“.

Literatur spiele ihrer Meinung nach eine große Rolle in der Politik, gerade bei Jugendlichen, die schließlich bald selbst wählen könnten. Sie wolle jetzt deren Mitgefühl wecken und sie die Welt einmal mit anderen Augen sehen lassen – dann würde in vier Jahren vielleicht kein neuer Donald Trump gewählt werden. Literatur habe auch in der us-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung schon eine große Rolle gespielt. Sie habe dabei helfen können Afro-Amerikaner menschlicher darzustellen und den Menschen die Augen zu öffnen. Empathie sei stärker als Sympathie und ersteres würden sie in den USA zurzeit dringend brauchen. In Wirklichkeit seien wir nicht so unterschiedlich, wie wir glauben, und Literatur könne uns das klar machen.

Motivation und zugleich Unterstützung habe sie auch durch die Organisation We Need Diverse Books erfahren. Eine Statistik hätte gezeigt, dass es in einem Jahr mehr Neuheiten gab, in denen die Protagonisten Katzen, Hunde oder Fahrzeuge gewesen seien als Afro-Amerikaner, Lateinamerikaner, o.Ä. Von der Organisation habe sie ein Stipendium erhalten und ohne deren Unterstützung würde auf dem Cover ihres Romans wohl kein schwarzes Mädchen zu sehen sein.

Angie Thomas sei als Kind selbst einmal fast in eine Schießerei zwischen zwei Drogendealern geraten. Ihre Mutter habe sie daraufhin in eine Bibliothek gebracht, um ihr zu zeigen, dass es auch ein anderes Leben gebe. Sie habe bisher leider nur wenige Bücher mit schwarzen Protagonisten gelesen, sei allerdings ein riesiger Harry Potter Fan, vor allem wegen der innigen Freundschaften darin.

Die Platzierung ihres Romans auf der Bestsellerliste zeige am besten, dass es durchaus einen Markt für solche Bücher gebe, dass es den Leuten eben nicht egal sei, was sie damit den Verlagen bewiesen habe. Jugendliche würden diese Bücher wollen, sie würden ihnen erlauben ihre eigene Stimme zu finden und genau das bräuchten wir im aktuellen Klima. Soziale Gerechtigkeit sei gerade ein sehr wichtiges Thema. Die Angst vor dem, was es ihnen über sie selbst verraten könne, ist vielleicht der Grund, der manche davon abhalte Bücher über „andere“ zu lesen.

Das Buch zu schreiben sei in der Tat schwierig gewesen, doch sie habe sich erlaubt ihre Emotionen dabei zu fühlen, Wut wie auch Frustration, damit das Buch authentisch werde und die gleiche Wirkung auf andere habe.


Einige Charaktere des Buches würden auf realen Personen basieren. Maverick basiere beispielsweise auf Tupac Shakur, Starrs Mutter und Großmutter seien ein bisschen wie ihre eigene Mutter und Großmutter. Es ähnele aber niemand zu stark einer realen Person, sie habe ja nicht verklagt werden wollen. Sie könne sich durchaus vorstellen eine Vorgeschichte über Big Mav zu schreiben – die Filmleute würden das begrüßen, den Verlag müsse sie erst noch überreden.

Im Anschluss an den ersten Teil des Interviews wurde eine erste Szene aus The Hate U Give auf Deutsch vorgetragen. Diese Aufgabe übernahm die Schauspielerin Regina Gisbertz, die die Szene um Khalils Tod so bewegend vortrug, dass ich tatsächlich Tränen in den Augen hatte.

Daraufhin fokussierte sich das Gespräch noch mehr auf den Inhalt des Buches, den Angie Thomas noch einmal kurz zusammenfasste. Gang-Kultur und Armut seien darin ebenso Themen wie Polizeigewalt; doch auch Liebe und vor allem der starke Familienzusammenhalt würden eine wichtige Rolle spielen. Die Autorin selbst habe viel mit Starr gemeinsam. Sie habe zum Beispiel eine private Universität mit überwiegend weißen, privilegierten Kommilitonen in Mississippi besucht. Sie habe ebenfalls in zwei verschiedenen Welten gelebt, was sich besonders nach dem Tod von Oscar Grant gezeigt habe. Zu Hause hieß es, er sei „einer von ihnen“ gewesen, an der Uni mutmaßten viele, dass er es vielleicht verdient habe. Sein Tod habe viele Diskussionen ausgelöst und letztlich dazu geführt, dass sie mit der Arbeit an The Hate U Give begonnen habe.

In dem Buch gehe es jedoch, wie gesagt, weniger um Aktivismus und mehr darum seine eigene Stimme zu finden und überhaupt zu realisieren, dass man eine habe. Zu oft seien wir nämlich aus reiner Bequemlichkeit heraus still. Es beginne damit mit anderen über seine Gedanken zu sprechen. Ziviler Ungehorsam beginne damit Regeln zu brechen, sei aber ohne Gewalt möglich, wie es schon Martin Luther King bewiesen habe.

The Hate U Give sei deshalb ein Jugendbuch geworden, weil sie Erwachsenenbücher langweilig finde. Sie könne sich jedenfalls nicht vorstellen, welche zu schreiben. Young Adult sei hingegen ein sehr progressives Genre mit vielen Möglichkeiten. Darüber hinaus habe es sich richtig angefühlt über Jugendliche zu schreiben, da diese häufig die Opfer solcher Gewalttaten seien. Eine 16-jährige trage noch mehr Unschuld in sich. Außerdem würden Jugendbüchern ebenso von Erwachsenen gelesen werden, sodass man diese ebenfalls damit erreiche.

Ihre Familie sei für Starr ein Ort der Sicherheit und so gehe es auch der Autorin. Das schließe die Nachbarn im Übrigen ein. Sie habe also reflektieren wollen, dass die Nachbarschaft trotz etwaiger Probleme Teil der Familie sein könne. Ferner habe sie die voneinander getrennten Welten zeigen wollen und dass die sozioökonomische Trennung in den USA oft gleichbedeutend mit einer Rassentrennung sei. In den schönen Vierteln würden oft reiche Weiße leben, in den unschönen Vierteln arme Schwarze, so sei es beispielsweise in ihrer Heimatstadt Jackson.

Bildung sei eines der großen Probleme innerhalb des systemischen Rassismus. Für Schwarze sei es im Vergleich zu Weißen grundsätzlich äußerst schwierig die gleichen Bildungsmöglichkeiten zu erhalten. Auch wenn viele das nicht würden zugeben wollen, seien die Bildungschancen sehr unterschiedlich. Für einen Schwarzen sei es meist leichter in eine Gang aufgenommen zu werden als einen vernünftigen Ausbildungsplatz zu finden.

Vor ihrem großen Erfolg als Autorin habe sie Mississippi, geschweige denn die USA, kaum verlassen. Durch den Roman könne sie jetzt viel reisen. Verändert habe sich überdies ihr Alltag. Sie würde jetzt nicht mehr in den Supermarkt gehen, ohne sich vorher Gedanken um ihr Aussehen zu machen, das sei ihr jetzt, da sie unter Umständen von anderen erkannt würde, nicht mehr egal.

Auf die Frage aus dem Publikum, was Weiße an ihrem Verhalten ändern sollten, antwortete sie, dass sie mehr zuhören und Probleme nicht einfach kleinreden oder als Überreaktion abtun sollten. Prinzipiell gehe es nicht um die bloße Feststellung, dass jemand eine andere Hautfarbe habe, sondern um die Reaktion auf diesen Umstand. Das Buch solle es anderen ermöglichen für kurze Zeit in der Haut von jemand anderem zu schlüpfen, um zu erleben, wie es jemandem aus einer Minderheit im täglichen Leben ergehe. Man müsse Rassismus als existent anerkennen und dürfe nicht einfach die Augen davor verschließen.

Trump repräsentiere den schlimmsten Teil Amerikas und sie habe ihn natürlich nicht gewählt. Sie sei aber auch nicht überrascht darüber gewesen, dass er die Wahl gewonnen hat. Viele Leute hätten sich mit Obama unwohl gefühlt und vor allem eine Veränderung gewollt. Dafür sehe sie nun mehr Leute, die sich dagegen zur Wehr setzen. Mehr Leute würden die Regierung nun verstehen und daran teilhaben wollen und das gebe ihr Hoffnung. Es seien vor allem Weiße gewesen, die sein Sieg so überrascht habe. Jene habe das vorher nicht so stark betroffen wie die afro-amerikanische Bevölkerung, die sich täglich mit solchen Problemen auseinandersetzen müsse, und würden nun gezwungen werden sich ebenfalls damit zu beschäftigen.


Menschen, die sich für Schwarze stark machten, würden in offiziellen Berichten oft als Widersacher dargestellt werden, während diese Menschen für Angie Thomas vielmehr Helden seien. Sogar Martin Luther King sei zu Lebzeiten als Feind betrachtet worden, während sie damit aufgewachsen sei einen Helden in ihm zu sehen.

Mit Starrs Vater wehre sie sich auch gegen das Stereotyp, dass die Väter in schwarzen Familien meist abwesend seien, obschon so etwas natürlich vorkomme. Es gebe jedoch weit mehr schwarze Väter, die sich liebevoll um ihre Familien kümmern, als es die Medien weismachen wollen.

Auf eine Frage aus dem Publikum hin räumte sie ein die TV-Serie Insecure zu kennen, das Staffelfinale allerdings noch nicht gesehen zu haben. Sie hoffe, dass ihre Leser genauso divers seien wie die Zuschauer der Serie. Eine ältere, weiße Frau, die von einem Rassisten großgezogen worden sei, habe ihr beispielsweise geschrieben, dass The Hate U Give ihr die Augen geöffnet habe.

Sie würde sich geehrt fühlen, wenn ihr Roman in amerikanischen Schulen auf Leselisten käme, was zum Teil wohl schon geschehen sei.

Es folgte eine zweite, etwas kürzere Szene aus dem Buch, wieder wunderbar vorgetragen von Regina Gisbertz, in der Starr sich entscheiden muss, ob sie vor der Jury aussagen will.

Anschließend beantwortete die Autorin noch ein paar letzte Fragen, unter anderem auch zum Titel des Buches. Es sei benannt nach einem Tattoo von Tupac – Thug Life, die Abkürzung für „The Hate U Give Little Infants Fucks Everbody“. Dass „U“ an Stelle von „You“ sei somit durchaus Absicht, die Anfangsbuchstaben ergeben dann senkrecht gelesen nämlich das Wort „Thug“. Es habe sich richtig angefühlt, das als Titel zu verwenden. Zur Bedeutung sagte sie, der Hass, den man Kindern mitgebe, beeinflusse die gesamte Gesellschaft. Oft gebe man den Opfern ja sogar die Schuld an ihrem eigenen Tod. Außerdem habe sie das Wort „Thug“ in einen neuen Kontext setzen wollen.

Hip-Hop habe sie stark geprägt und ihr etwas gegeben, in dem sie sich wiederfinden konnte, als Bücher es ihr nicht ermöglichten. Eine Art Spiegel. Sie habe sich selbst in Tupacs Songs gesehen. Hip-Hop sei zudem sozusagen das CNN der amerikanischen (Vor-)Städte. Über viele Vorkommnisse in den Städten wüsste man sonst gar nicht Bescheid, weil in den regulären Nachrichten nicht darüber berichtet würde.

Das Musical Hamilton habe sie noch nicht gesehen. Es störe sie jedoch, dass viele Leute so täten, als wäre das zugleich Anfang und Ende des Hip-Hops, obwohl es diese Musikrichtig schon lange vorher gab. Des Weiteren zeige das Musical thematisch nichts Unbequemes, sonst würden die Reaktionen darauf sicher anders ausfallen. Aber immerhin bringe es den Hip-Hop einem neuen Publikum näher.

Damit war das aufschlussreiche Gespräch leider schon zu Ende. Es wurde viel applaudiert und allen Verantwortlichen für die Organisation gedankt. Die Mitarbeiter der Bibliothek verteilten kleine Geschenke an den Moderator, die Sprecherin sowie die Dolmetscherin, die die Fragen an sowie die Antworten der Autorin die ganze Zeit über sehr gelungen übersetzte. Angie Thomas bekam natürlich ebenfalls eine Kleinigkeit geschenkt und war sichtlich, um nicht zu sagen zu Tränen, gerührt.

Zum Abschluss signierte sie selbstverständlich noch zahlreiche Bücher und stand für Photos zur Verfügung. Ihre Fans nutzten die Gelegenheit oftmals nicht nur um sich ihre Ausgabe widmen und unterzeichnen zu lassen, sondern auch um der Autorin noch einmal persönlich für das Buch zu danken, worüber diese sich offenkundig jedes Mal sehr freute. Generell machte Angie Thomas einen unheimlich sympathischen Eindruck, weshalb ich jederzeit wieder die Chance ergreifen würde an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen. Vielleicht kommt sie ja anlässlich der Veröffentlichung eines anderen Romans – denn Schreiben wird sie garantiert weiterhin – in ein paar Jahren noch einmal nach Deutschland.

Jul  30

[Lesung] Deniz Selek

30. Juli 2016 | 13:45 | Erlebt

Am 6. Juni 2015 las Deniz Selek vor der Buchhandlung Wilde in Berlin aus ihrem neuesten Jugendbuch Aprikosensommer. Für den kleinen Rahmen war die Veranstaltung erstaunlich gut besucht und obwohl die Lesung draußen vor dem Laden in der prallen Sonne stattfand, weshalb ein paar Zuhörer im späteren Verlauf etwas Schutz unter Regenschirmen suchten, hörten alle Anwesenden aufmerksam und bis zum Ende zu.

Nach einer kurzen Einführung durch den Inhaber der kleinen Buchhandlung, erzählte Deniz Selek zunächst etwas über das Buch und wie die Idee dazu entstanden war. Als sie noch dabei war die Handlung zu entwickeln, wurde sie bei einer Lesung nach ihrem nächsten Roman gefragt. Sie erzählte von ihrer Idee über ein Mädchen zu schreiben, das ihren Vater nicht kennt, deren Mutter sich weigert über ihn zu sprechen und die sich dann selbst auf die Suche nach ihm macht. Ein Mädchen aus dem Publikum sagte daraufhin, dass das genau ihre Lebensgeschichte sei. Hinterher unterhielten sie sich lange und das Mädchen erzählte ein bisschen von sich, sodass das Buch nun fast schon eine wahre Geschichte beschreibt. Das betreffende Mädchen ist im Moment allerdings noch zu jung um sich selbst auf die Suche nach ihrem Vater zu begeben wie es die Protagonistin in Aprikosensommer tut.

Daraufhin las sie einige Auszüge aus dem Roman vor. Zuerst eine Szene vom Anfang, als zweites eine Szene, die uns einen Eindruck von der Mutter-Tochter-Beziehung vermitteln sollte, dann eine aus der Mitte, in der Eves Mutter ihr eröffnet, dass sie gemeinsam nach Istanbul fliegen und dort vielleicht ihren Vater treffen, und abschließend noch die Szene von ihrer Ankunft in Istanbul.

Die Szenen waren jeweils recht kurz um nicht zu viel vorweg zu nehmen und weil Deniz Selek natürlich vermeiden wollte, dass wir zu sehr von der Sonne geröstet werden. Sie bedankte sich für unsere Aufmerksamkeit sowie unser Durchhaltevermögen und gab zu die ganze Zeit damit gerechnet zu haben, dass wir irgendwann gehen, weil wir die Hitze nicht mehr aushalten.

Damit wir endlich aus der Sonne kamen, fand auch keine richtige Fragerunde mehr statt, aber während des Signierens gab es noch genügend Gelegenheiten kurz mit der sympathischen Autorin zu plaudern, die ich natürlich nutze. So erfuhr ich zum Beispiel, dass ihr Roman Zimtküsse inzwischen in zwei verschiedenen Schulbüchern aufgegriffen wird, was ich persönlich besonders lobenswert und spannend finde. Der dritte Teil ihrer Heartbreak-Familiy Reihe [Kismet - Couscous mit Herzklopfen] erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2016, nachdem die ersten beiden Bände neu gestaltet wurden, einschließlich neuer Titel. Im gleichen Jahr soll auch ein neuer Roman für Erwachsene bei Droemer Knaur [Die Frauen vom Meer] erscheinen.

Insgesamt war die ganze Lesung sehr locker und ungezwungen. Kurz, klein, aber sehr nett. Wer Fragen hatte, wurde sie los. Wer ein Photo haben wollte, bekam eines. Von mir aus dürfte es also gerne mehr von solchen Veranstaltungen geben.

Apr  04

[Lesung] Isabel Abedi

04. April 2016 | 17:11 | Erlebt, Mitgemacht

Am 9. März 2016 fand im Schlosspark Theater in Berlin die Buchpremiere zu Die längste Nacht, dem neuesten Jugendroman von Isabel Abedi, das erst eine knappe Woche später in die Buchläden kam, statt und als großer Fan der Autorin war auch ich bei der ausgebuchten Veranstaltung natürlich mit von der Partie.

Nach einer kurzen Einführung durch Moderatorin Theresa Feldhaus, Mitarbeiterin der Literaturinitiative, die die Lesung organisiert hatte, wurde Isabel Abedi, die passend zum Cover in einem schwarzen Kleid und gelben Strumpfhosen erschien, auf die Bühne gebeten und mit tosendem Applaus von den anwesenden Gästen, hauptsächlich Schüler diverser Berliner Schulen, begrüßt. Sie strahlte vor Freude über das neue Buch, das sie selbst an diesem Tag ebenfalls zum ersten Mal in den Händen hielt. Im Gepäck hatte sie außerdem die beiden Musiker Sarah Schüddekopf und Ramòn Lazzaroni, die sie während der Lesung mit verschiedenen Instrumenten, darunter Cello und Saxophon, begleiteten.


Etwa eine Dreiviertelstunde lang konnten die Zuhörer abwechselnd der Stimme Isabel Abedis, die mehrere Szenen aus dem Buch vortrug, und dazu passender, stimmungsvoller Musik, die die Atmosphäre gekonnt unterstrich und auch einen thematischen Bezug zur Handlung hatte – teilweise kommen die Instrumente und Lieder nämlich in dem Roman vor – lauschen.

Danach übergab die Literaturinitiative das Wort an die Autorin, die zunächst ihren Dank an alle Beteiligten, einschließlich des Publikums, aussprach und anschließend zahlreiche Fragen beantwortete. Sie verriet, dass ihre Charaktere früher oder später immer lebendig werden und sie als Autorin dann kontrollieren würden. Sie bekämen dann wie Pinocchio einen eigenen Willen. Das passiere ihr bei jedem Buch und hier ganz besonders. Die Protagonistin Vita habe sie sogar dazu veranlasst noch einmal die Handlung zu ändern.

Die längste Nacht ist ihr fünftes Jugendbuch und trug den Arbeitstitel „Das Manuskript“. Über den Titel entscheide meist der Verlag, Isabel Abedi habe jedoch zumindest ein Mitspracherecht und sei auch selbst auf den endgültigen Titel gekommen. Der Verlag hält das Buch für Leser ab 14 Jahren geeignet; der Autorin fiel diese Einordnung etwas schwerer, weshalb sie es einfach all jenen empfehlen würde, die sich bereits dafür interessieren.

Wie lange sie insgesamt an dem Buch gearbeitet habe, sei ebenfalls schwer zu sagen. Die Idee habe sie schon vor ca. vier Jahren gehabt, aber zwischendurch an anderen Büchern gearbeitet. Die reine Schreibzeit habe wohl um die sechs Monate betragen. Die Geschichte selbst sei einfach irgendwann zu ihr gekommen. Den Ort, an dem die Handlung spielt, kenne sie selbst sehr gut, weil sie oft dort gewesen sei. Und schließlich sei dann der Wunsch entstanden eine Geschichte zu schreiben, die dort spielt und ein Bild in dem im Buch erwähnten Kloster habe dann den Anstoß gegeben. Näher könne sie das jetzt allerdings nicht erklären, das würde zu viel verraten.


Ihr erstes Buch habe sie im Alter von acht Jahren geschrieben und ihrer Mutter zum Geburtstag geschenkt. Ihr erster veröffentlichter Roman erschien vor 17 Jahren. Ihre Manuskripte schreibe sie stets gleich am PC, Ideen hingegen auf alles, worauf sich schreiben lasse, inklusive Toilettenpapier.

Wie lange sie zum Schreiben brauche, sei von Buch zu Buch sehr unterschiedlich. Von Stunden (bei einem Bilderbuch) bis zu Jahren (bei einem Roman) sei im Prinzip alles vertreten.

Ihr liebstes Buch, wenn sie denn überhaupt eines habe, sei immer das neueste. Ansonsten könne sie keine Entscheidung treffen. Das sei wie bei den eigenen Kindern, selbst wenn sie insgeheim ein Lieblingskind hätte, würde sie es nie laut nennen.

Sie liebe ihren Beruf, trotzdem sei das Schreiben nicht immer nur spaßig. Es habe genauso Phasen gegeben, in denen sie darunter gelitten hat, dass sie nicht wusste, wie es weitergehen soll. Das Schreiben sei ihre Leidenschaft, doch in Leidenschaft stecke eben auch das Wort „Leiden“. Jeder, der Bücher schreiben will, müsse daher wissen, dass es nicht immer einfach sein wird.

Damit war die Zeit leider schon vorüber, auch wenn längst noch nicht alle Fragen beantwortet waren. Im Anschluss signierte Isabel Abedi im Foyer aber natürlich noch Bücher, darunter vor allem zahlreiche Exemplare von Die längste Nacht, die pünktlich zur Lesung frisch aus der Druckerei gekommen waren.


Wer wollte, konnte diese Zeit zudem nutzen um noch ein paar eigene Fragen loszuwerden. Als ich mich schon einmal nach dem nächsten Jugendroman erkundigte, antwortete sie zu meiner Freude, dass es nicht wieder sieben Jahre auf sich warten lassen solle. Wann genau es erscheine, könne sie noch nicht sagen, zumal sie auch noch kein konkretes Thema habe, nur, dass es nicht wieder so lange dauern solle. Ein Buch habe sie außerdem schon angefangen und bislang etwa 150 Seiten geschrieben, das brauche jedoch noch Zeit, da es sich um ein sehr besonderes Projekt handele, und pausiere deshalb gerade. Vielleicht werde das schon ihr nächstes Buch, vielleicht komme erst ein anderes.

Des Weiteren erfuhr ich noch, dass Isabel Abedi Ende März selbst das Hörbuch zu Die längste Nacht einlesen wird bzw. inzwischen vermutlich bereits eingelesen hat. Wer an keiner ihrer Veranstaltungen teilnehmen konnte, wird später also zumindest so einen Eindruck von der interessanten Lesung gewinnen können.

[Dieser Artikel gehört zur aktuellen Blogtour zu Die längste Nacht. Morgen geht es auf Manjas Buchregal mit einem Beitrag zum Soundtrack weiter.]

Mrz  22

[Lesung] Brigitte Glaser

22. März 2016 | 23:55 | Erlebt

Am 29. April 2015 las Brigitte Glaser in der Polizeihistorischen Sammlung am Platz der Luftbrücke in Berlin aus ihrem neuen Roman Krähensommer. Die Veranstaltung wurde vor allem von Schülern besucht und auch von solchen der Literaturinitiative eröffnet. Isabel Lotting von Bastei Lübbe sagte ein paar kurze Worte über den Verlag, insbesondere zum neuen Imprint One, in dem sie vorwiegend All-Age Bücher aus allen Genres veröffentlichen wollen, ehe die Autorin, mit der ich vor der Lesung schon ein wenig plaudern konnte, auf die Bühne gebeten wurde.

Brigitte Glaser erzählte zunächst kurz etwas über ihre Protagonistin Inci und betonte dabei die richtige Aussprache des Namens. In manchen Ohren mag er vielleicht komisch klingen, doch seinen Namen kann man sich nun einmal nicht aussuchen. Dann las sie den Anfang des Buches vor.

Anschließend sprach sie über den Beruf des Polizisten, die Vor- und Nachteile, sowie deren Ausbildung in NRW, die dort aus Theorie, Training und einem Praktikum besteht. Ihr Roman Krähensommer spielt sich ausschließlich während des Theorieteils ab.

Daraufhin las sie zwei weitere Passagen vor. Die eine handelte von Incis erstem Tag an der neuen Schule, die andere davon, wie sie ihre früheren besten Freunde Falk und Mo kennen gelernt hatte. Danach folgte eine Diskussion, geleitet von vier Schülern der Literaturinitiative, und abschließend durfte das Publikum Fragen stellen. Zuerst wurde über die Heldin Inci geredet. Sie beschloss zur Polizei zu gehen, nachdem sie in einer bestimmten Situation von einer Polizistin gerettet wurde. Davor gehörte sie einem Diebestrio an. Sie stellt diesen Entschluss während der Ausbildung aber immer wieder in Frage.

Brigitte Glaser interessiert sich für fremde Welten, die ganz nah sind. Deshalb spielt das Buch im Migrationsmilieu. Sie wollte die Frage erkunden, was es für ein türkisches Mädchen bedeutet zur Polizei zu gehen. Auf welche Konflikte wird sie dabei treffen? Genau darum soll es auch in den Folgebänden gehen.

Die Frage, ob ihr Roman eine Moral vermitteln muss, hat sich die Autorin hingegen gar nicht gestellt. Sie hat einfach über die Realität recherchiert und Kriminalität begleitet die Jugend häufig als Grenzüberschreitung. Die höchste Kriminalitätsrate im Lebensverlauf liegt angeblich im Alter von dreizehn bis achtzehn Jahren. Moralische Werte für sich zu finden ist ein Prozess, sie müssen sich entwickeln und jeder muss sie für sich selbst finden. Daher will Brigitte Glaser auch nicht vorgeben, was richtig und was falsch ist.
Die Jugend ist für sie außerdem so interessant, weil sich vieles noch in der Schwebe befindet.

Mit anderen Autoren will sie sich nicht „messen“, das ist dem Schreiben nicht förderlich.


Vor dem Schreiben macht sie sich stets kundig, so hat sie sich zum Beispiel gut über die Polizeiausbildung informiert, damit sie eine fiktive Geschichte mit realen Gegebenheiten verknüpfen kann. Die Kriminalarbeit steht in ihrem Roman zwar im Vordergrund, allerdings geht es zur Abwechslung einmal nicht um einen Mord, sondern eine andere Tat. Die Faszination geht für sie davon aus die Lösung zu finden; dass das Böse zwar nicht verhindert, aber zumindest aufgeklärt werden kann und gegebenenfalls eine Bestrafung des Täters erfolgt.

Dann wurde sie nach den Unterschieden zwischen Krimi und Thriller gefragt. Thriller gehen ihrer Ansicht nach eher in Richtung Serienkiller und Psychopaten. Klassische Krimis leben hingegen von der Ermittlungsarbeit. Doch inzwischen gibt es ja auch humoristische Krimis usw., das Genre ist also breitgefächert.

Der Unterschied zwischen einem Jugendkrimi und einem Krimi für Erwachsene liegt in der Brutalität. Eine Leiche kann in beidem enthalten sein, aber wie brutal die Schilderungen sein dürfen, hängt von der Zielgruppe ab und wird mit dem Lektorat abgesprochen. Brigitte Glaser arbeitet jedoch an beidem gleich ernsthaft und recherchiert gleich viel, unabhängig von der Leserschaft. Persönlich mag sie es gern weniger blutig. Sie interessiert sich vielmehr für die Motivation und für die Frage, wie jemand überhaupt erst zum Täter wird.

Ihrer Meinung nach hat die Phantasie in dieser Hinsicht aber grundsätzlich keinen Einfluss auf die Persönlichkeit. Krimiautoren sind also nicht zwangsläufig selbst Psychopathen.

Das Wichtigste an jedem Buch sind für sie die Charaktere, durch sie entwickelt sich die ganze Geschichte. Ihre Figuren sind jedoch stets frei erfunden und haben keine Ähnlichkeit mit Bekannten und Verwandten, jedenfalls nicht absichtlich.

Da es so unendlich viele Krimis gibt, ist es zudem schwer in dem Bereich etwas Neues zu präsentieren. Hier soll die Ausbildung Abwechslung bieten. Sie kennt bisher keinen Roman, in dem dieser Aspekt beleuchtet wird, denn ihrer Erfahrung nach sind die Ermittler sonst meistens schon Kommissare oder ähnliches. Auf die Idee dazu kam sie, weil sie schon lange etwas darüber schreiben wollte, wie jemand Polizist wird, mit einer Figur, für die es ein ungewöhnlicher Weg ist.

Erst einmal ist nur ein zweiter Band geplant. [Dieser wird den Titel Wo ist Alma? tragen und im November 2016 erscheinen.] Ob es danach weitergeht, wird sich zeigen und hängt natürlich auch von den Verkaufszahlen ab.

Wie hat sie sich in die jungen Figuren hineinversetzt? Entweder denkt sie sich hinein oder sie fragt andere Kinder, in Workshops sucht sie beispielsweise gezielt Kontakt zu Jugendlichen. Sie selbst war aber schließlich auch einmal jung und manche Dinge ändern sich nicht. Für Krähensommer hat sie außerdem viel mit jungen Polizisten gesprochen.

Angehenden Autoren rät sie niemals aufzugeben.

Nachdem damit alle Fragen aus dem Publikum beantwortet waren, bedankte sich Brigitte Glaser bei allen Zuhörern für ihr Kommen und signierte interessierten Lesern zum Abschluss noch Exemplare ihres neuen Buches.

Dez  10

[Lesung] Laura Kneidl, Christine Millman, Carina Mueller

10. Dezember 2015 | 23:44 | Erlebt

Am Sonntag der diesjährigen Leipziger Buchmesse, 15. März 2015, besuchte ich unter anderem eine der kurzen Gänsehaut-Lesungen von Impress, dem digitalen Imprint des Carlsen Verlags, mit Laura Kneidl und Christine Millman, moderiert von Lektorin Pia Trzcinska. Carina Mueller hatte leider wegen Krankheit absagen müssen, ihr Part der Lesung wurde daher von einer Carlsen-Mitarbeiterin übernommen.

Als erstes war Laura Kneidl an der Reihe. Sie las einen spannenden Ausschnitt aus ihrem Roman Magic & Platina, nachdem sie das bisherige Geschehen vor der gewählten Szene kurz zusammengefasst hatte. Im Anschluss daran trug Christine Millman zwei Szenen aus verschiedenen Perspektiven aus ihrem Buch Seth vor. Darauf folgte eine kurze Lesung aus Moonlit Nights – Gefunden. Carina Mueller wurde dabei würdig von Nicole Boske vertreten. Während des Lesens wurden – dem Titel der Veranstaltung entsprechend – passende, zum Teil ziemlich schaurige, Hintergrundgeräusche abgespielt, die der Lesung eine besondere Atmosphäre verliehen.

Zum Abschluss fand eine kurze Fragerunde mit Fragen aus dem Publikum statt, die wir zuvor auf Zettel schreiben und in einen Korb legen konnten. Laura Kneidl gab zum Beispiel preis, dass sie schon an ihrem nächste Roman arbeite, aber außer „Fantasy“ noch nichts darüber verraten könne. Aus ihrer Elemente der Schattenwelt Reihe möge sie eindeutig Wayne am liebsten. Noch besser gefiele ihr nur Gabriel, dieser stamme allerdings aus einem anderen Werk.

Damit war die Lesung schließlich vorüber, doch ich fand es sehr interessant einmal eine Lesung von Autoren zu besuchen, die sich gerade erst auf dem Markt etablieren und ihren Fans mitunter zum ersten Mal Rede und Antwort standen.

Okt  21

[Sendung] quergelesen: Lesen – echt cool!

21. Oktober 2015 | 23:59 | Erlebt

Die diesjährige Leipziger Buchmesse ließ ich am Sonntag, 15. März 2015, am Nachmittag mit der Show quergelesen: Lesen – echt cool! ausklingen. Ich persönlich kannte sie noch nicht, aber sie läuft wohl zum Beispiel jeden zweiten Samstag im Monat um 7.15 Uhr auf rbb. (Kein Wunder also, zu der Zeit schlafe ich normalerweise noch lange. ^^‘)

Zu Beginn veranstaltete Moderator Marc Langebeck ein kurzes Bücherquiz mit ein paar kleinen Kindern, ehe er dann Maite Kelly und Britta Sabbag als Gäste auf die Bühne bat, die sich zunächst kurz vorstellten. Maite Kelly sei in Berlin geboren, lebe heute jedoch in NRW. Britta Sabbag habe, laut eigenen Angaben, ein Talent dafür ins Fettnäpfchen zu treten, aber mitterlweile immerhin fünf Bücher für Erwachsene geschrieben.

Nach einem kurzen Interview lasen sie gemeinsam ihr Bilderbuch Die kleine Hummel Bommel vor, wobei Maite Kelly die direkte Rede aller Charaktere mit verschiedenen Stimmen übernahm und für die passenden Geräusche sorgte, während Britta Sabbag für die restlichen Textpassagen zuständig war. Zwischendurch gaben sie kleine Anekdoten zum Besten, was ihren Vortrag noch umso lustiger machte.

Die unglaublich süßen Illustrationen von Joelle Tourlonias wurden dabei auf eine Leinwand hinter den beiden Frauen projiziert. An der entsprechenden Stelle sang Maite Kelly zudem natürlich auch „Du bist du“, das Lied aus dem Buch.

Anschließend wurde das Interview fortgesetzt. Das Buch sei aus der Überlegung heraus entstanden, warum Hummeln fliegen können, obwohl sie nach den klassischen Regeln der Physik doch eigentlich viel zu schwer und ihre Flügel viel zu klein dafür seien.

Die kleine Hummel Bommel werde außerdem auf jeden Fall noch ein zweites Abenteuer erleben, voraussichtlich 2016. Über einen potenziellen dritten und vierten Teil würden sie bereits nachdenken. Sie hätten aber nie damit gerechnet, dass das Buch so erfolgreich werden würde.

Die menschenähnliche Darstellung der Insekten sei eine Idee der Illustratorin gewesen, damit man sich besser mit den Figuren identifizieren könne und Mitgefühl mit ihnen habe.

Die Frage nach dem Alter der beiden Damen, die zum Schluss noch gestellt wurde, sorgte im Publikum für viel Gelächter, denn Maite Kelly antwortete, sie sei knackige 35, wohingegen Britta Sabbag nur entgegnete, dass sie auch einmal 35 gewesen sei.

Okt  06

[Lesung] Loewe Thrillernacht

06. Oktober 2015 | 21:55 | Erlebt

Auf Grund meines längeren Aufenthaltes bei der diesjährigen Leipziger Buchmesse konnte ich am Samstagabend, 14. März 2015, erstmals der Loewe Thrillernacht beiwohnen. Die vier anwesenden Autoren – Eoin Colfer, Janet Clark, Ursula Poznanski sowie Arno Strobel – zogen viele Leser an, weshalb das Theaterhaus Schille eigentlich viel zu klein für diese gefragte Veranstaltung war. Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit draußen im Regen auf den Einlass warten mussten, wurden daher nicht einmal alle Wartenden hinein gelassen. Allerdings ist es mir ohnehin schleierhaft ist, warum manche Eltern ihre Kinder im Grundschulalter (oder womöglich sogar jüngere) zu dieser Uhrzeit noch zu einer Lesung (mit)bringen. Vielen davon war erstens die Langweile und zweitens spätestens nach der Hälfte der Lesung anzumerken, dass sie längst ins Bett gehörten.

Eröffnet wurde der Abend, den Marc Langebeck moderierte, schließlich von Janet Clark. Sie berichtete zunächst von ihrem Engagement für Frauen, die Krimis schreiben. Gemeinsam mit anderen versuche sie zu ergründen, warum männliche Krimiautoren besser bezahlt werden und deren Romane mehr Auszeichnungen erhalten, obwohl statistisch betrachtet mehr Krimis von Frauen als von Männern geschrieben werden. Liegt es einfach daran, dass die Männer besser schreiben oder hat es etwas mit dem Überschuss an maskulinen Jury-Mitgliedern zu tun?

Dann sagte sie einige Worte zu ihrer aktuellen Reihe Finstermoos. Berlin spiele oft eine Rolle, weil sie es für eine sehr spannende Stadt halte, weshalb es bestimmt irgendwann einen Krimi geben werde, der nur in der Hauptstadt spielt. In ihrem nächsten Roman, an dem sie gerade arbeite, spiele sich die Handlung aber erst einmal in London und Florenz ab.

Nach dieser kurzen Einführung las sie eine Szene aus dem ersten Band Finstermoos – Aller Frevel Anfang. Insgesamt werde es vier Bände geben, doch im Grunde handele es sich dabei vielmehr um ein Buch, das aufgeteilt wurde um potenzielle Leser nicht durch die ansonsten sehr hohe Seitenzahl abzuschrecken. Der erste Teil ende deshalb auch mit einem fiesen Cliffhanger.

Als nächstes stellte Arno Strobel sein neues Werk Schlusstakt vor. Über 20 Jahre lang habe er als Informatiker für eine Bank in Luxemburg gearbeitet und bis vor einem Jahr nur nebenbei geschrieben. Inzwischen habe er diesen Job jedoch aufgegeben um nun Vollzeit als Autor zu arbeiten. Dadurch könne er jetzt sogar zwei Bücher pro Jahr schreiben.

Sein neuer Roman handele von einer Casting-Show, weil es ein Thema sei, das Jugendliche momentan sehr beschäftigen würde und oft mehr dahinter stecke als es scheint. Zur Recherche habe er unter anderem stundenlang diverse Casting-Shows angeschaut und Teilnehmer sowie Gewinner interviewt, wegen ihrer Knebelverträge allerdings stets nur anonym. In Schlusstakt sei somit nicht alles frei erfunden und er selbst würde seinen noch minderjährigen Kindern nicht erlauben an so einer Show teilzunehmen.

Nachdem er eine Szene aus dem Buch vorgetragen hatte, beantwortete er einige Fragen aus dem Publikum. Mit einem Augenzwinkern gab er an, dass alle Ähnlichkeiten zu existierenden Casting-Shows rein zufällig seien. Die Handlung hatte von Anfang an auf einer Insel spielen sollen um die extremen Gegensätze zwischen dem traumhaften Setting auf den Malediven und der krassen Realität hinter der Kamera hervorzuheben. Arno Strobel schreibe (auch) für Jugendliche, weil sie so unbedarft an gewisse Dinge herangingen und öfter aktiv handeln würden statt sich nur zu sorgen. Deshalb habe es ihn so gereizt seine Figuren auf bestimmte Arten agieren zu lassen. Er verzichte aber absichtlich auf Jugendsprache, da nichts peinlicher sei als ein alter Mann, der versuche jugendlich zu klingen. Bei seinem ersten Jugendthriller habe er aus Angst vor zu viel Brutalität noch gänzlich auf einen Mord verzichtet, wofür er jedoch später bitterböse Mails erntete. Seine eigenen Kinder mögen seine Bücher sehr, nur seiner Ältesten habe Schlusstakt nicht gefallen, doch diese lese generell nicht viel.

Daraufhin betrat Ursula Poznanski die Bühne, die ihre dystopische Trilogie laut eigenen Angaben zu den Soundtracks von Game of Thrones und Gladiator schrieb. Sie habe es extrem genossen sich eine eigene Gesellschaft auszudenken und eine ganz eigene Welt zu kreieren. Emotionskontrolle könne sie bei sich selbst aber nur beim Schreiben anwenden, nicht im privaten Leben, da bemühe sie sich gar nicht erst darum. Es sei ihr nicht schwer gefallen den zweiten Band zu schreiben, weil sie genau wusste, was am Ende passieren, welche Bombe sie platzen lassen würde. Sie habe sich bereits im Vorfeld eine Geschichte überlegt, die dreigeteilt war und auf Grund ihrer Komplexität auch drei Teile erforderte. Außerdem könne sie sich durchaus vorstellen noch einmal eine Trilogie zu schreiben.

Im Anschluss an eine grobe Zusammenfassung der Handlung der Reihe las sie dann einen sehr spannenden Abschnitt aus dem dritten Band Die Vernichteten vor, ehe sie ebenfalls ein paar Fragen aus dem Publikum beantwortete. Andris sei eine ihrer Lieblingsfiguren gewesen, da er nie Mühe gemacht habe, ebenso wie Tycho. Natürlich möge sie Ria ebenfalls sehr, sonst wäre sie nicht die Erzählerin. Warum die Trilogie eine Dystopie wurde? Die Geschichte habe sie schon grob in ihren Kopf gehabt, hätte sie jedoch nicht in der realen Welt spielen lassen können. Sie brauchte die totale Trennung der beiden Gruppen, weshalb ihr nur zwei Möglichkeiten geblieben seien: Fantasy oder Zukunftsszenario und sie habe sich für letzteres entschieden. Um was sich die Geschichte drehe und welches Geheimnis sich dahinter verberge, habe sie von Anfang an gewusst; viele kleinere Details hätten sich aber erst während des Schreibens aus der Dynamik der Geschichte heraus entwickelt. Quirins Plan finde sie genial, doch sie könne nicht sagen, ob sie genauso handeln würde … vielleicht ja. Daher könne sie nicht sagen, ob Quirin nun gut oder schlecht sei; in der ganzen Serie ginge es ja gerade darum diese Einordnung zu hinterfragen. Ria denke ja anfangs auch, dass die Sphären die Guten und die Prims die Bösen seien.

Nachfolgend durften wir den sehr sympathischen irischen Autor Eoin Colfer begrüßen, der von Schauspieler und Hörbuchsprecher Rainer Strecker begleitet wurde. Er erzählte uns zuerst, dass er in Deutschland schon einmal in einem Leichenschauhaus gelesen habe, das Theater am heutigen Abend jedoch ein perfekter Veranstaltungsort sei, weil er schon immer gern ein Theater habe führen wollen und ein Theater auch in WARP eine Rolle spiele. Nach einer Dystopie ginge es nun um eine Zeitreisegeschichte, in der die Figuren aber eine dystopische Zukunft verhindern wollen. Die Theorie der so genannten Einstein-Rosen-Brücke diente ihm dabei als eine Art Grundlage. Er habe sich dafür entschieden ein Wurmloch ins viktorianische London zu öffnen, weil es eine sehr faszinierende Zeitperiode gewesen sei und damals zudem die ersten bekannten Science-Fiction-Romane, z.B. von Jules Verne, erschienen seien. In seiner Reihe gebe es zwei Handlungsstränge und damit zwei gleichwertige Protagonisten, die sich gleichzeitig lieben und hassen können – doch spätestens nach 50 Jahren sei das vorbei. *g*

Obwohl er nichts vorbereitet hatte, wurde Eoin Colfer dann wegen des tollen Klangs seines Akzents vom Publikum dazu genötigt ein paar Seiten auf Englisch – alternativ zur Not auch gern auf Deutsch – zu lesen; vorher würden die Zuhörer ihn nicht gehen lassen. Schnell wurde ihm daher ein englisches Exemplar gereicht. Anschließend übernahm Rainer Strecker jedoch das Lesen eines gekürzten Kapitels auf Deutsch und bewältigte diese Aufgabe, wie gewohnt, mit Bravour. Er verlieh jeder Figur eine ganz eigene Stimme, betonte stets genau die richtigen Stellen, variierte die Lautstärke und gab somit eine schauspielerische Höchstleitung ab. Eoin Colfer schien diese enthusiastische Darbietung zu erstaunen und sein irritierter Blick in Kombination mit seinem Kommentar „you’re scaring me“ erntete viele Lacher. Er betonte aber, dass er Rainer Strecker als Sprecher sehr gern möge.

Letzterer berichtete ferner kurz von der Arbeit am Hörbuch. Er bereite sich immer gut vor, lese das Buch mehrfach und hebe die verschiedenen Stimmen im Script zum Beispiel in unterschiedlichen Farben hervor.

Hinterher wurde der Autor noch gefragt, ob er denn etwas von der deutschen Textstelle verstanden habe. Seine – nicht ganz ernst gemeinte – Antwort: Es sei vermutlich etwas über Rainers Kindheit gewesen. *lol* Nein, verstanden habe er eigentlich nichts, doch er meinte gemerkt zu haben, dass der Auszug gekürzt wurde.

Nach Artemis Fowl habe er erst einmal eine Pause gebraucht und daher zunächst zwei Krimis geschrieben, die unter den Titeln Der Tod ist ein bleibender Schaden und Hinterher ist man immer tot auch auf Deutsch erschienen sind. Erst danach kehrte er zu einer phantastischen Serie – als Ire glaube er tatsächlich an Magie – zurück, auch wenn es sich genau genommen wohl eher um Science Fiction handele. Wer sein Vorbild für Colonel Box war? Vielleicht Stalin.

Nach ungefähr zwei Stunden war dieser Teil des Abends damit leider schon vorüber, aber es gab natürlich die Möglichkeit sich von jedem der Autoren Bücher (oder Autogrammkarten) signieren zu lassen, wobei man ihnen noch die eine oder andere zusätzliche Frage stellen konnte.

Nach dem etwas missglückten Start hat mir der Abend insgesamt ausgesprochen gut gefallen und falls ich im nächsten Jahr wieder in Leipzig übernachten sollte, werde ich mir die Loewe-Thrillernacht, sofern sie erneut stattfindet, garantiert nicht entgehen lassen!

Jul  31

[Lesung] Patrick Rothfuss

31. Juli 2015 | 23:45 | Erlebt

Am 16. März 2015 las Patrick Rothfuss im Auditorium maximum meiner Alma mater, der Humboldt-Universität zu Berlin, und obwohl ich bisher leider noch nichts von dem Autor gelesen habe, ließ ich mir die Chance diesen einmal zu treffen natürlich nicht entgehen. Außerdem hatte eine Freundin, die mir seine Bücher schon vorher voller Begeisterung empfohlen hatte, mich ohnehin gebeten sie zu begleiten. Und eins kann ich euch versichern: Ich habe das Audimax während meines gesamten Studiums NIE derartig voll erlebt. Es schien als wäre jeder einzelne Platz besetzt, selbst oben auf den Rängen. Bei diesem Anblick wären einige Professoren sicher vor Neid erblasst.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Marina Weisband, die sehr interessante Fragen stellte und die Antworten des Autors für all jene Gäste, die die englische Sprache nicht so gut beherrschten, ins Deutsche übersetzte. Die deutschen Passagen wurden hingegen von Schauspieler und Synchronsprecher Gunnar Helm vorgetragen.

Zu Beginn las allerdings zunächst Patrick Rothfuss, der einen sehr lustigen und sympathischen Eindruck vermittelte, höchstpersönlich die erste Seite seines neuen Romans, Die Musik der Stille, vor, aber natürlich „nicht auf Deutsch“, wie er so schön sagte.

Im Anschluss beantworte der Autor ein paar Fragen. Ein kurzer Hinweis dazu vorweg: Einige Antworten sind stark gekürzt, weil es mir zum Teil unmöglich war seine geistigen Ergüsse und meistens sehr ausführlichen Antworten schnell genug mitzuschreiben. Ich habe mich jedoch um eine möglichst umfangreiche Zusammenfasssung bemüht.

In einer Übersetzung gehe leider immer viele Dinge verloren, wie zum Beispiel die geheime, tiefere Bedeutung von Ortsnamen. Wie sei es für ihn durch eine Übersetzung die Kontrolle über sein Buch zu verlieren? Er antwortete, er sei kein Kontrollfreak, der wolle, dass alles perfekt sei. Ja, vieles habe mit Sprache zu tun, aber er hatte im Grunde keine andere Wahl als loszulassen, weil Englisch nun einmal die einzige Sprache sei, die er fließend spreche. Er hatte seinen eisernen Griff also zwangsläufig lockern müssen. Außerdem sei ihm bewusst, dass er oft mit der Sprache spiele und deshalb ohnehin schwer zu übersetzen sei. Er biete seinen Übersetzern daher immer an ihm Fragen zu stellen um sich auszutauschen und ihre Arbeit so etwas zu erleichtern. Manche Sachen könne man jedoch auch einfach nicht übersetzen, wortwörtlich schon gar nicht.

In Die Musik der Stille habe er sich sprachlich gesehen sogar noch mehr ausgetobt als in Der Name des Windes. Er habe dabei sogar gleich an die Übersetzer denken müssen und gewusst, dass manche Wortspiele nicht zu übersetzen wären. „Sorry“.

Auf die nächste Frage antwortete er, dass er zumindest hoffe, dass es einen Unterschied zwischen ihm und den Autoren gebe, die schlechte weibliche Figuren entwerfen. Er denke viel über seine Charaktere nach und gehe vorsichtig mit ihnen um. Es sei ihm wichtig, eine starke, weibliche Figur zu kreieren, weil er wisse, dass Frauen in unserer Gesellschaft oft schlecht dargestellt oder falsch wahrgenommen würden. In Bezug auf Denna sei das größte Problem dabei, dass sie oft nicht das tue, was man aus gesellschaftlicher Sicht von ihr erwarte. Manche Leute würden denken es sei ihre Pflicht Kvothe zurückzulieben und wenn sie das nicht tue, seien die Leute sauer oder hielten Denna gar für eine Schlampe und das sei in seinen Augen eine furchtbare Denkweise. Es mache Patrick Rothfuss vielmehr stolz, dass Denna eine starke Frau sei, die eine Beziehung verlassen würde, wenn es ihr darin nicht gut ginge oder sie schlecht behandelt würde.

Daraufhin fragte er das Publikum, wer jemanden kenne, der in einer Beziehung schon einmal misshandelt wurde und es gingen erschreckend viele Hände hoch. Er sagte, die einzige Möglichkeit in so einer Situation wäre es zu gehen, die Beziehung zu verlassen und all das hinter sich zu lassen. Das wäre das einzig Richtige! Dann kam er noch einmal kurz auf die Ausgangsfrage zurück. Er wolle nicht dazu beitragen eine weibliche Figur zu zeigen, die ständig nur um den Protagonisten kreise. Er wolle Denna nicht schwach oder oberflächlich erscheinen lassen und denke, dass sei ihm gelungen.

Nachfolgend wurde eine Szene aus dem neuen Roman auf Deutsch vorgelesen, ehe das Interview fortgesetzt wurde.

Patrick Rothfuss bevorzuge es seinen Lesern Raum zu lassen die Geschichte so zu genießen, wie sie es wollen. Deshalb beschreibe er Fela beispielsweise kaum, wodurch jeder eine etwas andere Vorstellung von ihr habe. Sie sollen die Möglichkeit haben „schön“ auf ihre eigene Art auszulegen. Er wolle ihnen somit nicht vorschreiben, was „schön“ sei und lasse sich diese Arbeit lieber von den Lesern abnehmen. Das sei aber nur ein kleines Beispiel dafür.

In Auris Geschichte wolle er es ebenfalls dem Leser überlassen, wie er die Dinge sehe. Ihre Rätselhaftigkeit mache ihren Charme aus, doch der Rest sei der individuellen Interpretation überlassen. Es gebe demnach verschiedene Möglichkeiten Auri zu sehen, aber keine falsche Lesart; jeder solle für sich selbst entscheiden. Der Autor möge sogar die Blickwinkel, die er selbst gar nicht gesehen habe. Jede mögliche Sicht auf die Dinge sei für ihn in Ordnung.
Begrenzt sei die Auslegung lediglich auf die Grundlage, also die Belege dafür im Text, sodass Auri jedenfalls keine Schildkröte sei. *g*

Er verrate allerdings noch nicht, ob Auri im dritten Band der Königsmörder-Chronik eine wichtigere Rolle spielen werde. Wann dieser erscheint? Sobald er es weiß, werde er es uns wissen lassen. Er werde es nicht geheim halten! Manchmal würde ihm unterstellt, er sei ein Alien, der sich von dem Elend seiner Leser ernähre, aber nein! The Doors of Stone (so der Arbeitstitel) sei schlicht noch nicht fertig. Wann es fertig werde, wisse er noch nicht und er wolle nicht noch einmal den Fehler machen einen konkreten Zeitpunkt zu nennen, den er vielleicht gar nicht einhalten könne, sodass die Leute dann traurig seien. Also sage er jetzt 2025, damit wir alle überrascht seien, wenn es doch eher erscheine. Er gebe sein Bestes, weil er eben das beste, ihm mögliche Buch schreiben möchte.

Ob er daran interessiert sei andere Genres auszuprobieren? „NO!“ Im Fantasy-Bereich könne er alles machen, was er in jedem anderen Genre auch machen könne – plus Elben. Er müsse sich also nicht schlecht fühlen, wenn er zum Beispiel einen Geist in eine „normale“ Handlung einbringe. Er liebe einfach Geschichten mit phantastischen Elementen. Seiner Meinung nach würden sie Bücher fast immer besser machen, es verleihe ihnen einen besonderen Geschmack.

Anschließend beantwortete er noch Fragen aus dem Publikum, darunter Fragen nach Tipps zum Schreiben, der Handlung des dritten Bandes, die er selbstverständlich noch nicht preisgebe, und nach einem Charakter, den er für ein Videospiel entwickele. Letzteres sei eine ganz andere, neue Erfahrung für ihn, weil ihm die Kontrolle über die Handlung etc. völlig entzogen sei. Er könne noch nicht viel darüber verraten, sei aber sehr aufgeregt deswegen.

Wie viel von Kvothe seinem eigenen Leben entnommen sei? „Das schöne Spiel“ stamme aus seinem eigenen Leben. Er wurde auf einem Spielplatz dazu inspiriert, als er Kindern beim Spielen zusah. Manchmal kämen Dinge also tatsächlich aus der realen Welt. Das sei jedoch ein komisches Beispiel.

Neil Gaiman und Terry Pratchett zählen zu seinen Lieblingsautoren. Das letzte Einhorn sei eines seiner Lieblingsbücher. Er liebe die fantastische Sprache, deretwegen es wahrscheinlich auch ein Alptraum sei das Buch zu übersetzen. Er selbst habe zudem einen Goodreads Account und rezensiere dort regelmäßig Bücher.

Es gebe zwar Gespräche über Verfilmungen, vielleicht werde aber nichts daraus und vermutlich würden es sowieso alle hassen, wenn sie doch gemacht würden. Er werde seinen Fans neue Entwicklungen in dieser Hinsicht keinesfalls vorenthalten. Natürlich hätte er dann auch gern die Kontrolle über die Filme, würde sie aber wohl nicht bekommen.

Damit war die Zeit leider um, zumal er noch Bücher signieren wolle und die Universität vermutlich sauer wäre, wenn er das Audimax bis 3 Uhr morgens in Beschlag nähme. Er bedankte sich bei allen für unser Kommen und bat die Leute in der Signierschlange nach vorn zu lassen, die vielleicht noch Kinder vom Babysitter abholen oder einen bestimmten Zug/Bus erwischen müssten.

Da Photos sowieso erst nach dem Signieren gemacht werden konnten und meine Begleitung als großer Fan natürlich unbedingt eines wollte, wofür ich vollstes Verständnis hatte, blieben wir also einfach sitzen, bis nur noch eine Handvoll Leute im Hörsaal waren und man nicht mehr anstehen musste.

In der Zwischenzeit kaufte ich mir noch ein Exemplar von Der Name des Windes, weil mir der Autor und seine Antworten so gut gefallen hatten, dass ich die Reihe garantiert eines Tages lesen werde. Sonst würde ich mich nämlich, spätestens wenn sie mir dann so gut gefällt wie erhofft, unglaublich über mich selbst ärgern, dass ich mir die Chance auf ein signiertes Exemplar entgehen ließ. Dieses Risiko wollte ich also gar nicht erst eingehen.

Jul  25

[Lesung] Crème de la Crime

25. Juli 2015 | 16:50 | Erlebt

Am 7. Juli 2015 waren gleich drei talentierte deutsche Autorinnen zu Gast in Berlin und stellten unter dem Motto „Crème de la Crime“ ihre neuesten Romane in der Uslar & Rai Buchhandlung vor: Zoë Beck, Wiebke Lorenz und Melanie Raabe. Die Lesung war gut besucht und als sich der Abend seinem Anfang näherte, waren die geschätzten 50 Plätze im Laden beinahe alle besetzt.

Nach einem kurzen Empfang durch Katharina von Uslar übernahm Wiebke Lorenz größtenteils die Moderation der Veranstaltung und brachte die Zuhörer mit ihrem einmaligen Humor mehrfach zum Lachen. So begrüßte sie uns beispielsweise alle zur Berliner Fashion Week und erklärte uns zunächst den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Krimiautoren: Die weiblichen sehen einfach alle viel besser aus! *g*

Danach sagte sie kurz ein paar Worte zum Ablauf der Lesung, war sich bezüglich der Reihenfolge der jeweiligen Vorträge allerdings noch unsicher. Zuerst schlug sie vor, dass die schönste Autorin anfangen sollte, also 1. Melanie Raabe, 2. Zoë Beck, 3. Wiebke Lorenz, woraufhin sie natürlich heftigen Widerspruch erwartete. Besser wäre also mit der intelligentesten Autorin zu beginnen. Oder mit der witzigsten? Nein, das beste Buch sollte den Abend eröffnen, also würden sie einfach alle drei gleichzeitig vorlesen. *lol*

Schließlich begann Zoë Beck das erste Kapitel aus ihrem aktuellen, politischen Thriller Schwarzblende vorzutragen. Sie las mit einer tiefen, sehr ansprechenden Stimme, der man gerne aufmerksam zuhörte. Nur die Dialoge waren manchmal ein wenig seltsam bzw. ungenügend betont. Die Szene handelte von einem brutalen Mord in der Öffentlichkeit und war einem Verbrechen nachempfunden, das sich vor wenigen Jahren wohl so ähnlich im Londoner Süden abgespielt und die Autorin zu diesem Roman inspirierte hatte. Auch dort wurde die grausame Tat gefilmt und das Video kann laut ihrer Aussage noch immer im Internet gefunden werden. Auf die Frage nach dem Motiv hatten die Täter mit „Tod jedem, der gegen den Islamischen Staat ist“ geantwortet, was Zoë Beck dazu veranlasste sich mit der medialen Öffentlichkeit, dem Umgang der IS mit dieser sowie dem Problem der inneren Sicherheit zu beschäftigen.

Im Anschluss an diese kurze Hintergrundgeschichte las sie noch eine kurze, äußerst spannende Szene aus dem letzten Drittel des Romans. Den Ausgang lies sie dabei selbstverständlich offen, damit es sich noch lohnt das Buch zu lesen, das man bei Bedarf nachher sogar in der Buchhandlung erwerben könne.

Mit einer kleinen Anekdote von der letzten Leipziger Buchmesse leitete Wiebke Lorenz dann zu Melanie Raabe über, welche die ersten Seiten aus ihrem Debutroman Die Falle präsentierte. Sie wollte vorher nicht viel zur Handlung sagen, da sie auch ihre Leser ohne Erklärungen mitten ins Geschehen hineinwirft. Melanie Raabe hatte ebenfalls eine sehr angenehme Stimme und betonte stets genau an der richtigen Stelle.

Nach den ersten beiden Kapiteln verriet sie aber schließlich doch noch etwas mehr über den Inhalt des Buches sowie ihre Protagonistin Linda, bevor sie uns als zweites die Szene vorlas, in der diese zum ersten Mal dem Mörder ihrer Schwester „begegnet“.

Hinterher übergab sie das Wort wieder an Wiebke Lorenz, wobei Zoë Beck zunächst sowohl die Autorin als auch ihr neuestes Werk Bald ruhest du auch kurz vorstellte. Wiebke Lorenz erzählte uns nachfolgend außerdem, dass ihre Geschichten zwar immer fiktional seien, sie beim Schreiben aber aus ihren persönlichem Empfindungen und Erfahrungen schöpfe.

Nach ein paar Sätzen zur Handlung – es geht um eine Frau, deren kleines Kind entführt wird – las sie zuerst den Anfang ihres Buches vor, ehe sie noch eine zweite Szene wählte. Wiebke Lorenz las ebenfalls sehr gut, fesselte den Leser und überraschte mit einem lautstarken Streitgespräch, das sie entsprechend vortrug.

Mit einem Dank an alle Anwesenden neigte sich die Veranstaltung daraufhin leider schon dem Ende zu. Zu meiner kleinen Enttäuschung gab es trotz vorheriger Ankündigung leider keinen allgemeinen Interviewteil mit Fragen aus dem Publikum. Alle drei Autorinnen hielten sich jedoch noch lange im Laden auf, sodass man sich nicht nur seine Bücher signieren lassen, sondern sich auch problemlos mit ihnen unterhalten konnte und somit die Möglichkeit hatte all die Fragen, die einem möglicherweise auf der Seele brannten, loszuwerden.

Insgesamt war es also ein wirklich toller Abend mit drei sehr talentierten Frauen, den ich jederzeit gern wiederholen würde. Wenn eine der drei Damen also einmal in eurer Nähe liest, solltet ihr diese Chance unbedingt nutzen.

Ich persönlich hatte zudem sogar noch die Ehre die Autorinnen und Buchhändler im Anschluss an die Lesung in ein französisches Lokal begleiten zu dürfen, wo wir den großartigen Abend bei Wein – oder in meinem Fall Cranberrysaft – leckerem Essen und interessanten sowie lustigen Gesprächen ausklingen ließen.

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